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Obama gegen McCain Überschätzte „Fernsehduelle“

15.10.2008 ·  Vorteil Obama: Mit einem deutlichen Vorsprung in der Wählergunst zieht der schwarze Senator in die dritte und letzte Fernsehdebatte mit McCain. Dass solche „Duelle“ die Präsidentenwahl entscheiden, glauben viele - belegen lässt es sich kaum.

Von Stefan Tomik
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Zwei „Fernsehduelle“ haben Barack Obama und John McCain bestritten, das dritte wird in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ausgetragen. Und was hat sich dadurch an den Wahlabsichten der Amerikaner geändert? Bislang praktisch nichts - jedenfalls nichts, was sich messen ließe.

In die erste Fernsehdiskussion am 26. September ging Obama laut dem Umfrageinstitut Gallup mit einem Vorsprung von fünf Prozentpunkten. Eine Mehrheit der Zuschauer (46 Prozent) sah ihn als Sieger, nur 34 Prozent befanden, McCain habe sich besser geschlagen. In der ersten Gallup-Umfrage nach der Debatte führte Obama mit sechs Punkten - ein Effekt der Fernsehdiskussion? Möglich, aber unwahrscheinlich, denn der Unterschied liegt innerhalb der Fehlertoleranz solcher Messungen (plus/minus zwei Prozentpunkte) und ist daher viel zu gering für verlässliche Aussagen.

„Duelle“ im Schatten der Finanzkrise

Die zweite Debatte am 7. Oktober gewann Obama laut einer Zuschauerbefragung von Gallup sogar noch deutlicher: 56 Prozent sahen ihn diesmal als Sieger, nur 23 Prozent entschieden sich für McCain. Dennoch sank Obamas Vorsprung gegenüber McCain von elf Prozentpunkten vor dem Ereignis auf neun Punkte danach. Wieder ist der Unterschied zu klein, um ihn der Fernsehdebatte zuzurechnen, und vor allem hat er das falsche Vorzeichen. Vielmehr zeigen die Umfrageergebnisse der vergangenen Wochen insgesamt, dass sich Obama schon Mitte September wieder von McCain absetzen und diesen Vorsprung ausweiten konnte, je länger der Schatten der Finanzkrise wurde, der über Amerika liegt.

Drei Wochen vor der Präsidentenwahl in Amerika hat der Demokrat Obama den Umfragevorsprung vor seinem republikanischen Rivalen McCain deutlich ausgebaut. Beide Politiker treffen am Mittwochabend zu ihrem dritten und letzten Fernsehduell aufeinander.

In die dritte und letzte Debatte geht Obama nun mit einem komfortablen Vorsprung: 53 Prozent der Amerikaner wollen ihn als Präsidenten, während 39 Prozent McCain favorisieren. Das ergab eine am Dienstag vorgestellte Umfrage für den Fernsehsender CBS und die „New York Times“. Demnach sagen inzwischen vier von fünf Befragten, ihre Wahlentscheidung stehe fest.

Reagan gegen Carter brachte eine Wende

Tatsächlich haben die Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten, die nicht in Amerika, wohl aber in Deutschland beharrlich „Duelle“ genannt werden, längst nicht so viel Einfluss auf die Wahl wie gemeinhin angenommen. Nur einmal war direkt zu beobachten, wie eine solche Debatte einen Umschwung in der öffentlichen Meinung herbeiführte: Wenige Tage vor der Diskussion am 28. Oktober 1980 lag Ronald Reagan laut dem Gallup-Institut acht Prozentpunkte hinter Amtsinhaber Jimmy Carter; in der ersten Umfrage darauf führte er mit drei Punkten Vorsprung. Es war jenes zweite Aufeinandertreffen der Kandidaten, an dessen Ende sich Reagan direkt an die Zuschauer wandte und sie bat, sich zu fragen, ob es ihnen heute besser gehe als vier Jahre zuvor: „Are you better off?“ 80,6 Millionen Zuschauer verfolgten die Debatte, gewählt wurde nur eine Woche danach. Reagan gewann deutlich und lag in der Summe der direkten Stimmen fast zehn Prozentpunkte vorn.

Ein ähnlicher Einfluss lässt sich für die erste Fernsehdebatte zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon nicht nachweisen. Am 26. September 1960 traf ein frisch wirkender, braungebrannter Kennedy auf einen unrasierten und von einem Krankenhausaufenthalt gezeichneten, ja abgemagerten Nixon, der in der Sendung zudem sichtbar ins Schwitzen geriet. Seitdem hält sich die Behauptung, dieses „Duell“ habe am Ende die Wahl entschieden.

Auch Bush junior wurde schon ein Scheitern vorausgesagt

Wohl sahen die Zuschauer Kennedy als Sieger der Debatte, und während Nixon vorher mit einem Prozentpunkt führte, lag er nachher drei Punkte zurück. Doch auch diese Veränderung liegt innerhalb der Fehlertoleranz. Außerdem lagen zwischen den beiden Gallup-Umfragen achtzehn Tage - eine lange Zeit, in der auch der Wahlkampf außerhalb des Fernsehstudios weitergeht. Schließlich handelte es sich nur um die erste von insgesamt vier Debatten, von denen auch Nixon laut Meinung der Zuschauer eine „gewann“ und die beiden übrigen „unentschieden“ endeten.

Die Wirkung von Fernsehdebatten jenseits überlieferter Anekdoten nachzuweisen gehört zu den größten Herausforderungen der Wahlforscher überhaupt. Unbestritten können solche Auftritte die öffentliche Debatte prägen: Sie verfestigen vor allem bestehende Meinungen und mobilisieren in erster Linie unentschiedene Wähler. Zudem bieten sie weniger bekannten Kandidaten ein Forum, um sich einem Millionenpublikum bekannt zu machen.

Doch Wahlen entscheiden „Fernsehduelle“ damit noch lange nicht, jedenfalls nicht unmittelbar. Ein paar Schweißperlen auf der Stirn (Nixon), nervöse Blicke auf die Armbanduhr (George Bush senior) oder vernehmbar lautes Seufzen (Gore) bestimmen in der Regel nicht über den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Auch George W. Bush wurde schon einhellig als großer Verlierer der immerhin drei Debatten mit John F. Kerry gehandelt - und hat die Wahl 2004 am Ende doch klar gewonnen.

Die dritte und letzte Fernsehdebatte findet in der Nacht auf Donnerstag in der Hofstra-Universität von Hempstead im Bundesstaat New York statt. Das Erste überträgt live ab 2.55 Uhr.

Quelle: F.A.Z.
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