24.05.2008 · Mit einem verbalen Patzer hat sich Hillary Clinton ins Kreuzfeuer der Kritik manövriert: In einem Interview nannte sie das Attentat von 1968 auf den damaligen Präsidentschaftsbewerber Kennedy als Grund, warum sie im Rennen gegen Obama noch nicht aufgebe. Obama sieht sich immer wieder Morddrohungen ausgesetzt.
Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton hat sich mit einer doppeldeutigen Bemerkung über die Ermordung von Robert Kennedy ins Kreuzfeuer der Kritik manövriert. In einem Zeitungsinterview nannte Clinton das Attentat von Juni 1968 auf den damaligen Präsidentschaftsbewerber Kennedy als einen Grund, warum sie im Rennen gegen Barack Obama noch nicht aufgeben wolle. Robert Kennedy war damals kurz vor seiner Nominierung erschossen worden.
Der schwarze Senator Barack Obama, der im Falle eines Sieges der erste farbige Präsident der Vereinigten Staaten werden würde, steht unter verstärktem Personenschutz. Seine Anhänger wiesen wiederholt darauf hin, Obama könne ähnlich wie Robert Kennedy oder der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King zum Ziel eines Mordanschlages werden. Obama hat in den vergangenen Monaten wiederholt Morddrohungen erhalten. Nach einer empörten Reaktion des Obama-Lagers bat Clinton für ihren verbalen Patzer um Entschuldigung.
„Kein Platz in diesem Wahlkampf“
Clinton zog die historische Parallele am Freitag in einem Interview mit der Zeitung „Argus Leader“, um zu verdeutlichen, dass sich Präsidentschaftsnominierungen in der Vergangenheit öfters bis in den Juni hineingezogen hätten. „Mein Ehemann hatte die Kandidatur 1992 erst in trockenen Tüchern, als er die Vorwahlen in Kalifornien irgendwann Mitte Juni gewonnen hatte, nicht wahr?“, erklärte die Senatorin. „Wir alle erinnern uns, dass Bobby Kennedy im Juni in Kalifornien ermordet wurde.“ Sie verstehe daher nicht, warum sie im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bereits jetzt das Handtuch werfen solle.
Das Obama-Lager kritisierte die Äußerungen der ehemaligen First Lady. „Die Bemerkung von Senatorin Clinton zum Argus Leader war unglücklich und hat keinen Platz in diesem Wahlkampf“, teilte Obamas Wahlkampfsprecher Bill Burton mit. Nach der Ermordung Kennedys ernannten die Demokraten den damaligen Vize-Präsidenten Hubert Humphrey zum Kandidaten, der später die Präsidentenwahl gegen den Republikaner Richard Nixon verlor.
„Das war absolut nicht meine Absicht“
Vor Journalisten bat Clinton für ihre Äußerung um Entschuldigung: „Ich bedauere, wenn mein Verweis auf diesen Moment des Traumas für unser gesamtes Land und insbesondere für die Kennedy-Familie in irgendeiner Weise beleidigend war. Das war absolut nicht meine Absicht.“ Eine Sprecherin von Clinton fügte hinzu, die Senatorin habe lediglich veranschaulichen wollen, dass das Rennen noch bis Juni offen sei. Jede andere Auslegung sei falsch.
Ein Sohn des ermordeten Senators, Robert Kennedy Jr., betonte in einer Stellungnahme, er fühle sich durch Clintons Aussage nicht verletzt. „Ich verstehe, wie aufgeladen die Atmosphäre ist“, sagte er nach CNN-Angaben.
Obama hat bei den Stimmen der gewählten Delegierten einen fast uneinholbaren Vorsprung zu Clinton. Die letzten Vorwahlen finden am 3. Juni in den Bundesstaaten South Dakota und Montana statt. Auf dem Parteitag der Demokraten Ende August wird der Kandidat dann offiziell bestimmt. Die Präsidentenwahl selbst findet am 4. November statt.