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Wahlkampf in Amerika Palin: „Ohne mit der Wimper zu zucken“

12.09.2008 ·  Es war mit Spannung erwartet worden: Das erste Fernsehinterview der republikanischen Vizekandidatin Sarah Palin. Sie zeigte sich selbstbewusst, ließ auch Unsicherheiten erkennen, vermied aber einen Fauxpas, wie ihn sich die Demokraten um Barack Obama erhofft haben mögen.

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Ein wenig erinnerte die Begegnung an eine Prüfungssituation, wie sie jeder Schüler kennt. Der Prüfling war am Donnerstagabend die republikanische Vizekandidatin Sarah Palin, die sich erstmals seit ihrer Nominierung einem Fernsehinterview stellte. Tagelang hatte ein Reigen hochkarätiger Experten die junge Alaska-Gouverneurin vorbereitet, die die Herzen vieler Wähler im Sturm gewann, politisch aber wenig Erfahrung hat. Für das Wahlvolk in den Vereinigten Staaten war es die erste Gelegenheit zur Einsichtnahme in Palins Vorstellungen.

Anders als in ihren kecken Reden ließ sie in dem Interview Unsicherheiten erkennen, vermied aber einen Fauxpas, wie ihn sich die verunsicherten Demokraten um Barack Obama erhofft haben mögen. Denn bei den Demokraten steigt die Nervosität. Mit der überraschenden Nominierung von Sarah Palin als Vize-Kandidatin vor zwei Wochen hat der Wahlkampf eine neue Wendung genommen. Getragen von der Palin-Welle hat Kandidat John McCain in Umfragen seinen Rivalen Obama knapp überrundet. Palin erzeugt bei der Parteibasis eine Begeisterung, wie sie McCain in diesem Wahlkampf noch nicht erlebt hat. Kamen zu seinen Solo-Kundgebungen früher nur einige hundert Anhänger, ziehen die Auftritte mit ihr nun oft mehr als zehntausend Neugierige an.

Noch nie einen ausländischen Staatschef getroffen

Palin wirkt wie eine Energie-Spritze für die Partei, die durch lange Jahre an der Macht ausgezehrt schien. Interviews hat Palin seit ihrem Auftauchen im Wahlkampf bislang vermieden. Körperhaltung und schnelles Sprechtempo verrieten Anspannung, als sie den ABC-Moderator Charles Gibson zum Gespräch empfing. Ein wenig ins Schleudern kam sie, als Gibson sie nach ihrer Unterstützung für die „Bush-Doktrin“ fragte. „In welcher Hinsicht, Charlie?“, entgegnete sie. Gibson klärte auf, dass diese Doktrin das Recht zu präventiven Angriffen der Vereinigten Staaten auf andere Länder meine. Palin reagierte mit Kritik an der Planung des Irak-Einsatzes durch den republikanischen Präsidenten George W. Bush: „Da gab es Pfusch, und es gab Fehler“, sagte sie - und dürfte damit die Stimmung der kriegsmüden Öffentlichkeit getroffen haben.

Aus ihren Ausführungen zum Umgang mit Russland war die Linie des Hardliners McCain herauszuhören. Palin forderte den Beitritt Georgiens und der Ukraine zur Nato. Als Gibson fragte, ob dies bei einer militärischen Invasion Moskaus in einem Nato-Land Georgien Krieg mit Russland bedeuten würde, sagte sie: „Vielleicht“. Auf Gibsons Frage, ob sie militärische Anti-Terror-Einsätze beim Verbündeten Pakistan befürworte, wich sie mehrfach aus. „Ich gehe hier in einem Wirbelsturm aus Worten verloren“, beschwerte sich Gibson. „Wir müssen uns alle Optionen offenhalten“, schob Palin nach. Für das Vize- und das Präsidentenamt halte sie sich auf jeden Fall befähigt, stellte Palin klar. Als McCain ihr die Kandidatur anbot, „habe ich Ja gesagt, ohne mit der Wimper zu zucken“. Sie vertraue darauf, dass sie vorbereitet sei.

Palin sagte, bis auf einen Besuch bei amerikanischen Soldaten in Kuwait und Deutschland im vergangenen Jahr sei sie bisher nur in Mexiko und Kanada gewesen. Sie habe auch noch nie einen ausländischen Staatschef getroffen, „aber wenn Sie zurück in die Geschichte gehen und diese Frage vielen Vizepräsidenten stellen würden, hätten die vielleicht genau das gleiche geantwortet“.

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