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Wahl-Analyse Nicht die Hautfarbe, das Alter war entscheidend

05.11.2008 ·  Schwarze, Latinos, Erstwähler und Frauen haben Barack Obama zum Sieg verholfen, Weiße dagegen mehrheitlich John McCain gewählt. Das ist nicht ungewöhnlich, denn Weiße entschieden sich auch bislang für den republikanischen Kandidaten. Trotzdem holte Obama bei ihnen mehr Stimmen als Bush 2004.

Von Stefan Tomik, Washington
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Diese Wahl hat so viele Menschen mobilisiert wie kaum eine andere Präsidentenwahl in der amerikanischen Geschichte. Endgültige Zahlen liegen zwar noch nicht vor, doch vorläufige Berechnungen taxieren die Wahlbeteiligung auf 64 bis 66 Prozent. Damit läge sie höher als bei der Wahl John F. Kennedys im Jahr 1960, an der sich 63,1 Prozent beteiligten, und womöglich auch höher als bei der Wahl William Howard Tafts im Jahr 1908, als 65,7 Prozent ihre Stimme abgaben. Als John Kerry 2004 George W. Bush herausforderte, hatten sich gerade einmal 55,3 Prozent an der Wahl beteiligt. In absoluten Zahlen wird die in diesem Jahr erwartete Beteiligung von mehr als 130 Millionen Wählern einen neuen Rekord markieren, was aber auch auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen ist.

Die Wählernachbefragungen aus der Wahlnacht haben bestätigt, was schon zahlreiche Umfragen in den vergangenen Wochen ans Licht brachten: Barack Obama konnte auf eine praktisch unbedingte Unterstützung der Schwarzen (95 Prozent für Obama, 4 für McCain) setzen, zwei Drittel (66 zu 32 Prozent) der Latinos für sich einnehmen und auch die klare Mehrheit der weiblichen Wähler gewinnen (56 zu 43 Prozent), während die Männer praktisch unentschieden wählten (49 zu 48 Prozent). Zudem hat sich die demographische Zusammensetzung der Wählerschaft zu Obamas Gunsten ausgewirkt: Nur noch 74 Prozent der Wähler waren Weiße. Das sind drei Prozentpunkte weniger als 2004 und sieben Punkte weniger als bei der Wahl Bush gegen Gore im Jahr 2000.

Junge für Obama, Alte für McCain

Weiße wählten dagegen mit 55 zu 43 Prozent McCain. Das ist aber nicht ungewöhnlich, denn sie entschieden sich auch bislang für den republikanischen Kandidaten, 2004 etwa mit 58 Prozent für Bush und nur 41 Prozent für Kerry. So betrachtet hat Obamas Hautfarbe bei ihrer Entscheidung offenbar nur eine zu vernachlässigende Rolle gespielt. Damit dürften sich auch die Spekulationen der vergangenen Wochen über einen „Bradley-Effekt“ erledigt haben, wonach verdeckter weißer Rassismus einen schwarzen Kandidaten in Umfragen besser erscheinen lässt, als er am Ende abschneidet. Ob es solch einen Effekt je gegeben hat, ist unter Wahlforschern umstritten. (Siehe: Wird Obama in Umfragen überschätzt, weil er schwarz ist?)

Wohl aber kam dem Alter der Wähler eine bedeutende Rolle zu. Am Wahltag machten Erstwähler zwar nur elf Prozent der Wählerschaft aus, und damit nicht mehr als 2004 auch, aber sie entschieden sich mit einem massiven Vorsprung von 37 Prozentpunkten für Obama (68 zu 31 Prozent). Bei den Älteren ist es genau umgekehrt: Von den mehr als 65 Jahre alten Befragten entschieden sich 53 Prozent für McCain und 45 für Obama. Generell finden 57 Prozent aller Wähler, Obama verstehe ihre Sorgen; von McCain behaupten das nur 39 Prozent.

Nicht bestätigt haben sich Befürchtungen der Demokraten, dass Anhänger Hillary Clintons aus Enttäuschung über deren Scheitern in der langen Vorwahlschlacht sich am Ende in Scharen für McCain entscheiden würden. Zwar stimmten immerhin zehn Prozent der Wähler, die sich als Demokraten einordnen, für den Republikaner. Doch im Jahr 2004 wählten sogar elf Prozent der Demokraten Bush. Umgekehrt wählten neun Prozent der Republikaner Obama, wodurch sich der Effekt der Wählerwanderung nahezu ausglich.

Wieder ist es die Wirtschaft

Der Ausspruch „It's the economy, stupid!“, geprägt im Rennen zwischen Bill Clinton und George Bush senior, trifft auch auf diese Wahl zu. Mit großem Abstand zum Irak-Krieg (10 Prozent) galt die Wirtschaft für 63 Prozent der Befragten als wichtigstes Thema. 1992 hatte eine Wirtschaft in der Rezession Bill Clinton ins Weiße Haus verholfen, nun trägt sie Obama dorthin. Zwar sagen 24 Prozent, ihnen gehe es heute besser als vor vier Jahren. Aber 86 Prozent sind besorgt oder sogar sehr besorgt über die wirtschaftliche Entwicklung, und 81 Prozent befürchten dadurch selbst finanzielle Einbußen. Im Wahlkampf 2004 war die Wirtschaft ein Thema neben Wertvorstellungen und dem Kampf gegen den Terrorismus.

Haushalte mit einem Jahreseinkommen von weniger als 50.000 Dollar wählten konsequent Obama, der im Wahlkampf versprach, ihre Steuern zu senken und dafür Besserverdiener in die Pflicht zu nehmen. Auch die Reichen mit Einkommen von 200.000 Dollar und mehr entschieden sich, wenn auch weniger deutlich, für den Demokraten. Allein in einigen Segmenten der Mittelschicht konnte McCain leichte Vorsprünge erreichen. Dass aber seine Strategie erfolgreich war, mittelständische Bürger wie „Joe, den Klempner“ immer wieder vor Obamas Steuerplänen zu warnen, ist damit nicht gesagt, denn 2004 hatte Bush bei allen Wählern mit Einkommen von mehr als 50.000 Dollar den Vorzug.

Sich aus dem Schatten des amtierenden Präsidenten Bush zu lösen, war McCains schwierigste Aufgabe. 71 Prozent der Befragten sind mit seiner Amtsführung unzufrieden, 50 Prozent sogar sehr. Republikaner zu sein, ist in diesen Tagen überaus unpopulär. Seit 1980 haben sich nicht mehr so wenige Wähler dazu bekannt.

60 Prozent halten Sarah Palin für nicht kompetent genug

Die Daten der Wählernachbefragungen geben auch Aufschluss über die Intensität, mit der Wahlkampf geführt wurde. Ein Drittel aller Wähler war von mindestens einer der beiden Kampagnen direkt angesprochen worden. Dabei konnten Obamas Helfer mehr Menschen erreichen: 13 Prozent wurden nur von seinem Lager kontaktiert, lediglich sechs Prozent ausschließlich von McCains Team. 64 Prozent befanden, dass McCain seinen Gegner auf unfaire Weise angegriffen habe, über Obama sagen das immerhin 49 Prozent.

Die Ergebnisse spiegeln auch das Wagnis, das John McCain mit Sarah Palins Berufung zur Kandidatin für die Vizepräsidentschaft einging: 60 gegenüber 38 Prozent halten sie nicht für geeignet, im Notfall das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Beim demokratischen Kandidaten Joe Biden ist das Verhältnis in etwa umgekehrt. Als First Lady wünschten sich mehr Befragte Michelle Obama als Cindy McCain.

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