29.05.2008 · Die Zeit drängt. Fieberhaft versuchen Soldaten, einen riesigen Stausee abzuleiten, der sich oberhalb der vom Erdbeben zerstörten Stadt Sichuan gebildet hat. Doch anhaltender Regen stoppt immer wieder die Arbeiten. Der Pegel steigt.
Starke Regenfälle haben am Donnerstag im Erdbebengebiet von Sichuan die Überflutungsgefahr an Seen vergrößert, die nach Erdrutschen aufgestaut worden waren. Besonders gefährlich ist die Lage an dem See bei Tangjiashan rund drei Kilometer oberhalb der vom Erdbeben weitgehend zerstörten Stadt Beichuan.
Der See hält mittlerweile 130 Millionen Kubikmeter Wasser. Nach einem Bericht der „Beijing Times“ droht zusätzlich die Gefahr von Wasserverschmutzung durch Chemikalien verschiedener Fabriken, die unterhalb des Sees unter Erdrutschmassen begraben sind und bei einer Überflutung in die Flüsse gespült werden könnten. Soldaten versuchten, die Chemikalien zu bergen. Bislang sind 158.000 Anwohner aus Gebieten unterhalb des Stausees in Sicherheit gebracht worden. In der weiter flussabwärts gelegenen Stadt Mianyang bereiten die Soldaten mit Übungen weitere 1,2 Millionen Anwohner auf eine Evakuierung ihrer Häuser vor.
Wasser soll über Kanal abfließen
Hunderte Soldaten versuchen seit Tagen, einen Kanal zu graben, durch den das Wasser des aufgestauten Sees abgeleitet werden kann, bevor er seine natürliche Barriere übersteigt und das Tal überflutet. Schweres Gerät wurde mit Hubschraubern an die Baustelle gebracht, weil viele Straßen im Erdbebengebiet noch nicht zu passieren sind. Der See kann nur zu Fuß oder aus der Luft erreicht werden. Der Kanal soll am 5. Juni fertig werden. Wegen der starken Regenfälle mussten die Arbeiten am Donnerstag unterbrochen werden. Gleichzeitig steigt der Pegel des Stausees weiter mit einem Meter pro Tag.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua gibt es 34 durch Erdrutsche aufgestaute Seen im Erdbebengebiet, die jederzeit überlaufen können. Auch an den Staudämmen der Wasserkraftwerke sind viele Schäden aufgetreten. Die Flüsse im Berggebiet von Sichuan sind oft mehrfach gestaut worden. Die Zahl der Todesopfer des Erdbebens wird mittlerweile mit mehr als 68.000 angegeben, mehr als 20.000 Personen werden noch vermisst.