27.03.2008 · Der Streit zwischen Barack Obama und Hillary Clinton um die Präsidentschaftskandidatur spaltet einer Umfrage zufolge die Demokraten immer mehr und treibt dem Republikaner John McCain Wähler zu. Clintons Beliebtheit sinkt spürbar.
Der anhaltende Streit der Demokraten Barack Obama und Hillary Clinton um die Präsidentschaftskandidatur treibt einer Umfrage zufolge dem Republikaner John McCain Wähler zu. 28 Prozent der Anhänger Clintons gaben in der Gallup-Umfrage an, sie würden bei der Präsidentenwahl im November für den republikanischen Kandidaten John McCain stimmen, falls Clinton nicht als Kandidatin der Demokraten nominiert werden sollte. Unter Obamas Anhängern würden sich 19 Prozent für McCain entscheiden, falls Clinton bei der Präsidentenwahl antreten sollte.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass „der anhaltende und bisweilen scharfe Nominierungskampf der Demokraten negative Auswirkungen auf die Chancen der Partei bei der Wahl im November haben könnte“, erklärten die Demoskopen des Instituts Gallup. „Wenn fast drei von zehn Clinton-Anhängern sagen, sie würden McCain gegenüber Obama bevorzugen, liegt der Eindruck nahe, dass die Gräben innerhalb der Partei tief sind.“
Clintons Beliebtheit auf tiefstem Wert seit Jahren
Die Beliebtheit der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin ist der Umfrage zufolge auf den tiefsten Wert seit sieben Jahren gefallen. Nur 37 Prozent der Befragten gaben an, eine positive Meinung von Clinton zu haben - so wenig wie seit März 2001 nicht mehr. Obama scheint dagegen die Kontroverse um seinen früheren Pastor Wright relativ unbeschadet überstanden zu haben. Im Vergleich zu der Umfrage vor zwei Wochen fiel seine positive Bewertung nur leicht um zwei Prozentpunkte auf 49 Prozent.
Ein Patzer im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf hat Hillary Clinton heftige Kritik beschert. Die Bewerberin der Demokraten musste einräumen, falsche Angaben über einen angeblichen Sniper-Beschuss in Bosnien 1996 gemacht zu haben. "Ich habe mich geirrt", gab sie zu. Vergangene Woche hatte Clinton gesagt, Heckenschützen hätten sie bei ihrer Ankunft in Tuzla angegriffen.
Clinton hatte auch das Nachsehen bei der Frage, welcher der Kandidaten erfolgreich das Land einigen könne. Nur 47 Prozent der Befragten nannten die demokratische Präsidentschaftsbewerberin. Obama und der republikanische Bewerber McCain lagen mit 60 beziehungsweise 58 Prozent deutlich vorne.
Demokratische Partei zerrissen
Führende Demokraten sind schon seit Wochen besorgt, dass der anhaltende Kampf zwischen Clinton und Obama den politischen Gegner stärken könnte. Die „Zerrissenheit der demokratischen Partei ist das einzige Mittel, die McCain zum Präsidenten machen kann“, kommentierte ein Wahlhelfer der Demokraten die Situation. Bereits in den vergangenen Wochen war der Ton zwischen den beiden Bewerbern zunehmend schärfer geworden.
Bei den bisherigen Vorwahlen erreichte Obama einen Vorsprung von mehr als hundert Delegierten vor Clinton. Aber keiner der beiden dürfte genügend Delegierte auf sich vereinigen, um beim Nominierungsparteitag Ende August in Denver eine klare Mehrheit zu erreichen. Die nächste Vorwahl ist am 22. April im Bundesstaat Pennsylvania; der Präsident wird am 4. November gewählt.