Die republikanische Kandidatin für das Vizepräsidentenamt, Sarah Palin, hat sich bei ihrem ersten großen Auftritt vor ihrer Partei selbstbewusst und angriffslustig präsentiert. Die Gouverneurin von Alaska setzte sich in ihrer Nominierungsrede auf dem Wahlparteitag in St. Paul gegen den Vorwurf der Unerfahrenheit zur Wehr und stellte ihre ländliche Herkunft als Vorteil hin.
Die begeisterten Delegierten spendeten der 44- Jahre alten Kandidatin minutenlangen Beifall. Präsidentschaftskandidat John McCain erschien überraschend auf der Bühne neben Palin und deren Familie. McCain und Palin wurden offiziell als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl nominiert.
Leben in der Kleinstadt als „Privileg“
„Ich gehöre nicht zur Washingtoner politischen Elite“, sagte eine gelassen wirkende Palin in ihrer immer wieder von Jubel und Applaus unterbrochenen Rede. „In den vergangenen Tagen habe ich schnell lernen müssen, dass man von manchen Medien als unqualifiziert betrachtet wird, wenn man nicht Mitglied dieser Washingtoner Elite ist. Aber ich habe wichtige Nachrichten für all diese Reporter und Kommentatoren: Ich will nicht nach Washington gehen, um deren Lob zu bekommen, sondern ich will nach Washington, um den Menschen dieses Landes zu dienen.“
Seit ihrer überraschenden Nominierung durch McCain am vergangenen Freitag war in amerikanischen Medien immer wieder die Frage der Eignung Palins für die Vizepräsidentschaft aufgeworfen worden. Palin ist erst seit Dezember 2006 Gouverneurin von Alaska, zuvor war sie Bürgermeisterin der Kleinstadt Wasilla. Für Wirbel sorgten in den vergangenen Tagen auch Berichte über die Schwangerschaft von Palins minderjähriger Tochter sowie Vorwürfe des Amtsmissbrauchs.
In ihrer Nominierungsrede nannte es Palin ein „Privileg“, den größten Teil ihres Lebens in einer kleinen Stadt gewohnt zu haben. Sie warf dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama vor, seinen Wahlkampf unter der Forderung nach einem politischen Neubeginn vor allem zum eigenen Nutzen zu führen. „Es gibt manche Kandidaten, die den Wechsel vor allem nutzen, um ihre eigene Karriere zu fördern. Und dann gibt es solche wie John McCain, die ihre Karriere nutzen, um den Wechsel zu fördern.“
Obamas Sprecher bemängelt fehlende Vorschläge
McCain trat nach der Rede seiner Vizekandidatin überraschend auf die Bühne, wo Palin mit ihrer Familie den Applaus der Delegierten genoss. „Meinen Sie nicht auch, dass wir die richtige Wahl für die künftige Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten getroffen haben?“, sagte der 72 Jahre alte Senator und fügte hinzu: „Was für eine schöne Familie.“ Eigentlich wurde McCain erst am Donnerstag auf dem Parteitag erwartet. Dann sollte er seine Nominierungsrede halten.
Mit ironischen Worten gratulierte das Obama-Lager Palin zu ihrer ausgefeilten Rede. Diese müsse aus der Feder von Bushs Redenschreiber stammen, erklärte Obamas Sprecher Bill Burton - denn sie klinge „genauso wie die spaltenden, einseitigen Angriffe, wie wir sie von George W. Bush die vergangenen acht Jahre gewöhnt waren“. Konkrete Vorschläge, wie zum Beispiel die Wirtschaftskrise im Land überwunden werden könne, hätten Palin und auch die anderen Redner des Parteitags nicht geliefert.
Neue Vorwürfe gegen Palin
Kurz vor Palins Rede waren neue Details aus ihrer Vergangenheit bekanntgeworden. Am Mittwoch wurde im Internet ein Videomitschnitt einer Rede vor Schülern veröffentlicht, in der Palin den Irak-Krieg und den umstrittenen Plan zum Bau einer Gaspipeline durch Alaska als gottgewollt bezeichnete.
In der Affäre um mutmaßlichen Amtsmissbrauch sieht sich die Gouverneurin zudem durch eine E-Mail weiter belastet. In der von der „Washington Post“ veröffentlichten Mail an Polizeichef Walter Monegan beschwerte sie sich im vergangenen Jahr heftig über die ihrer Ansicht nach unzureichenden internen Ermittlungen zum Verhalten ihres Ex-Schwagers. Der Polizeichef wirft Palin vor, ihn gefeuert zu haben, weil er sich einer Entlassung des Ex-Schwagers verweigert hatte. Der Ex-Schwager lieferte sich zu diesem Zeitpunkt einen heftigen Sorgerechtsstreit mit Palins Schwester.
O-Ton Palin "Der Irakkrieg ist eine gottgegebene Aufgabe"
Peter Ihrig (VegaStyle)
- 04.09.2008, 09:08 Uhr
McCain hat mehr Erfahrung und warum....?
Michael Fichtner (ebaristo)
- 04.09.2008, 10:41 Uhr
Eine grandiose Frau
joachim bovier (jbovier)
- 04.09.2008, 11:06 Uhr
"Frau" Palin
Simon Friederich (sfriede1)
- 04.09.2008, 11:57 Uhr
Perfide Argumentation
Norbert Müller (B417931)
- 04.09.2008, 12:33 Uhr
