Barack Obama ist noch nicht ins Weiße Haus eingezogen, in einschlägig ausgewiesenen Dschihadisten-Foren im Internet wird aber schon heftig über seine Politik diskutiert. Die Gegner des alten amerikanischen Präsidenten sind selbstverständlich auch die des neuen. Doch schienen sie sich in den Tagen seit der amerikanischen Wahl nicht ganz schlüssig zu sein, was man von dem neuen Mann in Washington zu halten habe. Eine Botschaft Usama Bin Ladins wurde dringend erwartet. Seit gestern ist sie da - ausgesprochen in einer Audio-Botschaft von Ayman al Zawahiri, der Nummer Zwei von Al Quaida, dem Stellvertreter Bin Ladins.
„The Depature of Bush and Arrival of Obama“ lautet der Titel. Zu sehen ist ein Bild Zawahiris, eines von Malcolm X, wie er vor einer Moschee kniet und eines von Obama an der Klagemauer in Jerusalem. Zawahiri warnt Obama davor, Soldaten aus dem Irak abzuziehen, nur um sie in Afghanistan einzusetzen. Obama wisse „nichts von der Geschichte Afghanistans und seiner freiheitsliebenden und aufsässigen Muslime“. Er solle sich an die Fehlschläge der Sowjets, Musharrafs und Bushs erinnern. Obama sei zwar als Sohn eines Muslims geboren worden, eifert Zawahiri, habe sich aber entschlossen „in den Reihen der Feinde der Muslime zu stehen“, womit er Christen und Juden meint. Malcom X wiederum sei nur getötet worden, weil er ein Muslim und ein wahrer Revolutionär gewesen sei. Amerika führe immer noch einen „Kreuzzug“ gegen den Islam, daran werde sich auch nach der Wahl Obama nichts ändern. Der „heilige Krieg“ gehe weiter.
Obamas Problem mit dem Irak
Der Aufruf fügt sich der gleichbleibenden Forderung an, die Amerikaner mögen umgehend aus dem Irak verschwinden. Abu Omar al Baghdadi, der Führer des „Islamischen Staates im Irak“, hat sie gerade wieder ausgesprochen, fünfundzwanzig Minuten lang, in einem geschützten Forum der Al-Qaida-Anhänger.
„Die Wahl Obamas hat bei der Al Qaida im Irak die Hoffnung auf einen schnellen Truppenabzug geweckt und das will man mit dieser Botschaft unterstreichen“, sagt Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik dazu. Ein hoher Vertreter eines nahöstlichen Geheimdienstes, der weder seinen Namen noch sein Land veröffentlicht sehen will, befürchtet derweil, dass Al Qaida im Irak wieder erstarkt, sollten die Amerikaner ihre Truppen zu schnell abziehen. „Solche Botschaften sind ein klares Indiz dafür, dass Al Qaida nur auf den Abzug wartet, um dann wieder verstärkt zuzuschlagen, die Gefahr ist groß, dass dies auf die Nachbarländer übergreift“, meint der Mann vom Geheimdienst. Obama stehe vor einem Problem: Er habe im Wahlkampf versprochen, die Truppen aus dem Irak binnen sechzehn Monaten abzuziehen, habe aber die Konsequenzen für die gesamte Region unterschätzt.
Versprechen des Wandels
Die Audiobotschaften al Zawahiris und al Baghdadis kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem in der arabischen Welt im Fernsehen und in den Zeitungen spekuliert wird, was der neue Präsident unternimmt. Nach der Verkündung des Wahlergebnisses waren in einigen arabischen Städten die Menschen freudig auf die Straße gegangen. Der aus Kuweit stammende Gelehrte Hamed al Ali meinte sogar, die Wahl Obamas sei beispielgebend für die islamische Welt. Die Nachricht auf seiner Internetseite trug die Überschrift „We Want Change“. Al Ali gilt als maßgeblicher Unterstützer radikaler Gruppen, in der Vergangenheit hat er des öfteren den „Heiligen Krieg“ gegen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten als Pflicht aller Muslime bezeichnet. Nun aber schreibt er, die muslimischen Staaten hätten die „Pflicht“, von Obama zu lernen. „Wir müssen einen Vorteil aus seinem Sieg ziehen und einen Wechsel verlangen und alle Regime loswerden, die mit Ignoranz regieren und ihre Länder bestehlen.“
Doch das ist eine Einzelstimme unter den Islamisten. Auch die Taliban haben sich im Internet zu Wort gemeldet, um Obama zu warnen. Sein Wahlsieg spiegele den kollektiven Willen der Amerikaner wider, die inhumanen Kriege der jetzigen Regierung in Afghanistan und Irak zu beenden. Obama habe versprochen, Bushs Politik nicht fortzuführen. Daher müsse er alle Truppen abziehen. Obama, McCain, Bush, Clinton - sie seien allesamt „Feinde des Islam und der Muslime, und sie zu bekämpfen ist eine Pflicht“, schreibt ein Mitglied des Forums Al Hesbah. Ein anderer Sympathisant meint, es gebe keinen Frieden, Amerika werde „mit Allahs Willen, die besetzten Länder beschämt, traurig und gebrochen verlassen“. Am meisten Zuspruch bekam ein Beitrag, der unter dem Decknamen „Asad al-Jihad 2“ erschien. Dort heißt es: „Jetzt hat der Kampf begonnen.“
Auch in Deutschland stellt man sich bereits um
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 20.11.2008, 18:08 Uhr
So 'n Pech!
Janes Schnieder (windigeWindmaker)
- 20.11.2008, 18:41 Uhr
Derartige ''Video's'' oder "Tonbandaufnahmen"stammen in der Regel vom CIA...
Kevin Alonso (Ayers.Rock)
- 20.11.2008, 19:57 Uhr
Zu vermuten ist,
John Friedmann (JohnFriedmann)
- 20.11.2008, 20:30 Uhr
omg als ob...
Robin Doetsch (LinksLegend)
- 21.11.2008, 10:58 Uhr
