10.01.2008 · Erst weinte sie, dann jubelte sie, und nun ließ sich Hillary Clinton von Titelinhaber Bill Clinton zum „Comeback Kid“ erklären. Auch der Republikaner John McCain will allen gezeigt haben, „wie ein Comeback aussieht“. Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bleibt aber offen - in beiden Lagern.
Von Katja GelinskySechzehn Jahre ist es her, da feierte Bill Clinton sich in New Hampshire als „Comeback Kid“, wo er damals den zweiten Platz bei den Vorwahlen der Demokraten belegte. Dieses Ergebnis deuteten seine Pressestrategen erfolgreich in einen glatten Sieg um, war Clintons Kandidatur damals doch von Gerüchten über eine Affäre mit einer Nachtclubsängerin umwölkt und der gute zweite Platz kaum zu erwarten gewesen. Auf das deklarierte Comeback in New Hampshire folgte die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten und der Einzug ins Weiße Haus.
So wollen es die neuen „Comeback Kids“ von New Hampshire, der Republikaner John McCain und die Demokratin Hillary Clinton, auch machen. „Mac is back“, riefen die Anhänger des 71 Jahre alten Veteranen unter den amerikanischen Präsidentschaftsbewerbern. In der Siegesstunde fiel es ihm leicht, damit zu kokettieren, dass er der Senior im Bewerberfeld ist. „Ich habe das Alter überschritten, in dem ich das Substantiv Kid beanspruchen kann, egal welches Adjektiv man ihm beifügt“, sagte McCain. „Aber wir haben klar gezeigt, wie ein Comeback aussieht.“
Echt emotional oder kühl kalkuliert?
Hillary Clinton musste wegen ihres Kopf-an-Kopf-Rennens mit Barack Obama bange Stunden warten, bevor sie sich von ihrem Gatten Bill als „Comeback Kid“ beglückwünschen lassen konnte. „Nun lasst uns zusammen Amerika das Comeback bescheren, dass New Hampshire mir gerade beschert hat“, rief die sichtlich erleichterte Kandidatin ihren Anhängern zu.
Anders als für McCain sah es für die Senatorin aus New York in den Umfragen kurz vor der ersten „Primary“ im Kampf um das Weiße Haus nicht günstig aus. Nach dem bitteren dritten Platz in Iowa, mit dem die Aura der Unbesiegbaren verflogen war, schien es, als würden auch die Wähler in New Hampshire Barack Obama den Vorzug geben. Die zweite Niederlage schien so unvermeidlich, dass das Wahlkampfteam Clinton statt der großen Turnhalle, die es für die Wahlnacht ursprünglich haben wollte, lieber eine kleine wählte.
Auch schien die Kandidatin am Rande ihrer Kräfte. Am Vorabend der Wahl sagte sie unter Tränen, der Kampf um die Nachfolge von George W. Bush sei eine „sehr persönliche Angelegenheit“. War das ein Moment echter emotionaler Schwäche der Frau, die doch stets beteuert hat, durch ihre zuweilen schmerzhaften Erfahrungen als First Lady für das Präsidentenamt gestählt zu sein? Oder handelte es sich um den kühl kalkulierten Versuch der Kandidatin, mehr Gefühl in ihre Kampagne zu bringen, die auch darunter gelitten hat, dass Frau Clinton das Image des berechnenden, von übermäßigem Ehrgeiz getriebenen Machtmenschen nicht los wird? Wollte sie damit womöglich den Eindruck der Aggressivität mildern, mit der sie Barack Obama seit der Niederlage in Iowa begegnet ist?
Kein Durchmarsch ins Weiße Haus
Ihre Gegner hielten sich nicht lange mit Rätselraten auf. Die Tränen seien Zeichen dafür, dass die Senatorin den Aufgaben des Präsidentenamtes, das Stärke und Entschlossenheit verlange, nicht gewachsen sei, verkündete ihr Konkurrent John Edwards. Doch die Wähler in New Hampshire sahen in der Kandidatin doch den besseren „Commander in Chief“ für die Zukunft.
Der Sieg in New Hampshire garantiert freilich lange nicht den Durchmarsch ins Weiße Haus. McCain weiß das aus eigener Erfahrung. Vor acht Jahren hatte der Senator aus Arizona als Außenseiter den Favoriten George W. Bush hier mit 18 Prozentpunkten Vorsprung besiegt. Doch später musste er sich Bush geschlagen geben, der McCain mit Hilfe einer Negativkampagne aus dem Rennen warf.
Auch McCains diesjähriger Sieg in New Hampshire könnte sich als Strohfeuer erweisen. Selbst jene, die ihm wohlgesinnt sind, fragen sich, wie der Vietnamveteran es in der kurzen Zeit bis zum „Super Tuesday“ am 5. Februar schaffen will, die Ressourcen für den Kampf gegen die übrigen republikanischen Bewerber in fast zwei Dutzend Bundesstaaten aufzubringen. Denn im vergangenen Sommer war der anfängliche republikanischen Favorit derart angeschlagen, dass viele ihn schon abgeschrieben hatten.
Die Kriegskasse ist fast leer
Die Unterstützung von Bushs Irak-Politik und das Eintreten für eine umfassende Reform des Einwanderungsrechts mit der Perspektive der Staatsbürgerschaft für illegale Immigranten ließen McCain in Umfragen immer tiefer rutschen und verschreckten Spendengeber. McCain musste die Hälfte seiner Wahlkampfhelfer entlassen. Und von jenen, die weiter für ihn arbeiten, haben manche notgedrungen auf sofortige Bezahlung verzichtet, da die Kriegskasse beinahe leer ist. Der Sieg in New Hampshire könnte für McCain am Ende nicht mehr gewesen sein als der Beginn einer Gnadenfrist bis zum zwangsläufigen Kollaps seiner Kampagne. McCain selbst sagte bescheiden, New Hampshire sei nur ein erster Schritt.
Für Mitt Romney jedoch ist es dagegen schon das zweite Mal, dass ihm die Wähler den erhofften Sieg versagten. Damit kommt selbst „Mr. Money“ allmählich in Bedrängnis, der gewaltige Summen in Werbespots in Iowa und New Hampshire investierte, um von dort aus als Favorit weiterzuziehen. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Aber auch Rudy Giulianis Taktik, mit einem Sieg in Florida am 29. Januar wieder vorn mitzuspielen, scheint fragwürdiger denn je, nachdem der frühere New Yorker Bürgermeister selbst in New Hampshire von Mike Huckabee überholt wurde.
Bei den Republikanern ist also noch vieles im Fluss. Im Lager McCains und auch in der Mannschaft des finanziell ebenfalls schwachen Huckabee hofft man darauf, so lange mithalten zu können, bis Giuliani und Romney ihre Spendeneinnahmen im Zweikampf verfeuert haben. Insbesondere für Romney wird schon die Wahl in Michigan am Dienstag nächster Woche zum wichtigen Prüfstein. In dem Bundesstaat, in dem sein Vater einst Gouverneur war, hofft Romney, der noch vor kurzem in Meinungsumfragen der Favorit republikanischer Wähler war, nun auf sein Comeback-Erlebnis.
Wie entscheiden sich die Schwarzen?
Bei den Demokraten wird es für Barack Obama schwieriger, die Welle der Begeisterung, die in Iowa ihren Ausgang nahm, in Wählerstimmen umzuwandeln. Hillary Clintons Kandidatur wird von weiten Teilen des demokratischen Establishments unterstützt. Während die Kandidaten in Iowa und New Hampshire eine überwiegend weiße Wählerschaft umwarben, geht es in Nevada, South Carolina und in den zwanzig Bundesstaaten, in denen am „Super Tuesday“ abgestimmt wird, auch um die Stimmen von schwarzen und hispanischen Wählern.
Vor allem in South Carolina, wo die Demokraten am 26. Januar ihre Vorwahl abhalten, kommt es entscheidend auf die schwarzen Wähler an, die dort etwa die Hälfte der Wahlberechtigten ausmachen. Wie viele Schwarze in den Südstaaten zählen auch die in South Carolina zu den treuesten Anhängern des früheren Präsidenten Bill Clinton.
Dieses Gefühl der Verbundenheit spiegelte sich zunächst auch in einem deutlichen Vorsprung für Hillary Clinton in Meinungsumfragen unter schwarzen Wählern wider. Dagegen hatten noch im Dezember fast 40 Prozent der schwarzen Wähler von South Carolina den Eindruck, Amerika sei noch nicht bereit, einen Schwarzen zum Präsidenten zu wählen – verglichen mit 34 Prozent der befragten weißen Wähler. Aber mit Obamas Sieg in Iowa ist der Optimismus schwarzer Politiker und Bürgerrechtler gewachsen, dass der Senator es schaffen könnte, der in Meinungsumfragen unter schwarzen Wählern nun gleichauf mit Frau Clinton liegt.