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Vorwahlen in South Carolina Wie schwarz darf Barack Obama sein?

26.01.2008 ·  Ein Nachfahre der Südstaaten-Sklaven ist Obama nicht. Doch nun umwirbt er gezielter als zuvor die schwarzen Wähler. Das könnte ihm schaden - zumal bei den Latinos. Denn beide Wählergruppen würden mehrheitlich eher für einen weißen Kandidaten stimmen, als für einen Angehörigen der „konkurrierenden“ Minderheit.

Von Matthias Rüb, Washington
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Obama gegen Clinton, Clinton gegen Obama: Je schriller die beiden führenden demokratischen Präsidentschaftsbewerber ihre Konkurrenz austragen, desto schwieriger wird es für John Edwards, sich Gehör zu verschaffen. Händeringend erinnerte der frühere Senator aus North Carolina in der jüngsten Dreierdebatte im Fernsehen daran, dass es ihn auch noch gebe, während Hillary Clinton und Barack Obama einander wortreich zu übertönen versuchten.

Edwards würde am Samstag wenigstens in South Carolina gern einmal siegen. Dort wurde er 1953 geboren, ehe er mit seinen Eltern nach North Carolina umzog. Als er in der Debatte vom Montag endlich einmal ausführlich zu Wort kam, bat er die Wähler, einmal die Vorwahlen zu vergessen und an die eigentliche Entscheidung im November zu denken. In einem Duell gegen den Republikaner John McCain, das inzwischen für wahrscheinlich gehalten wird, sei doch allein er in der Lage, als Kandidat der Demokraten „überall im Land zu bestehen“. Und dann nannte Edwards die vom Strukturwandel gezeichneten Städte der alten Industriezentren im Norden genauso wie die „ländlichen Gebiete in den Südstaaten“.

Die Botschaft war klar: Vierzig Jahre nach Überwindung der Rassentrennung sei Amerika noch nicht bereit für einen schwarzen Präsidenten oder für eine Präsidentin. Obama hatte die Ausgangslage selbst in der Debatte geschildert. Das inzwischen deutlich ausgedünnte Kandidatenfeld der Demokraten sei doch ein erstaunlicher Anblick, sagte er: „Es gibt einen Schwarzen, eine Frau – und John.“

„Nicht schwarz genug“, nun doch „zu schwarz“?

Obamas Lage ist kompliziert. Zu Beginn des Wahlkampfs war er für viele „nicht schwarz genug“, jetzt läuft er im Zuge seiner Kampagne in South Carolina Gefahr, „zu schwarz“ zu werden. Als Sohn eines kenianischen Studenten und einer weißen Mutter aus Kansas ist Obama nicht der Nachfahre von aus Afrika nach Amerika verschleppten Sklaven wie die bisherigen schwarzen Präsidentschaftskandidaten Jesse Jackson, Al Sharpton und Carol Moseley Braun. Deshalb und weil er als Mulatte eine hellere Hautfarbe hat als viele „African Americans“, galt er zunächst eben als „nicht schwarz genug“ – oder wurde jedenfalls so dargestellt.

Auch John Edwards und Hillary Clinton werben energisch um die Stimmen der schwarzen Wähler, die traditionell Stammwähler der Demokraten sind. Hillary Clinton profitiert dabei von den Sympathien für ihren Mann Bill Clinton, der kurz nach seiner Wahl ins Weiße Haus von der schwarzen Schriftstellerin Toni Morrison schon zum „ersten schwarzen Präsidenten“ geadelt worden war.

Inzwischen aber scheint Obama den Kampf um die Stimmen der Schwarzen gewonnen zu haben. Bei der Vorwahl in Nevada haben vier Fünftel der schwarzen Wähler für Obama gestimmt. Hillary Clinton wiederum hat eine klare Mehrheit bei der im Wüstenstaat im Westen viel wichtigeren Gruppe der Latinos errungen. Trotz aller Versuche, die beiden größten Minderheiten des Landes zu einer Art Koalition der „Americans of Color“ zusammenzuschmieden, gibt es eine bald verhaltene, bald offene Konkurrenz zwischen Schwarzen und Latinos: Für beide Wählergruppen lässt sich sagen, dass sie mehrheitlich eher für einen weißen Kandidaten (oder eine weiße Kandidatin) stimmen als für einen Angehörigen der „konkurrierenden“ Minderheit.

Wenn nicht alles täuscht, dürfte Barack Obama die Vorwahlen in South Carolina am Samstag gegen Hillary Clinton gewinnen. Bis zu 60 Prozent der Wahlteilnehmer sind Schwarze, und wenn sie wie erwartet in großer Mehrheit für Obama stimmen, ist ihm der Sieg kaum mehr zu nehmen. Damit aber wäre Obama dann gleichsam schwärzer geworden, weil er nach Iowa einen zweiten „Klientelsieg“ errungen haben würde: In Iowa zum Auftakt verhalfen ihm die enthusiasmierten jungen Wähler zum Sieg, in South Carolina würden es „die Schwarzen“ gewesen sein.

Bill Clinton zeigt Verständnis

Kein anderer als Bill Clinton hat in der Nacht zum Donnerstag deshalb Obama zum Favoriten für den Sieg in dem Südstaat erklärt und die Anhänger seiner Frau Hillary damit auf eine Niederlage vorbereitet. Viele Schwarze würden sich bei der Wahl am Samstag wohl wegen der Hautfarbe für Obama entscheiden, sagte Clinton und zeigte gleich gönnerhaft Verständnis dafür, „denn die Menschen sind stolz darauf, dass jemand, mit dem sie sich identifizieren, zum ersten Mal nach oben kommt“. Das Kompliment ist freilich vergiftet, denn wie bei Edwards schwingt bei Clinton die Unterstellung mit, dass es der erforderlichen demokratischen Wählermehrheit leichter fallen wird, eine Frau zu wählen, als einen „schwarzen Schwarzen“ ins Weiße Haus zu schicken.

Manches spricht freilich dafür, dass das Rassenthema nach South Carolina zwar nicht verschwindet, aber an Bedeutung verliert. So wie der Streit um den Irak-Krieg von der Debatte um die illegale Immigranten überschattet wurde, die ihrerseits von der Sorge um die steigenden Kosten im Gesundheitswesen und schließlich von der Angst vor einer Rezession in den Hintergrund gedrängt wurden. Am kommenden Dienstag wird schon in Florida gewählt.

Ein Nachfahre der
Südstaaten-Sklaven ist Obama nicht. Doch nun umwirbt er gezielter als zuvor die schwarzen Wähler. Das könnte ihm schaden –
zumal bei den Latinos.
Von Matthias Rüb

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