30.05.2008 · Seit Südkoreas Präsident Lee wieder härtere Töne gegenüber dem Norden anschlägt, sind auch die Beziehungen zu China abgekühlt. Mit Bedenken sieht Peking die Präsenz amerikanischer Truppen. Sollten Süd- und Nordkorea über Frieden verhandeln, will China unbedingt mitreden.
Von Petra Kolonko, PekingAls die Volksrepublik China im Jahr 1992 nach langem Zögern endlich diplomatische Beziehungen zu Südkorea aufnahm, war das kommunistische Regime im Norden empört. Vergebens hatte es Peking mit einer Abkühlung der Beziehungen und mit „Konsequenzen“ gedroht.
Doch China musste abwägen. In Südkorea lockte eine regionale Wirtschaftsmacht, ein wichtiger Handelspartner und Investor. China brauchte Kapital für seine Modernisierung und konnte nicht wegen seiner alten Freundschaft zu Nordkorea ohne politische Beziehungen zum demokratischen Süden bleiben.
Viele „Gastarbeiter“ pendeln zwischen China und Südkorea
Seither haben sich die Beziehungen zu Südkorea, getragen vor allem durch enge Wirtschaftsbeziehungen, ohne große Störungen entwickelt. Auf chinesischem Territorium, an der Grenze zu Nordkorea, leben 1,8 Millionen ethnische Koreaner. Die Beziehungen zwischen ihnen und Südkorea sind besonders eng. Viele gehen als „Gastarbeiter“ nach Südkorea - manche legal, manche illegal. Doch die Existenz Nordkoreas und Chinas enge Beziehungen zum Regime in Pjöngjang sind weiterhin dazu angetan, gelegentlich für Irritationen zu sorgen.
Seit vor vier Jahren Fluchthelfer, viele von ihnen aus Südkorea, auf das Problem nordkoreanischer Flüchtlinge in China aufmerksam machten, hat sich Kritik aus Südkorea an China an diesem Thema festgemacht. In Südkorea wird kritisiert, dass China Flüchtlinge nach Nordkorea zurückschickt, obwohl ihnen dort schwere Strafen drohen. Auch wird zumindest von einem Teil der südkoreanischen Öffentlichkeit der Norden wieder mehr als zuvor als Bedrohung wahrgenommen und Chinas Hilfe für das Regime dort kritisch registriert.
China hat sich jedoch aus südkoreanischer Sicht Verdienste erworben, als es die „Sechs-Länder-Gespräche“ über Nordkoreas Atomprogramm organisierte und als Gastgeber und Vermittler auftrat. Nord- und Südkorea, Russland, Japan und die Vereinigten Staaten brachte China zusammen an den Verhandlungstisch nach Peking. Die Gespräche brachten endlich eine Einigung über den Abbau von Pjöngjangs Atomprogramm, die auch Südkorea zufriedenstellte.
Seoul orientiert sich wieder stärker an Amerika
China kam es entgegen, dass sich die südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung und Roh Moo-hyun für eine Entspannungspolitik („Sonnenscheinpolitik“) gegenüber Nordkorea eingesetzt hatten. Das entsprach dem Ansatz Chinas, das auf Wirtschaftsreformen im Norden setzt. Doch seit der Konservative Lee Myung-bak Präsident in Südkorea ist und offenbar eine härtere Gangart gegenüber dem Norden anschlägt, sind die Beziehungen wieder etwas distanzierter geworden.
China muss auch zur Kenntnis nehmen, dass Präsident Lee engere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten anstrebt, nachdem diese unter seinen Vorgängern vor allem wegen Differenzen über den Umgang mit Nordkorea stark abgekühlt waren. Mit Bedenken sieht die Volksrepublik die Präsenz amerikanischer Truppen in Südkorea und damit direkt vor ihrer Haustür. Wenn es endlich zu Verhandlungen über eine Friedensregelung für die koreanische Halbinsel kommen sollte, dann will Peking unbedingt mitreden.