12.06.2008 · Nach Jahrzehnten der Konfrontation und Spannungen wollen die Volksrepublik und Taiwan Verbindungsbüros einrichten, um den Reiseverkehr zu erleichtern. Das vereinbarten die Unterhändler beider Seiten bei ihrer ersten Gesprächsrunde.
Die Volksrepublik China und Taiwan wollen nach Jahrzehnten der Konfrontation und Spannungen jetzt Verbindungsbüros einrichten, um den Reiseverkehr zwischen beiden Staaten zu erleichtern. Die Unterhändler beider Seiten vereinbarten bei ihrer ersten Gesprächsrunde am Donnerstag in Peking, dass die Büros in der jeweils anderen Region für die Vergabe von Visa zuständig sein sollen. Nachdem zwischen Taiwan und China keine offiziellen Beziehungen bestehen, müssen derzeit Visa in Hongkong beantragt werden.
Taiwans Unterhändler sollen an diesem Freitag von Chinas Staatspräsidenten Hu Jintao empfangen werden. Nach Berichten aus Taiwan soll zum Abschluss der Gespräche am Freitag eine Vereinbarung über direkte Charter-Flüge zwischen dem chinesischen Festland und Taiwan unterzeichnet werden. Die Flüge sollen vorläufig auf das Wochenende begrenzt sein.
Bislang gibt es Direkt-Flüge nur an großen Festtagen. Reisende müssen den Umweg über Hongkong oder Macao nehmen. Taiwan will auch mehr Touristen vom Festland nach Taiwan einreisen lassen. Taiwans Chef-Unterhändler Chiang Pin-kun wurde zu den Olympischen Spielen eingeladen.
Es ist das erste Mal seit 1999, dass die Unterhändler beider Seiten von den quasi-offiziellen Kontaktorganisationen, der ARATS und SEF wieder verhandeln. Peking hatte die Gespräche abgebrochen, nachdem der frühere taiwanische Präsident Lee Teng-hui die Beziehungen zwischen Taiwan und China als „besondere Beziehungen zwischen zwei Staaten“ definiert hatte. Unter der Präsidentschaft von Chen Shui-bian, der eine Unabhängigkeit Taiwans anstrebte, hatte Peking Kontakte mit offiziellen Stellen in Taiwan gänzlich verweigert. Eine Annäherung wurde erst möglich, nachdem im Mai der neue taiwanische Präsident Ma Ying-jeou sich wieder auf den „Konsens von 1992“ beruft, nachdem es „ein China“ gibt, beide Seiten davon aber verschiedene Interpretationen haben.