24.05.2008 · Gegenseitige politische Sympathie ergänzt die immer engere wirtschaftliche Verflechtung zwischen China und dem Nahen Osten. Dort sichern sich die Chinesen ihre Energielieferungen. Und Staatsbesuche von Herrschern der Golfstaaten in Peking sind keine Seltenheit mehr.
Von Rainer Hermann, IstanbulImmer enger werden die Beziehungen zwischen den beiden wichtigsten Wachstumsregionen der Welt: China braucht Energie und Kapital, und beides können die ölreichen Staaten am Golf liefern. Jene werben im Gegenzug um chinesische Unternehmen, die sich bei ihnen ansiedeln sollen. Sollte es nämlich in den westlichen Industriestaaten, den (noch) wichtigsten Wirtschaftspartner der Golfstaaten, zu einer Rezession kommen, könnten diese dann leicht auf den Wachstumsmarkt China ausweichen.
China muss schon 50 Prozent seines Ölverbrauchs importieren, und dieser Anteil steigt rasch. Als wichtigste Bezugsquellen bieten sich die Golfstaaten und Afrika an. Konzessionen zur Förderung von Öl und Gas hat die chinesische Staatsgesellschaft Sinopec schon in Saudi-Arabien, Iran, Algerien und Libyen. Zuletzt unterzeichneten PetroChina und Qatar im April einen Vertrag für die Lieferung von verflüssigtem Naturgas (LNG) für die Dauer von 25 Jahren.
Unternehmen vom Golf entdecken China
Wo sich die Chinesen ihre Energielieferungen sichern, setzen sie sich auch wirtschaftlich fest. Chinesen bauen in Algerien eine Autobahn, in Sudan einen Seehafen, in Libyen eine Eisenbahn. Andererseits entdecken auch Unternehmen aus der Golfregion China. Mehr als Tausend Gesellschaften aus dem Nahen Osten sind schon in China tätig, und es werden schnell mehr. Der saudische Grundstoffhersteller Sabic sieht sich nach Gelegenheiten für große Investitionen in China um, ebenso die kuweitische Ölgesellschaft Kuweit Petroleum Corporation (KPC).
In China will Masdar investieren, die Gesellschaft Abu Dhabis für die Entwicklung erneuerbarer Energien. Der kuweitische Staatsfonds „Kuweit Investment Authority“ (KIA) stieg im vergangenen Herbst in die „Industrial and Commercial Bank of China“ ein. Bei deren Börsengang war die KIA der größte Aktionär. Im April gab der Staatsfonds von Dubai - Dubai International Capital - die Einrichtung eines Investmentfonds mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar bekannt. Er soll sich an den chinesischen Unternehmen beteiligen und ihnen Kapital bereitstellen, wenn sie sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) engagieren wollen. Partner von Dubai in dem neuen Fonds ist die chinesische Private-Equity-Gesellschaft „First Eastern Investment Group“.
Der Vertrag wurde während des Staatsbesuchs des Emirs von Dubai, Scheich Muhammad Bin Rashid, Mitte April in China unterzeichnet. Er war nur einer der unterzeichneten Abkommen. Ein anderes regelt die Zusammenarbeit bei der Produktion von Rüstungsgütern.
In Iran hat Peking eine gute Position
Staatsbesuche von Herrschern der Golfstaaten in China sind keine Seltenheit mehr. In den vergangenen zwei Jahren reisten beispielsweise der saudische König Abdullah Bin Abdalaziz und der Präsident der VAE, Scheich Chalifa Bin Zayed, nach China. Abu Dhabi und Dubai, die zwei wichtigsten Emirate der VAE, wollen ebenso wie alle anderen Staaten am Golf rechtzeitig am Aufstieg Chinas zur größten Volkswirtschaft beteiligt sein.
Eine gegenseitige politische Sympathie ergänzt die immer engere wirtschaftliche Verflechtung. Keine der beiden Seiten nimmt zur Innenpolitik der anderen Stellung. Durch das chinesische Modell einer Marktwirtschaft gepaart mit einem autoritären Staat sehen sich einige arabische Herrscher und Technokraten in ihrer Haltung bestätigt, dass demokratische Reformen nicht eine Bedingung für Wachstum sein müssen.
Auch lässt sich China nicht durch amerikanischen Druck davon abbringen, enge Beziehungen zu Iran zu unterhalten. Sehr großzügig legt China die Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen Teheran aus. Peking hat sich damit eine Position verschafft, alle jene großen und strategisch wichtigen Projekte zu bauen, die für Iran wichtig sind. Dafür sichert sich China weitere wichtige Prozente seines Energiebedarfs. Der Aufstieg Chinas und das Wiedererwachen Arabiens stellen damit auf dem Weg in eine multipolare Welt weitere wichtige Wegmarken auf.
Umbruchszeit...
Harry LeRoy (Cimon)
- 26.05.2008, 02:55 Uhr
Rainer Hermann Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.
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