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Seismograph Missouri Ein Staat wie die ganzen Vereinigten Staaten

06.02.2008 ·  Aufgrund seiner zentralen Lage, Demographie und Wirtschaft ist Missouri gleichsam ein amerikanischer Mikrokosmos. Deshalb gilt der Bundesstaat auch als Seismograph, wenn es um wichtige gesellschaftspolitische Fragen geht.

Von Katja Gelinsky, Washington
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Die amerikanische Präsidentschaftswahl wird in Missouri gewonnen - das legt zumindest die Geschichte nahe. Seit 1904 gab es nur einen amerikanischen Präsidenten, der nicht in dem Staat im Mittleren Westen gewonnen hatte. Nur 1956 stimmte Missouri für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Adlai Stevenson, der dem Republikaner Dwight Eisenhauer deutlich unterlag.

Dieser Ausrutscher hat jedoch nicht an dem Status des „Leithammels“ rütteln können, den Missouri bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen mit Stolz genießt, auch wenn es dort längst nicht die Delegiertenstimmen wie in Kalifornien und New York zu gewinnen gibt. Aufgrund seiner zentralen Lage, aufgrund der Mischung von Großstädten, Vororten und ländlichen Regionen, angesichts seiner Demographie und seiner Wirtschaft ist der Bundesstaat mit seinen knapp sechs Millionen Einwohnern gleichsam ein amerikanischer Mikrokosmos.

Missouri gehört zu den „Battleground States“

Deshalb gilt Missouri auch als Seismograph, wenn es um wichtige gesellschaftspolitische Fragen, zum Beispiel zur Stammzellenforschung, zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und zur Bildungspolitik geht. Die politische Landschaft ist geprägt durch die „demokratischen“ Großstädte St. Louis und Kansas City und die republikanisch dominierten ländlichen Regionen, zu denen auch die südöstlichen Gebiete mit Ausläufern des „Bible Belt“ gehören.

Regiert wird Missouri seit 2005 von dem Republikaner Matt Blunt. Seit den Senatswahlen 2006, bei denen die Demokratin Claire McCaskill knapp über ihren republikanischen Gegenkandidaten James M. Talent siegte, gewinnen die Demokraten in Missouri aber an Boden. Während der Präsidentschaft von George W. Bush war Missouri zunächst stark republikanisch geprägt. Doch gehört der Bundesstaat insgesamt zu den klassischen „Battleground States“, in denen sich Republikaner und Demokraten Kopf-an-Kopf- Rennen liefern.

Noch spannender war es bei den Demokraten

Wie gespalten die Ansichten der Wähler in Missouri schon darüber sind, wer bei den Demokraten und wer bei den Republikanern als Präsidentschaftskandidat nominiert werden soll, bewiesen am Dienstag die äußerst knappen Entscheidungen in beiden politischen Lagern. John McCain siegte mit 33 Prozent und bekommt damit sämtliche 58 Delegiertenstimmen.

Dicht auf den Fersen waren dem Senator aus Arizona jedoch Mike Huckabee mit 32 Prozent der Wählerstimmen und Mitt Romney mit 29 Prozent. Huckabee bekam vor allem Zustimmung in den konservativen Hochburgen im Südwesten, in Ortschaften, deren Bürger sich vor zwei Jahren mit großem Einsatz, aber letztlich erfolglos gegen die Stammzellenforschung zur Wehr gesetzt hatten.

Noch spannender war es bei den Demokraten. Hillary Clinton hatte nach den Wählerumfragen in Führung gelegen. Kurz nach Schließung der Wahllokale sah es zunähst so aus, als ob die Meinungsforscher recht behalten sollten. Doch je mehr Stimmen ausgezählt wurden, desto stärker holte Barack Obama auf. Um Mitternacht als die Ergebnisse aus St. Louis und Kansas City bekannt gegeben wurden, ging der Senator schließlich in Führung. Am Ende siegte er mit 49 Prozent der Stimmen knapp vor Hillary Clinton.

Quelle: F.A.Z., 07.02.2008, Nr. 32 / Seite 3
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