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Obama wird Präsident Ein Schwarzer im Weißen Haus

05.11.2008 ·  In den Vereinigten Staaten steht auch einem Schwarzen das höchste Staatsamt offen. Pauschale Verweise auf Diskriminierung taugen nicht mehr, um das eigene Scheitern zu rechtfertigen. Nach der Ära George W. Bushs werden auch die Deutschen auf eine Probe gestellt.

Von Stefan Tomik
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Fünfundvierzig Jahre nach der programmatischen Rede Martin Luther Kings in Washington - „I have a dream“ - und vierzig Jahre nach dessen Ermordung wird ein Schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit dieser Wahl hat das Land Geschichte geschrieben.

Bis hierher hat Amerika einen langen, teils schmerzhaften Weg zurückgelegt. Er führte über die Entscheidung des Supreme Courts von 1954, dass die Rassentrennung in Schulen verfassungswidrig sei und den zivilen Ungehorsam von Rosa Parks ein Jahr später. Er führte über den Mord am umstrittenen Schwarzenführer Malcolm X im Jahr 1965 und den Schwarzen-Aufstand in Los Angeles 1992 mit mehr als 50 Toten. Auf diesem Weg lagen auch die Wahl des ersten afroamerikanischen Kongressmitglieds Shirley Chisholm im Jahr 1972, die Berufung Colin Powells zum Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs 1989 - der höchsten Position der Streitkräfte - und später zum Außenminister, sowie die Ernennung von Condoleezza Rice als erster schwarzer Frau zur Außenministerin im Jahr 2005.

Symbolwirkung nach innen und außen

Diese Präsidentenwahl zeigt nun, dass einem Schwarzen im Amerika von heute sogar das höchste Staatsamt offen steht. Das hat eine Symbolwirkung nicht nur nach außen, sondern auch auf alle Minderheiten im Land: Zwar wird es auch weiterhin Einzelfälle von Diskriminierung geben. Aber niemand kann sich fortan durch pauschale Verweise darauf aus der Verantwortung für das eigene Scheitern stehlen.

Daran ändert auch nichts, dass Barack Obama nicht wegen, sondern trotz seiner Hautfarbe gewählt wurde. Seine Verbindung zum radikalen schwarzen Prediger Jeremiah Wright hätte ihn beinahe aus dem Rennen geworfen. Obamas angebliche Überraschung über die kämpferischen und abstrusen Thesen seines Mentors musste ihrerseits überraschen - waren die beiden doch über viele Jahre eng miteinander verbunden. Obamas Austritt aus der Trinity United Church of Christ kam wohl gerade noch rechtzeitig. Unter keinen Umständen hätte der Kandidat als angry black man wahrgenommen werden dürfen. Deshalb gab er sich betont sachlich und blieb beim Thema affirmative action, der Bevorzugung von Minderheiten etwa an Schulen oder Universitäten, vage. Obama schaue auf die Schwarzen hinab, kritisierte der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson. Auch er hatte zweimal versucht, Präsident zu werden, schaffte es aber nicht einmal bis zur Nominierung.

Nicht soziale Themen wie die Benachteiligung von Minderheiten, nicht die Kriege im Irak und in Afghanistan und auch nicht der Streit über das Gesundheitswesen haben diese Wahl entschieden. Es war die Wirtschaftskrise, die die Republikaner die Macht gekostet hat. Eine Volkswirtschaft in der Rezession verhalf Bill Clinton 1992 ins Weiße Haus und trägt auch jetzt wieder einen Demokraten dorthin.

Ein Kandidat aus dem Nichts

Obama kam vor vier Jahren praktisch aus dem Nichts. Auch Hillary Clinton unterschätzte den Senator aus Illinois. Zunehmend hilflos musste sie mit ansehen, wie dieser junge, dynamische Charismatiker ihr die Show stahl und sich in dem zermürbend langen Vorwahlkampf gegen sie durchsetzte. Obama konnte seinen Slogan vom Wechsel am besten verkaufen und die jungen Wähler in Scharen für sich einnehmen. Zielstrebig, systematisch und mit großem Ehrgeiz ging er dabei vor und trat nach außen nüchtern, sachlich und konzentriert auf.

Wenn Obama am 20. Januar das Amt antritt, aus dem der nun überaus unbeliebte George W. Bush dann scheidet, wird sich aber auch zeigen, ob die Europäer - und vor allem die Deutschen - wirklich nur mit Bushs Amtsführung oder doch mit Amerika an sich haderten. Man sei ja keineswegs antiamerikanisch, hieß es in den vergangenen acht Jahren oft, sondern nur gegen Bush. Dass an vielen Entscheidungen der amerikanischen Politik auch der Kongress mitwirkte und Amerika im Herzen viel konservativer ist als man jenseits des Atlantiks glauben mag, fiel beim allgemein beliebten Bush-Bashing meist unter den Tisch.

Jetzt wird man sehen, wie weit sich Amerika von einem neuen Präsidenten mit einer neuen Agenda prägen lässt - und ob Obama seine vielen Versprechen vom Wechsel verwirklichen kann. Dem ein oder anderen wird wohl erst dann aufgehen, dass die „Obamania“ wohl doch übertrieben war.

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