23.11.2008 · Robert Gibbs gibt sich locker und lustig, aber wehe er wittert irgendwo einen Angriff auf seinen Chef. Dann tritt der „Vollstrecker“ in Aktion. Das Pressecorps in Washington kann sich also auf turbulente Zeiten gefasst machen. Denn Obamas Kampagnensprecher wird Sprecher des Weißen Hauses.
Von Katja Gelinsky, WashingtonZu Halloween verkleidete er sich als Darth Vader, als der Bösewicht aus der Kinolegende „Krieg der Sterne“, als er zusammen mit seinem kleinen Sohn bei den Nachbarn Bonbons und Schokolade einsammelte. Eine verständliche Flucht ins Dunkle, wenn man bedenkt, dass Robert Gibbs die letzten Monate oft 18 Stunden am Stück darum bemüht war, seinen Chef, den künftigen Präsidenten Barack Obama, in ein positives Licht zu setzen. Der Kampagnensprecher wird auch in Washington weiter als Botschafter für Obama tätig sein. Erwartungsgemäß wird der 37 Jahre alte Kommunikationsfachmann Sprecher des Weißen Hauses.
Das Washingtoner Pressecorps kann damit gewiss sein, von einem Mann informiert zu werden, der engste Kontakte zum künftigen Präsidenten hat. Bei verschiedenen Pressesprechern, die Bush hatte, war dagegen nicht immer sicher, inwieweit sie über die Dinge Bescheid wussten, die im Weißen Haus besprochen wurden. Gibbs gehört schon seit 2004 zum Team von Obama, der sich damals um den Sprung in die Bundespolitik bemühte, indem er sich um den Sitz im Senat in Washington bewarb. Zu diesem Zeitpunkt war Gibbs schon ein versierter Politikberater.
„Wenn ich falsch liege, fordert er mich heraus“
Nach dem Politikstudium an der North Carolina State University arbeitete er im Alter von 26 Jahren als Sprecher eines demokratischen Kongressabgeordneten. Später war er für mehrere Senatoren tätig. Erste Erfahrungen mit dem Präsidentschaftswahlkampf machte Gibbs 2003 als Sprecher in der Mannschaft von Senator John Kerry. Allerdings währte die Verbindung, die im Streit endete, nur kurze Zeit. Umso enger gestaltete sich die Beziehung zu Obama, zu dessen Team Gibbs als Berater stieß. Seit der legendären Rede des Senators auf dem Wahlparteitag der Demokraten 2004 hat er den künftigen Präsidenten fast täglich begleitet.
Bevor Obama Ansprachen hält, ist Gibbs oft der Letzte, mit dem er sich berät. Selbst als der künftige Präsident im Sommer einen Kurzurlaub auf Hawaii ins Wahlprogramm einschob, war Gibbs dabei. „Robert ist der Kerl, den ich bei mir im Fuchsbau haben will, wenn Feuer ausbricht“, hat Obama das Verhältnis zu seinem Berater und Sprecher beschrieben. „Wenn ich falsch liege, fordert er mich heraus. Er fühlt sich nicht eingeschüchtert von mir.“
Erst recht nicht lässt sich Gibbs von Journalisten einschüchtern. Er gibt sich locker und lustig, plaudert über die netten Menschen in den Südstaaten. Aber wehe Gibbs wittert irgendwo einen Angriff auf seinen Chef. Dann tritt der „Vollstrecker“ in Aktion. Mit schnellen, harten Schlägen wehrte er im Wahlkampf Angriffe gegen Obama ab - und geht zum Gegenangriff über. Als er in einem Interview auf frühere Kontakte Obamas mit dem einstigen, linken Terroristen William Ayers angesprochen wurde, gab Gibbs zurück, dann müsse sich der Moderator den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen, da er zuvor jemand interviewt hatte, der wegen antisemitischer Äußerungen Schlagzeilen gemacht hatte. Das Pressecorps in Washington kann sich also auf turbulente Zeiten gefasst machen.