21.03.2008 · Skandal im Vorwahlkampf: Angestellte des amerikanischen Außenministeriums haben unerlaubt Reisepassdaten von allen drei Präsidentschaftsbewerbern eingesehen, wie Condoleezza Rice eingestand. Die Ministerin bat um Entschuldigung.
Der Vorwahlkampf in den Vereinigten Staaten ist von einer eklatanten Verletzung des Datenschutzes überschattet worden. Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice gestand am Freitag ein, dass Ministerialangestellte die bei der Pass-Behörde gespeicherten persönlichen Daten von Barack Obama, Hillary Clinton und John McCain mehrfach illegal eingesehen haben. Rice sowie ihr Sprecher Sean McCormack entschuldigten sich ausdrücklich bei den drei Präsidentschaftsbewerbern.
Zunächst wurde bekannt, dass der Demokrat Obama zu Jahresbeginn dreimal das Opfer von unbefugtem Stöbern in seiner Pass-Akte geworden war. Sein Sprecher Bill Burton verurteilte den Zwischenfall als „ungeheuerliche Verletzung der Sicherheit und der Privatsphäre“. Zwei beteiligte Angestellte wurden nach Angaben des Außenministeriums inzwischen entlassen, ein dritter erhielt eine Disziplinarstrafe.
Letzterer soll auch die Akte des Republikaners McCain unerlaubt eingesehen haben, wie McCormack am Freitag eingestand. McCain zeigte sich empört und verlangte Maßnahmen, um so etwas künftig zu verhindern. Kurz zuvor wurde bekannt, dass bereits 2007 auch die persönlichen Daten der Demokratin Clinton von unbefugten Beamten überprüft wurden. McCormack sagte eine rückhaltlose Aufklärung der Affäre zu.
Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der amerikanischen Demokraten hat Hillary Clinton ihren Rivalen Barack Obama nach Wochen erstmals wieder überrundet. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erhebung des Instituts Gallup lag die frühere First Lady in der Gunst der Demokraten mit 49 zu 42 Prozent vor Obama.
Die Empörung über den mangelnden Datenschutz kam Obama gewissermaßen zugute, wie Beobachter betonten. Sie lenkte nämlich ab von der anhaltenden Kontroverse um den mit Obama befreundeten Pfarrer Jeremiah Wright. Dieser hatte in einer Predigt erklärt, die Vereinigten Staaten hätten sich die Anschläge vom 11. September 2001 selbst zuzuschreiben, und Gott solle das Land wegen seines Rassismus strafen.