08.02.2008 · Das Thema Wirtschaft rückt aufgrund der Angst vor einer Rezession in Amerika in den Mittelpunkt des Wahlkampfs. Damit die Kandidaten einen guten Eindruck bei den Wählern hinterlassen, kommen die Wirtschaftsberater ins Spiel.
Von Claus Tigges, WashingtonIn Amerika wächst die Angst vor einer Rezession. Und weil damit das Thema Wirtschaft in den Mittelpunkt des Wahlkampfs rückt, sind vor allem die Wirtschaftsberater der Präsidentschaftsbewerber gefordert. Sie müssen an den wirtschaftspolitischen Programmen feilen und dafür sorgen, dass Hillary Clinton, Barack Obama, John McCain einen guten Eindruck unter den Wählern machen.
Die kleine Schar von Fachleuten, auf deren Rat die Aspiranten für das höchste politische Amt der größten Volkswirtschaft der Welt vertrauen, genießt in der akademischen Welt einen guten Ruf, und sie verfügt auch über notwendige Erfahrungen im politischen Apparat Washingtons. Hillary Clinton wird unterstützt von einem langjährigen Weggefährten ihres Mannes: Gene Sperling, der zurzeit als „Senior Fellow“ in der linken Gedankenschmiede Center for American Progress geführt wird, arbeitete während der gesamten achtjährigen Amtszeit für Bill Clinton, unter anderem als Direktor des nationalen Wirtschaftsrates. Während dieser Zeit hat er erfolgreich daran mitgeholfen, die Haushaltsdefizite zu verringern und den Staatshaushalt insgesamt zu konsolidieren.
Barack Obamas Berater gilt wirtschaftspolitisch als gemäßigt
Sperling, der an der Universität Yale in Jura promoviert hat, wirbt in diesen Tagen eindringlich für Clintons eigenes Konjunkturpaket, das unter anderem 30 Milliarden Dollar Notfallhilfe für bedrängte Hausbesitzer und ein 90 Tage währendes Moratorium für Zwangsversteigerungen von Häusern vorsieht. Der Vorschlag, die Zinsen der sogenannten Subprime-Darlehen auf dem niedrigen Eingangsniveau für fünf Jahre einzufrieren, soll nach den Worten Sperlings den Kreditgebern und Kreditnehmern einen Anreiz geben, eine Lösung für eine langfristige Finanzierung zu finden, die den Schuldnern den Verbleib im Heim sichert.
Barack Obama, der andere aussichtsreiche demokratische Bewerber, hat Austan Goolsbee zum Chef seiner Wirtschaftsberater erkoren. Goolsbee lehrt an der Universität Chicago und hat Obama schon im erfolgreichen Wahlkampf 2004 um einen Sitz im Senat unterstützt. Er gilt wirtschaftspolitisch als gemäßigt. Der Ökonom hat Mitte der neunziger Jahre am Massachusetts Institute of Technology promoviert und widmet sich in seiner Forschung insbesondere Fragen der Besteuerung.
Jüngst hat der Ökonom dafür plädiert, die von Präsident George Bush 2001 ins Werk gesetzten Steuererleichterungen für Reiche wie geplant im Jahr 2010 auslaufen zu lassen. Die Löcher, die in den vergangenen sechs, sieben Jahren im amerikanischen Haushalt entstanden sind, lassen sich nach Darstellung Goolsbees nicht über Nacht stopfen. Langfristig sei es wichtig, in das Bildungswesen und in die Infrastruktur des Landes zu investieren. Goolsbees Erfahrungen in Washington schließen die Arbeit für den demokratischen Senator David Boren Anfang der neunziger Jahre und eine Tätigkeit als Berater der Wettbewerbshüter des Justizministeriums in Fragen des Internets von 2000 bis 2001 ein.
Auf Drängen des Beraters plädiert McCain für weitere Steuererleichterungen
Auf den wirtschaftspolitischen Rat von Douglas Holtz-Eakin verlässt sich John McCain, der seit den Vorwahlen am „Super Tuesday“ wohl als der aussichtsreichste Bewerber unter den Republikanern bezeichnet werden kann. In Holtz-Eakin hat der Senator aus Arizona einen erfahrenen Politikberater, der das Geschäft in Washington wie wenige andere kennt. Zu Beginn der ersten Amtszeit von Präsident Bush führte er dessen Stab der Wirtschaftsberater, ehe er zwischen 2003 und 2005 als Direktor des Congressional Budget Office zum obersten Haushaltsfachmann des Kongresses wurde. Der frühere Ökonomieprofessor ist seit einiger Zeit „Senior Fellow“ am Institute for International Economics.
Auf sein Dringen plädiert McCain dafür, die Steuererleichterungen aus Bushs erster Amtszeit dauerhaft zu gewähren und weitere Steuersenkungen ins Werk zu setzen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass sie von Ausgabenkürzungen begleitet seien, sagt Holtz-Eakin. Haushaltsdisziplin genieße die Priorität, weshalb McCain auch ursprünglich gegen die Steuersenkungen gestimmt habe, weil sie die Budgetdefizite in die Höhe getrieben hätten. Sinnvoller als ein kurzfristiges Konjunkturpaket sei es, die Wachstumskräfte der amerikanischen Wirtschaft dauerhaft zu stärken. Die Regierung solle sich so wenig wie möglich in das Marktgeschehen einmischen.
Ob Sperling, Goolsbee oder Holtz-Eakin: Sie alle beraten die Präsidentschaftsbewerber gewiss nicht nur aus Pflichtgefühl und Vaterlandsliebe; sie dürfen auch damit rechnen, im Fall des Wahlsiegs einen Platz am Kabinettstisch des nächsten amerikanischen Präsidenten angeboten zu bekommen. Denn mit dem Einzug eines neuen Herrn (oder einer Dame) ins Weiße Haus drehen sich auch die politischen Drehtüren in Washington, wieder schneller.