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Sieg in West Virginia Hillary und die Mathematik der Vorwahlen

14.05.2008 ·  Nach ihrem Erfolg bei der Vorwahl in West Virginia zeigt sich Hillary Clinton „entschlossener als je zuvor, diesen Kampf fortzusetzen“. Aber die niedere Mathematik der Zahlen spricht spätestens seit dem 6. Mai eindeutig für Obama.

Von Matthias Rüb, Washington
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Die Lage war in der Nacht zum Mittwoch nicht anders als am 6. Mai. Doch es war eine ganz andere Hillary Clinton, die in Charleston im Bundesstaat West Virginia ihre Siegesrede nach dem haushohen Triumph bei den Vorwahlen mit 66 zu 28 Prozent über Barack Obama hielt. Vor einer Woche, nach dem enttäuschend knappen Sieg in Indiana und der deutlichen Niederlage von North Carolina, waren Frau Clinton die Strapazen und noch mehr die Enttäuschung anzumerken, dass der Trend der letzten Wochen sie zwar begünstigte, dass der Rückstand an Delegiertenstimmen auf Obama aber nicht mehr aufzuholen ist. Das ist zwar auch diesmal nicht anders, denn die gerade einmal 28 Delegiertenstimmen, die in dem Bergbaustaat westlich der Appalachen zu vergeben waren, konnten kaum Clintons Rückstand von gut 160 Delegierten auf Obama verkürzen helfen. Dennoch strahlte Hillary Clinton Frische und Siegeszuversicht aus - oder sie wusste sie immerhin glaubwürdig vorzutäuschen.

Trotz der nahezu aussichtslosen Lage versprach sie, ihren Kampf bis zu den allerletzten Vorwahlen am 3. Juni fortzusetzen. „Ich bin entschlossener als je zuvor, diesen Kampf fortzusetzen, bis jeder eine Chance gehabt hat, seine Stimme abzugeben“, rief Frau Clinton bei ihrer Siegesfeier in Charleston. Die von ihrem Wahlkampfteam sorgfältig für die Fernsehkameras hinter der Senatorin plazierten Anhänger jubelten frenetisch: Ein weißer junger Mann klatschte heftig mit einem Plastikkegel - eine Anspielung auf Obamas katastrophales Versagen beim Bowling; und ein junger Schwarzer nickte ostentativ bei jeder Silbe Clintons - sozusagen der Fernsehbeweis dafür, dass die frühere First Lady auch unter der Minderheit der Schwarzen Anhänger hat.

Entscheidend sind die „swing states“

In Wahrheit aber verdankte Frau Clinton ihren deutlichen Sieg von West Virginia den ganz überwiegend weißen Wählern, den Älteren und auch den Arbeitern mit niedrigem Einkommen. Diese Bevölkerungsgruppen sind ihre treuesten Anhänger, und sie sind nach Überzeugung der New Yorker Senatorin die bei der Präsidentenwahl entscheidenden Wähler.

Die niedere Mathematik der Zahlen spricht spätestens seit dem 6. Mai eindeutig für Obama: Der hat Frau Clinton nicht nur bei den gewählten Delegierten uneinholbar abgehängt, sondern er konnte inzwischen auch mehr der 797 Superdelegierten - 282 gegenüber 273 für Frau Clinton - auf seine Seite ziehen, die letztlich beim Parteitag Ende August in Denver über die Nominierung entscheiden werden.

Dagegen setzte Frau Clinton mit wiedererlangter Verve auf die höhere Mathematik des verzwickten amerikanischen Wahlsystems. „Ich bin die stärkste Kandidatin“, rief sie, und zum Beweis rief sie in Erinnerung, dass Präsidentenwahlen nicht in Bundesstaaten wie Kalifornien oder Texas entschieden werden, wo die Demokraten beziehungsweise die Republikaner auf jeweils bequeme Mehrheiten abonniert sind, sondern in den berüchtigten „swing states“ oder „battleground states“, die bald so und bald anders entscheiden und somit zum Zünglein an der Waage werden. Das sind Staaten wie Pennsylvania, Ohio, New Jersey, New Mexico, Michigan, Florida und eben West Virginia, wo in den Vorwahlen Clinton gewann und nicht Obama, der deshalb nach Ansicht Frau Clintons für den Hauptkampf in diesen „Schlachtfeldstaaten“ gegen den Republikaner John McCain schlechter gewappnet ist als sie selbst.

„Ich kann diese Nominierung gewinnen“

„Das Rennen ist noch nicht entschieden. Keiner von uns hat die Delegiertenzahl, die zum Sieg nötig ist“, rief Frau Clinton vor ihren Anhängern, und sie bekräftigte das Argument, dass zur Nominierung nicht gemäß herkömmlicher Zählung nur 2025 der insgesamt 4048 Delegiertenstimmen nötig seien, vielmehr sei die „magische Zahl“ 2209: So viele Delegiertenstimmen brauche man zur Kandidatenkür, wenn man die Delegationen aller 50 Bundesstaaten - also auch die aus Florida und Michigan - zum Parteitag zulasse. Diese beiden Bundesstaaten, in denen Clinton gegen Obama - dessen Name in Michigan nicht einmal auf dem Wahlzettel stand - recht deutlich gewann, waren von der Parteiführung wegen deren eigenmächtiger Vorverlegung des Termins für die Vorwahlen mit der Aberkennung aller Delegierten für den Parteitag bestraft worden.

„Ich kann diese Nominierung gewinnen, wenn Ihr entscheidet, dass ich das soll, und ich kann diese Partei bei der Präsidentenwahl zum Sieg führen“, rief Frau Clinton ihren Anhängern zu - und bat diese wie zumal die Fernsehzuschauer eindringlich um Spenden. Denn Frau Clinton und ihr Wahlkampfteam haben mittlerweile 20 Millionen Dollar Schulden aufgehäuft, wobei der größte Kreditgeber die Clintons selbst sind, die aus ihrem Privatvermögen 11,4 Millionen Dollar an das Wahlkampfteam vorgeschossen haben. Dagegen hat Obama für die ausstehenden vier Vorwahlen noch 42,5 Millionen Dollar zur Verfügung. Aber das ist schon wieder niedere Mathematik.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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