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Präsidentschaftswahlen Wall Street hofft auf Wahlbonus

04.11.2008 ·  Der Demokrat Barack Obama hat in der Wertpapierbranche mehr Geld eingesammelt als sein republikanischer Konkurrent John McCain. Ob sich die Identität des Kandidaten auf die Aktienkurse auswirkt, ist allerdings umstritten.

Von Norbert Kuls, New York
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Die Börsianer an der Wall Street erhoffen sich von den Wahlen am heutigen Dienstag einen neuen Aufschwung der Aktienkurse. Wer die Präsidentschafts- und Kongresswahlen gewinnt, ist dabei nach Ansicht einiger Fachleute überraschenderweise gar nicht entscheidend.

An der Börse dürfte vielmehr das Verschwinden der Unsicherheit über den Wahlausgang honoriert werden. „Sobald wir wissen, wie die Balance der Macht aussieht, können Investoren das in ihre Gleichung aufnehmen. Der Markt mag möglicherweise nicht das Ergebnis, aber er mag das Wissen“, sagte Christopher Zook, Chefanleger bei Wertpapierhaus CAZ Investments gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

In der Regel positiv

Paul Nolte, der für Anlagen beim Vermögensverwalter Hinsdale Associates zuständig ist, prognostiziert eine positive Reaktion des Aktienmarktes, solange es bei der Wahl klare Sieger und Verlierer gibt. Auch Nolte glaubt nicht, dass sich die Identität des neuen Präsidenten oder die Sitzverteilung im Kongress auf Börsenkurse auswirkt.

Daten des Informationsdienstes Thomson Reuters zeigen, dass in der Zeit nach dem Urnengang Anfang November und vor dem Amtsantritt des Präsidenten Ende Januar der Aktienmarkt in der Regel positiv reagiert. Neben dem Präsidenten, der alle vier Jahre gewählt wird, stimmen Amerikaner am Dienstag wie alle zwei Jahre über das komplette Repräsentantenhaus sowie über ein Drittel des Senats ab.

Nur kurzfristige Ablenkung

Der unabhängige Analyst Mark Hulbert schreibt, dass der Dow-Jones-Index seit 1950 in Wahljahren im November durchschnittlich um 2,1 Prozent zugelegt hat. Allerdings habe der Dow im Durchschnitt im November immer um 1,6 Prozent zugelegt. Statistisch betrachtet, sei dieser Unterschied zu klein, um auf einen Einfluss der Wahl zu deuten, sagt Hulbert.

Wahlen gelten in der Regel nur als kurzfristige Ablenkungen für die Finanzmärkte. Der Fokus der Anleger richtet sich normalerweise rasch wieder auf die eigentlichen Triebfedern der Kurse - Unternehmensgewinne und Konjunktur. Bei Wahlen in der Vergangenheit sind Spekulationen über deren Auswirkungen aber dennoch ein beliebter Zeitvertreib für die Auguren gewesen. Bei den Präsidentschaftswahlen vor vier Jahren hatten Analysten im Fall eines Wahlsieges des demokratischen Bewerbers John Kerry negative Auswirkungen etwa für Aktien aus den Bereichen Pharma, Rüstung und Energie befürchtet.

Ungewöhnlich ruhig

In diesem Jahr hat es aber ungewöhnlich wenige Kommentare zu den Auswirkungen der Präsidentenwahl auf verschiedene Branchen gegeben. „Ich glaube, dass dies der Finanzpanik zum Opfer gefallen ist, die die Märkte in den vergangenen Monaten im Griff hatte“, schreibt Hulbert, der die Empfehlungen zahlreicher Börsenbriefe auswertet.

Dennoch gibt es auch in diesem Jahr Erhebungen von Daten, die die Entwicklung der Aktienmärkte mit der Präsidentenwahl in Verbindung bringen. Nach einer Untersuchung des Informationsdienstes Bloomberg haben sich die Börsen seit Beginn des 20. Jahrhunderts unter demokratischen Präsidenten besser entwickelt als unter Republikanern. Unter Demokraten stieg der Dow Jones in den ersten 12 Jahren nach der Erstwahl um 9,8 Prozent. Nur zweimal, nach dem Amtsantritt von Woodrow Wilson 1912 und dem von Jimmy Carter 1976, waren die Aktienkurse gesunken.

Historische Überraschungen

Dagegen folgten auf neue Präsidenten aus dem republikanischen Lager insgesamt fünfmal Verlustjahre für den Dow. Im Durchschnitt fielen die Aktienkurse nach der Erstwahl eines Republikaners um 2,5 Prozent. „Die meisten Leute gehen davon aus, dass sich die Börsen unter den Republikanern grundsätzlich besser entwickeln als mit einem Demokraten im Amt. Aber die historische Entwicklung beweist deutlich das Gegenteil“, sagt Vermögensverwalter Nick Sargen von den Fort Washington Investment Advisors.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat in Umfragen derzeit einen deutlichen Vorsprung vor seinem republikanischen Konkurrenten John McCain. Auch die Mitarbeiter der Investmentbanken an der Wall Street scheinen große Hoffnung auf den Demokraten zu setzen. Zumindest hat Obama mit mehr als 12 Millionen Dollar mehr Geld für seinen Wahlkampf aus der Wertpapierbranche erhalten als McCain, der auf knapp 8 Millionen Dollar kam.

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