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Dienstag, 14. Februar 2012
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Besuch des Dalai Lamas Seiner Herzlichkeit kann man sich kaum entziehen

16.05.2008 ·  Ernste Grundsatzfragen und heiteres Lachen wechseln einander ab. Zum 33. Mal besucht der Dalai Lama Deutschland - aber diese Reise ist so umstritten wie keine zuvor. Die politische Dimension ist ihm bewusst.

Von Peter Schilder, Bochum
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Als „ein Teufel ohne Hörner“ werde er von den Chinesen betrachtet, sagt der Dalai Lama. Auch werde er beschuldigt, hinter den Unruhen vom März zu stehen. Er entrüstet sich nicht, sondern er beginnt zu lachen. Es ist ein herzliches Lachen ganz ohne Arroganz oder Verachtung. Wer es hört, ist schnell geneigt, ihm abzunehmen, wenn er beteuert, die Tibeter wollten „freundschaftlich und friedlich mit den chinesischen Brüdern und Schwestern Seite an Seite“ zusammenleben.

Er lacht gern, der 14. Dalai Lama. Sein Lachen ist schon zu hören bevor er am Freitagmorgen den Ratssaal im Bochumer Rathaus betritt, um sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Auf dem Weg zu seinem Platz unter der tibetischen Fahne an der Stirnseite der Saales ergreift er die Hände der Wartenden, ob sie ihm entgegengestreckt werden oder nicht, und schüttelt sie. Diesem Mann und seiner Herzlichkeit kann man sich kaum entziehen. Das erklärt wie von allein die große Sympathie, die er hierzulande findet. Auch ein chinesischer Journalist lässt seine Hand ergreifen und nimmt sie dann überrascht zurück.

Der Besuchstermin steht lange fest

Zum 33. Mal ist der Dalai Lama in Deutschland. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Besuchen, bei denen er meistens als geistlicher Lehrer kam, ist ihm die politische Dimension diesmal bewusst. Und sie ist unübersehbar. Die Ereignisse vom März und die bevorstehenden Olympischen Spiele haben diesen Charakter noch verstärkt. Doch die Einladung der „Tibet Initiative Deutschland“ war schon vor drei Jahren ausgesprochen worden. Seit 15 Monaten liegt der Besuchstermin fest.

Der Dalai Lama bedankte sich öffentlich bei seinen Unterstützern und sagte: „Sie erfreuen sich nicht nur an der Demokratie, an Wohlstand und Freiheit, sondern tragen auch Sorge für die Menschenrechte weltweit, also auch in China und Tibet.“

Damit umreißt er zugleich das Thema dieser Reise. Nein es gehe nicht um die Unabhängigkeit Tibets von China, beteuert er immer wieder. Ihm geht es „um die Bewahrung der tibetischen Sprache und Kultur“. Die wirtschaftliche Entwicklung Tibets, so ergänzt der 72 Jahre alte Religionsführer ganz weltlich, sei ohne China gar nicht vorstellbar. Wie es aber um die tibetische Kultur bestellt ist, erläutert er mit einem Beispiel. In Amerika sei er einem tibetischen Studenten begegnet, der nur chinesisch habe sprechen können. Er habe dem Dalai Lama berichtet, wie die örtlichen Autoritäten seine Bitte, die tibetische Sprache zu lernen, abgewiesen hätten mit dem Hinweis: „Das brauchst du nicht.“

Genau das möchte der Dalai Lama verhindern. Er möchte die Identität der Tibeter bewahren. Und er kann sich auf einen großen Kronzeugen berufen, nämlich Mao Tse-Tung selbst. Der habe ihm nämlich 1956, als er zur tibetischen Delegation beim Volkskongress gehörte, geraten, die tibetische Nationalflagge beizubehalten. Der damalige Übersetzer könne das noch bezeugen. Die Fahne sei kein Zeichen der Loslösung Tibets von China.

„Extrem traurig und schädlich“

Auch lehnt der Dalai Lama Gewalt strikt ab, wie sie teilweise vom tibetischen Jugendkongress gefordert werde. Wenn China bereit wäre, diese kulturelle Autonomie zu gewähren, dann wäre er sofort bereit, auf seine historisch gewachsenen politischen Rechte zu verzichten und einer tibetischen Provinzregierung zu übergeben. Er sei, so sagt er, zu allererst „ein buddhistischer Mönch“, der keine Macht brauche. Es sei Aufgabe aller Religionen, zu einem glücklichen Leben und innerem Frieden beizutragen. Blutvergießen im Namen der Religion nannte der Dalai Lama „extrem traurig und schädlich“. Wer dafür plädiere, habe die eigene Religion nicht verstanden.

Vom Ernst der Grundsatzfragen, die er auf dieser Reise immer wieder erläutert, zum Lachen der Kinder ist es für den Dalai Lama ein kurzer Weg, kürzer als die Wegstrecke vom Bochumer Rathaus zum Kindergarten der katholischen Sankt Nicolaus Gemeinde in Bochum-Wattenscheid. Dort traf er mit 60 Vorschulkindern zusammen, und es ging um ganz alltägliche Dinge. Zum Beispiel darum, was der Dalai Lama in seiner Freizeit mache. Er arbeitet gern im Garten und singt dabei fromme Lieder, erfuhren die Kinder. Mehr als eine Stunde ging das Gespräch hin und her. Auch hier wechselten ernste Themen und heiteres Lachen einander ab.

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