21.01.2009 · Der Grundton von Barack Obamas Antrittsrede war nüchtern - einen Hauch von Pathos erlaubte er sich nur bezüglich seiner Hautfarbe. Obama rief alle Amerikaner, gleichgültig welcher Partei und Rasse, zur Mitarbeit an der Erneuerung auf.
Von Günther NonnenmacherDie Inauguration eines Präsidenten ist das Hochamt der amerikanischen Demokratie. Schon das Wort, das aus dem begrifflichen Reservoir der altrömischen Geschichte stammt, evoziert die Weihe einer Persönlichkeit und die Würde eines Augenblicks, in dem Entscheidendes für die Res publica geschieht. Es gehört zu diesem rituellen Akt, dass der eingeschworene neue Präsident, als Hohepriester und Prophet zugleich, sich und seine Zuhörer an die Versprechen der Gründerväter der Republik und Stationen der amerikanischen Geschichte erinnert. Ungebrochen ist der Glaube daran, dass diese Geschichte, trotz vieler Niederlagen, eine Heilsgeschichte, dass Amerika eine einmalige, eine auserwählte Nation sei, die eine welthistorische und damit auch eine weltpolitische Mission habe.
Für viele Europäer, denen Geschichtsschreibung die „Sinngebung des Sinnlosen“ (Theodor Lessing) ist, hat dieser zivilreligiöse Aspekt der amerikanischen Selbstinterpretation etwas Befremdliches, sogar Abstoßendes: Aber wer darin nur die zynische Verbrämung teilweise hemdsärmeliger Realpolitik sieht, verkennt, dass Amerika aus den Ritualen, die seine Mission beglaubigen und bekräftigen, einen Gutteil seiner Kraft und seiner immer wieder bewiesenen Erneuerungsfähigkeit zieht.
Das war auch zu spüren auf der Reise, die Barack Obama im Sommer durch Europa geführt hatte. Natürlich waren die Jubelfeiern, die ihm in Berlin und anderswo bereitet wurden, auch die Kehrseite der Ablehnung, auf die sein Vorgänger George W. Bush in Europa - zuletzt auch in Amerika selbst - gestoßen ist. Aber dass Amerika erstmals einen Farbigen in das höchste Amt der Republik gewählt hat, ist in der Tat ein Beweis für die Fähigkeiten dieses Landes, sich neu zu erfinden, seine Geschichte, die auch eine der Rassendiskriminierung ist, anzunehmen und gleichzeitig hinter sich zu lassen.
Nüchtern, mit einem Hauch von Pathos
Obama beruft sich auf Abraham Lincoln, eine der großen Gestalten der amerikanischen Heilsgeschichte, den Mann, der die Sklaverei (rechtlich) abgeschafft und versucht hat, die Amerikaner nach einem verheerenden Bürgerkrieg wieder zusammenzuführen. Auf Lincolns Bibel hat Obama den Amtseid abgelegt. Gesungen hat bei der Feier Aretha Franklin, deren Lied „Respect“ einst eine Aufforderung an die weiße amerikanische Mehrheitsgesellschaft war. Mit Obama, dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten, hat sie sich erfüllt.
Der neue Präsident hat in seiner Inauguralrede diesen historischen Moment gewürdigt - es war ein kurzer Satz von persönlichem Pathos, der keinem Präsidenten vor ihm möglich gewesen war. Obama hat auch, wie fast jeder Präsident vor ihm, das freiheitliche Erbe Amerikas beschworen. Der Grundton seiner Rede war dennoch von Nüchternheit geprägt: er hat die Herausforderungen, vor denen sein Land steht - im Inneren wie nach außen - aufgezählt und kein Hehl daraus gemacht, wie groß sie sind und wie schwer es sein wird, sie zu überwinden.
Diese Nüchternheit, die schon Obamas Reden der vergangenen Wochen ausgezeichnet hatte, hat sicherlich auch den Sinn, die messianischen Hoffnungen zu dämpfen, die sich an seine Amtsübernahme geheftet haben. Sie kennzeichnet gleichzeitig eine Abkehr von der ideologischen Polarisierung, die Bushs Regierungszeit in weiten Teilen bestimmt hat. Obama hat alle Amerikaner, gleichgültig welcher Partei und Rasse, zur Mitarbeit an der Erneuerung aufgerufen. Jetzt beginnen die Mühen des Alltags.
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Itzhak Levinski (mohel)
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Heinrich Berkel (h.berkel)
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