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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Leserbrief Man könnte durchaus etwas für Tibet tun

30.03.2008 ·  Ob man die Olympischen Spiele in Peking boykottieren solle oder nicht, ist derzeit wohl eine der weltweit meistdiskutierten Fragen. Wie nicht anders zu erwarten, plädieren die Sportfunktionäre und Politiker überwiegend dafür, die ...

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Ob man die Olympischen Spiele in Peking boykottieren solle oder nicht, ist derzeit wohl eine der weltweit meistdiskutierten Fragen. Wie nicht anders zu erwarten, plädieren die Sportfunktionäre und Politiker überwiegend dafür, die Spiele nicht zu boykottieren und das Thema Menschenrechte, wenn überhaupt, dann sehr zurückhaltend anzusprechen. Werden sie bei Interviews bedrängt - wie beispielsweise Thomas Bach -, flüchten sie häufig in unsachliche Argumente. Wie hilflos sie reagieren, verdeutlichen einige Berichte aus der F.A.Z. vom 26. März.

Da wird den Vereinigten Staaten vorgeworfen, dass in ihrem Land die Todesstrafe angewandt wird, und Großbritannien und Frankreich werden daran erinnert, dass sie ehedem in ihren Kolonien auch nicht gerade zimperlich vorgegangen seien. Beides mag stimmen, hat aber mit den Menschenrechten der Tibeter und den Spielen in Peking absolut nichts zu tun. Wenn man historische Fakten zum Maßstab heranzieht und in der Geschichte weit genug zurückgeht, dürfte es gar keine Olympischen Spiele geben, denn die konnten sich die Griechen nur leisten, weil sie unzähligen Sklaven jedwedes Menschenrecht vorenthielten und sie für den eigenen Wohlstand und Luxus zu Tode schuften ließen. Ich meine, die Herren Rogge, Bach und Steinmeier sind überfordert, wenn sie in den Medien zu klaren Stellungnahmen gedrängt werden. Daran wird sich aller Voraussicht nach auch bis zu den Spielen nichts ändern, und danach wird alles schnell vergessen sein. Wer meint, die Olympischen Spiele seien geeignet, etwas für die Tibeter zu tun, sollte das nicht über Sportler, Sportfunktionäre oder Politiker versuchen, denn die verfolgen verständlicherweise in erster Linie andere Interessen. Aber das heißt nicht, dass, wer das Anliegen der Tibeter unterstützen möchte, nichts tun kann. Ein freiwilliger Verzicht, die Spiele im Fernsehen oder in der Presse zu verfolgen, könnte - sofern dafür eine hinreichende Zahl von Menschen gewonnen würde - sehr wirkungsvoll sein. Die Fernsehquoten würden schrumpfen, die Medien ihre Programme umstellen, und der erhoffte Prestigegewinn fiele bescheiden aus. Bei zukünftigen Ereignissen ähnlicher Art würden die Veranstalter überlegen, wohin sie sie vergeben und ob sie dafür genügend Sponsoren finden.

Den Medien fiele die Aufgabe zu, fundierte Informationen über das Für und Wider zu liefern und beiden Seiten hinreichenden Raum für ihre Argumente zur Verfügung zu stellen. Ein solches Verfahren wäre fair, demokratisch und vermutlich erfolgreicher als das, was derzeit geschieht.

Egon Kerst, Schwalbach am Taunus

Quelle: F.A.Z., 31.03.2008, Nr. 75 / Seite 11
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