28.08.2008 · Darf China die Dresdner Bank übernehmen? Der Gedanke ist gewöhnungsbedürftig. Doch es ist an der Zeit, sich mit der Frage zu beschäftigen. Eines ist dabei sicher: Über die Zukunft der Dresdner Bank sollte nicht die Politik, sondern der Eigentümer entscheiden.
Von Holger SteltznerDarf China die Dresdner Bank übernehmen? Warum nicht? Zugegeben, dieser Gedanke ist gewöhnungsbedürftig. Doch es ist an der Zeit, sich diese Fragen zu stellen. Aus einer langen Reihe gescheiterter Fusionsversuche unter deutschen Großbanken wurde nur der Kauf der Dresdner Bank durch die Allianz vollzogen. Für den vergeblichen Versuch, einen Allfinanzkonzern zu schmieden, bezahlte der Versicherer viel Lehrgeld. In sieben mageren Jahren ist die Einsicht gewachsen, dass eine Versicherung keine Bankgeschäfte betreiben sollte.
Die Suche nach Käufern ist für die Allianz schwieriger als gedacht. Als naheliegender Kandidat drängt sich die Commerzbank auf. Der frühere Dritte unter den drei Großbanken hat die Dresdner überholt, steuert bislang gut durch die Untiefen der globalen Finanzkrise und betreibt das Mittelstandsgeschäft mit wachsendem Erfolg. Sie könnte jetzt den angeschlagenen Nachbarn übernehmen und sich zugleich mit der Allianz einen Ankeraktionär ins Boot holen.
Finanzkrise hat Spuren hinterlassen
Allerdings hat die Finanzkrise tiefe Spuren in der Bilanz der Dresdner hinterlassen. Ihre Investmentbank in London gilt als unverkäuflich. Außerdem fragt die Allianz, wie die Commerzbank den Kaufpreis stemmen soll. Die kolportierten etwa 9 Milliarden Euro könnte die Bank nicht auf einmal überweisen, deshalb wird eine unsichere zweistufige Transaktion erwogen. Die größten Sorgen müssten sich bei einer Frankfurter Fusion die Mitarbeiter in beiden Zentralen machen. Denn eine Bank braucht keine zwei Personal- oder IT-Abteilungen. Ein Abbau von Tausenden Stellen wäre in Hessen auch politisch besonders heikel.
Die chinesische Staatsbank China Development Bank hat der Allianz ein finanziell höheres Angebot gemacht, kann bar bezahlen und ist angeblich bereit, Garantien für Arbeitsplätze und Standorte zu geben. Noch bevor das vom Kabinett beschlossene Gesetz zur Abwehr unerwünschter ausländischer Investoren in Kraft tritt, könnte sich die Regierung äußern, ist aber einsilbig.
Noch hängt man dem Traum einer zweiten heimischen Großbank neben der Deutschen Bank nach. Doch auch eine Kombination aus Dresdner und Commerzbank wäre international ein Zwerg. Der Furcht vor dem Einblick von Chinas Staatsbank in die Finanzlage deutscher Firmen könnten die Kunden durch einen Wechsel der Bank begegnen. Vielleicht aber würde neben der Allianz auch mancher Mittelständler auf besseren Zugang zum chinesischen Markt hoffen. Über die Zukunft der Dresdner Bank sollte nicht die Politik, sondern der Eigentümer entscheiden.