19.03.2008 · Mit seiner Rede über das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen hat Barack Obama Ungewöhnliches gewagt. Er sprach über Tabu-Themen wie „schwarzen Zorn“ und „weiße Ressentiments“. Aber hat er mehr Menschen erreicht als Schwarze und Linksintellektuelle?
Von Katja Gelinsky, WashingtonBarack Obama hat Ungewöhnliches gewagt mit seiner Rede zum Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen am Dienstag. Darüber sind sich die Beobachter über die ideologischen und politischen Frontlinien im amerikanischen Präsidentenwahlkampf hinweg einig. Die Offenheit, mit der der demokratische Präsidentschaftskandidat in Philadelphia die Rassenspannungen analysierte, beeindruckte selbst manche konservative Kommentatoren. „Einfach brillant“ erschien dem Publizisten Charles Murray die nuancierte Betrachtung Obamas. Man müsse weit zurückdenken, um auf eine ähnlich freimütige Rede eines Politikers zu den Schwierigkeiten von schwarzen und weißen Amerikanern im Umgang miteinander zu stoßen, bescheinigten Politikwissenschaftler und Historiker dem Präsidentschaftsbewerber.
Hatte der Senator zunächst mit einigem Erfolg versucht, das konfliktträchtige Thema durch Hervorhebung seiner Botschaft der Versöhnung und des Wandels aus dem Wahlkampf herauszuhalten, so mahnte er nun in Philadelphia, Amerika könne es sich nicht leisten, das „besonders entzweiende“ Thema Rasse länger zu ignorieren. Es sei an der Zeit, dass man endlich damit beginne, die komplexen Probleme aufzuarbeiten, vor deren Bewältigung das Land bislang zurückgeschreckt sei. Obama sprach Tabus wie „schwarzen Zorn“ und „weiße Ressentiments“ an, die „real“ und „stark“ seien.
Obamas Anhänger riefen auf seinen Wahlkampfauftritten begeistert: „Rasse spielt keine Rolle.“ Doch hatte der Senator lange nicht eingestehen wollen, wie sehr dieser Schlachtruf noch Wunschdenken ist. Auch demagogische Predigten seines früheren Pastors Jeremiah Wright wischte der Sohn eines Schwarzen und einer Weißen zunächst als Bemerkungen beiseite, die man zuweilen von einem „alten Onkel“ zu hören bekomme. Dabei war die Sprengkraft offenkundig, die Wrights wütende Polemik gegen die angebliche Herrschaft der Weißen für Obamas Botschaft von Versöhnung und Verständigung haben musste. Gott möge Amerika nicht segnen, sondern verdammen, predigte der frühere Pastor der Chicagoer „Trinity United Church of Christ“.
Obama hat Wrights Tiraden in seiner Rede vom Dienstag abermals scharf verurteilt. Zugleich warb er jedoch um Verständnis für den 66 Jahre alten Pastor. In dessen Generation seien die Erinnerungen an die Erniedrigung und die Angst, denen Schwarze ausgesetzt gewesen seien, noch sehr lebendig, ebenso wie die Bitterkeit und der Ärger dieser Jahre. Und zuweilen habe sich dieser Zorn auch in der Kirche entladen.
„Diese Leute sind ein Teil von mir“
Obama machte in seiner Rede unmissverständlich klar, dass er seinem Pastor die Treue hält. „Ich kann ihn nicht mehr ablehnen als meine weiße Großmutter,... eine Frau, die bei mehr als einer Gelegenheit rassische oder ethnische Stereotypen geäußert hat, die mich zusammenzucken ließen.“ „Diese Leute sind ein Teil von mir. Und sie sind Teil von Amerika, eines Landes, das ich liebe“, legte Obama in dem persönlichsten Teil seiner Rede dar.
Selbst jene, die dem Präsidentschaftskandidaten wohlgesinnt sind, bezweifeln allerdings, dass Obama mit seiner angeblich selbst entworfenen Rede seine Chancen auf den Einzug ins Weiße Haus verbessert hat. Angesprochen fühlen dürften sich vor allem jene Bevölkerungsgruppen, die ohnehin für Obama stimmen, insbesondere linksliberale Intellektuelle. Aber viele Amerikaner mögen sich mehr denn je fragen, was von einem Kandidaten zu erwarten ist, dessen Ansichten maßgeblich von einem Pastor geformt wurden, der nach Obamas eigenem Bekunden die Realität durch „grundfalsche Entstellungen dieses Landes“ verzerrt hat.
Mißverstanden!
Ivo Huber (jimmycarter1)
- 19.03.2008, 17:32 Uhr
Auch Obama wírd von der Realität eingeholt.
Peter Zentner (Caterwaul)
- 19.03.2008, 17:47 Uhr
Von wegen Sprüche eines alten Onkels....
Karsten Cascais (karstencascais)
- 19.03.2008, 17:58 Uhr
Kein Rächer der unterdrückten Schwarzen
Max Stirner (maxcasparstirner)
- 19.03.2008, 18:32 Uhr
Wie Sprüche eines alten Onkels
Franz Maute (281246)
- 19.03.2008, 19:12 Uhr