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Indien Hunderte Festnahmen bei Fackellauf

 ·  Nur mit Massenverhaftungen konnte die indische Polizei den olympischen Fackellauf durch Delhi sichern. 16.000 Sicherheitskräfte waren aufgeboten. Die befürchteten Selbstverbrennungen exil-tibetischer Mönche blieben aus.

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Mit Massenfestnahmen hat die indische Polizei auf Proteste von Exil-Tibetern gegen den olympischen Fackellauf in Delhi reagiert. Ein Polizeisprecher sagte, am Donnerstag seien in der Hauptstadt und der Umgebung insgesamt 276 Menschen wegen der Proteste festgenommen worden.

Umringt von Sicherheitskräften liefen die 70 Fackelträger auf der verkürzten Distanz von nur noch knapp drei Kilometern jeweils nur wenige Dutzend Schritte auf der Prachtstraße Raj Path zum „Tor nach Indien“ im Zentrum der Metropole. Rund 16.000 Sicherheitskräfte waren aufgeboten, um Zwischenfälle entlang der Strecke zu verhindern.

Proteste auch in Nepal

Die Öffentlichkeit war von der Veranstaltung in dem abgeriegelten Regierungsviertel nahezu ausgeschlossen. Nur Inder und Chinesen mit besonderer Einladung sowie ausgesuchte indische Schulkinder waren als Zuschauer zugelassen. Bei den bislang größten Protesten von Exil-Tibetern in Nepal wurden derweil nahe der chinesischen Botschaft in Katmandu nach Angaben der Polizei
mehr als 500 Menschen festgenommen.

Delhi galt als besonders kritische Station, weil der Dalai Lama seit 1959 in Indien Exil genießt. Dort leben die meisten Tibeter außerhalb Chinas. Ihre Zahl wird auf über 100.000 geschätzt. Neben Dharamsala, dem Sitz des Dalai Lama und seiner Exilregierung, hat sich Delhi zu einem Zentrum der Tibeter entwickelt. Bis zuletzt fürchtete die Polizei, dass es zu Selbstverbrennungen tibetischer Mönche vor laufenden Kameras und damit vor den Augen der Welt kommen könnte.

Der Dalai Lama hatte seine Anhänger bis zuletzt dazu aufgerufen, nur friedlich zu demonstrieren. Rund 2000 Demonstranten hatten am Vormittag einen alternativen Fackellauf durchgeführt, der am Mausoleum Mahatma Gandhis begann und an dem auch ehemalige Spitzensportler Indiens teilnahmen. Entzündet werden sollte die Fackel vom früheren indischen Verteidigungsminister George Fernandes, der inzwischen der Opposition angehört. Sie kamen aber nicht in die Nähe der offiziellen Route, die weiträumig durch Polizeikontrolleure abgesichert war.

Cricket-Star sagt Teilnahme ab

Am Mittwoch wurden mehr als 60 Tibet-Aktivisten bei dem Versuch festgenommen, die chinesische Botschaft in Delhi zu stürmen. Die Straßen um die Vertretung sind schon seit einiger Zeit abgesperrt. Im März war es Dutzenden Demonstranten gelungen, auf das Botschaftsgelände vorzudringen. Nach dem Vorfall war die indische Botschafterin in Peking ins dortige Außenministerium einbestellt worden. In den Wochen darauf hatte China gedroht, die Fackelstation Delhi auszulassen, wenn Zweifel an einem reibungslosen Ablauf fortbestünden.

Die Zeitung „Hindustan Times“ berichtete am Mittwoch, dass nur 500 offizielle Gäste und einige ausgewählte Schüler zugelassen seien. Als vierter Fackelträger hat am Donnerstag der Cricket-Star Sachin Tendulkar die Teilnahme abgesagt. Der wohl berühmteste Sportler Indiens gab gesundheitliche Probleme und Terminschwierigkeiten an.

Gewalt von Islamisten?

Während die Exil-Tibeter überwiegend friedliche Proteste angekündigt hatten, drohte auch von anderer Seite womöglich Gewalt. Die „Hindustan Times“ zitierte am Mittwoch aus einem Bericht des indischen Geheimdienstes, demzufolge fünf Islamisten aus der chinesischen Provinz Xinjiang in Delhi eingetroffen seien. Sie sollen dem „East Turkestan Islamic Movement“ angehören, die einen uigurischen Scharia-Staat in Xinjiang anstreben, und werden vom Geheimdienst als „Bedrohung“ für die Zeremonie bezeichnet.

Der Fackellauf war auch in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ohne Vorkommnisse beendet worden. Aus Sicherheitsgründen war die Olympiazeremonie von der Straße ins Jinnah-Stadion verlegt worden. Präsident Musharraf und der neue Ministerpräsident Gilani nahmen an der Veranstaltung teil. Die mehr als 60 Sportler, die die Flamme durch das Stadion trugen, wurden von einer Polizeieskorte begleitet. Mit ihren massiven Sicherheitsvorkehrungen wollten die pakistanischen Behörden die Zeremonie vor Anschlägen von Islamisten schützen; Tibeter leben kaum in Pakistan.

Australien droht Chinas Sicherheitskräften

In Australien, wo die Fackel in der kommenden Woche erwartet wird, kündigte ein Polizeisprecher an, chinesische Sicherheitskräfte einzusperren, wenn sie sich in unzulässiger Weise einmischten. „Ihnen droht die Festnahme, wenn sie jemanden anfassen“, sagte Ted Qinlan, der Chef der Spezialeinheit, die den Fackellauf sichern soll.

Der australische Generalstaatsanwalt, Robert McClelland, sagte am Mittwoch, die Verantwortung für die Sicherheit liege allein bei der australischen Polizei. Die „einzige Rolle“, die er für die chinesischen Sicherheitskräfte sehe, sei das Wiederanzünden der Fackel, sollte sie gelöscht werden. Die paramilitärischen Einheiten, die Peking zum Schutz der Flamme mitgeschickt hat, waren in London und Paris handgreiflich gegen Demonstranten vorgegangen.

Der Automobilhersteller Audi erwägt offenbar, seine Unterstützung für den Fackellauf auf den Mount Everest zurückzuziehen. Man solle in der gegenwärtigen Situation „kein Öl ins Feuer gießen“, wurde ein Sprecher von Nachrichtenagenturen zitiert. Unklar blieb zunächst, ob das Sponsoring beendet, reduziert oder verlagert wird. Bislang hatte das Unternehmen geplant, im Mai beim Fackellauf in Nepal für einen Geländewagen zu werben. Vorbereitet wurde offenbar auch eine Werbepräsenz vor dem früheren Palast des Dalai Lama im tibetischen Lhasa.

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