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Sonntag, 19. Februar 2012
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Wen Jiabao Der Krisenmanager

14.05.2008 ·  Wie noch nie ein chinesischer Ministerpräsident vor ihm ist Wen Jiabao bei Katastrophen und Unfällen sofort zur Stelle. Seine wohlinszenierten Auftritte sollen auch den Volkszorn über Versäumnisse der Regierung besänftigen.

Von Petra Kolonko, Peking
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„Hilfe kommt gleich, die Volksbefreiungsarmee ist unterwegs, um die Verschütteten zu bergen. Wir werden alles tun, was wir können.“ Immer wieder zeigt das chinesische Fernsehen die Bilder vom Besuch des Ministerpräsidenten am Katastrophenort des Erdbebens von Sichuan. Wen Jiabao, mit dem Megaphon vor einem eingestürzten Haus, in dem sich noch Verschüttete befinden. Wen Jiabao beim Händeschütteln mit Erdbebenopfern, die in selbstgebauten Zelten auf der Straße ausharrten, Wen Jiabao, wie er Rettungskräften Anweisungen gibt. Wen Jiabao in unermüdlichem Einsatz.

Wie noch nie ein chinesischer Ministerpräsident vor ihm ist Wen Jiabao sofort bei Katastrophen und Unfällen zur Stelle. Nach der Schneekatastrophe im vergangenen Winter eilte er nach Südchina. Nach Grubenunglücken weinte er mit Hinterbliebenen verschütteter Bergleute, er schüttelte den Kindern von aidskranken Bauern die Hände und verneigte sich vor Hinterbliebenen von Polizisten, die bei Einsätzen ihr Leben verloren hatten.

Den Tränen nahe

Immer zeigt sich der Ministerpräsident bewegt, den Tränen nahe und fordert örtliche Funktionäre auf, ihr Bestes zu tun. Wen Jiabao verkörpert mit seinem persönlichen Einsatz die Politik von Parteichef Hu Jintao, nach der „der Mensch im Mittelpunkt“ stehen soll. Der Ministerpräsident kommt gut an, weiß man doch, dass in China tatsächlich viele Dinge sich nicht bewegen, wenn nicht von oberster Stelle Druck ausgeübt wird.

Doch fragen sich anlässlich der vielen „volksnahen“ Einsätze Wen Jiabaos auch viele, warum das alles eigentlich nötig ist. Kann der Ministerpräsident nicht so regieren, dass seine Anweisungen auch durchgesetzt werden? Wen Jiabaos Aktivitäten zeigen auch die Schwäche seiner Regierung.

Kritik weist er ungnädig zurück

Wen sieht sich gern als Krisenhelfer und Anwalt des Volkes, seine wohlinszenierten Auftritte dienen aber auch dazu, Volkszorn über Versäumnisse der Regierung zu besänftigen. Warum gibt es immer wieder Grubenunglücke? Warum waren die Provinzverwaltungen beim Schneechaos überfordert? Warum hat niemand den Aids-Bauern früher geholfen, und warum gab es keine Warnung vor diesem schrecklichen Erdbeben?

Wen Jiabao weist Kritik ungnädig zurück. Seit dem Jahr 2003 ist der heute Fünfundsechzigjährige Ministerpräsident. Er hat einen neuen Stil geprägt. Nicht nur kümmert er sich um Katastrophenhilfe persönlich, es heißt auch, dass er sich in seiner täglichen Arbeit bis in das letzte Detail informieren lässt und somit nach Meinung mancher zuweilen den Überblick verliert.

In der Hilfe nach dem Erdbeben jetzt ist allerdings jeder Einsatz gerechtfertigt. Die chinesische Regierung muss der Welt vor dem Olympischen Spielen beweisen, dass sie in der Lage ist, größere Krisen zu bewältigen. Und ihrem eigenen Volk muss sie zeigen, dass Aberglaube nicht angebracht ist. Denn nach chinesischer Tradition kündigen Naturkatastrophen auch größere politische Änderungen an. Man erinnert sich an das große Erdbeben im Jahr 1976, auf das der Tod von Mao Tse-tung folgte und für China eine neue Ära anbrach.

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