05.11.2008 · Die Welt ist begeistert von der Wahl Obamas. Ein Großteil der Länder hofft nun auf gute Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. In Kenia, dem Heimatland des Vaters Obamas, erklärte Präsident Kibaki den Donnerstag zum Feiertag. Gespalten ist die Meinung hingegen im Irak.
Von unseren KorrespondentenDie Welt ist begeistert von der Wahl Obamas. Ein Großteil der Länder hofft nun auf gute Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten. In Kenia, dem Heimatland des Vaters Obamas, erklärte Präsident Kibaki den Donnerstag zum Feiertag. Gespalten ist die Meinung hingegen im Irak.
Deutschland
Für die politische Führung in Deutschland steht der künftige amerikanische Präsident Obama für grundsätzlichen Wandel und engere deutsch-amerikanische Zusammenarbeit. Bundespräsident Köhler versicherte Obama in einem Glückwunschtelegramm, dass er „auf Deutschland als einen verlässlichen Partner“ zählen könne. „Eine kooperative Weltpolitik birgt die Chance, das Wohl aller zu mehren“, schreibt Köhler. Bundeskanzlerin Merkel (CDU) gratulierte Obama zu einem „historischen Wahlsieg“. „Auf der Grundlage tiefer Freundschaft und Partnerschaft wird man die Probleme, die anstehen, lösen können“, sagte Merkel mit Blick auf Finanzmarktkrise, Terrorismus, Klimaschutz und freien Welthandel. Deutschland wünsche sich ein starkes Amerika. Der SPD-Kanzlerkandidat, Außenminister Steinmeier, sagte, Amerika habe auch außenpolitisch „den Wechsel gewählt“. Er unterstützte Obamas Vorschläge zu Klimaschutz, Energiesicherheit, Abrüstung und zur Rolle der internationalen Organisationen. Der CSU-Vorsitzende Seehofer sagte, Obamas Sieg läute eine „neue Ära der transatlantischen Zusammenarbeit“ ein. Diese Hoffnungen hegt auch die Opposition. Die Grünen-Vorsitzende Roth sieht den „Neubeginn einer Freundschaft“ zwischen Europa und Amerika. Der FDP-Vorsitzende Westerwelle sprach von einer „Sternstunde der Demokratie“, der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gysi, von einem „Jahrtausend-Ereignis“.
Europäische Union
Der Präsident der Europäischen Kommission Barroso sagte, er hoffe auf einen „neuen Deal“ zwischen Amerika und der EU „zum Wohle der gesamten Welt“. Es gelte, die gegenwärtige Finanzkrise in eine neue Chance zu verwandeln. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Pöttering, lud Obama zu einem Besuch in Straßburg ein. Die Staats- und Regierungschefs der EU sollen nach tschechischen Plänen Anfang 2009 unter tschechischer Ratspräsidentschaft in Prag mit Obama zusammenkommen.
Großbritannien
London hätte jeder Machtwechsel in Washington Gelegenheit geboten, das in der Öffentlichkeit diskreditierte Verhältnis zu Amerika auf eine neue Basis zu stellen. Premierminister Brown hatte aber versehentlich schon Wochen vor der Wahl wissen lassen, dass er lieber mit Obama in die Zukunft schritte als mit McCain: Ein Artikel der Labour-Parteizeitung in Browns Namen hatte Obama überschwenglich gelobt. Nach dessen Sieg verhieß Brown, er wolle „extrem eng“ mit Obama zusammenarbeiten. Die Wortwahl verrät die Sorge Londons, es könnte auch unter Obama als „Pudel“ angesehen werden, als Schoßhund Washingtons. Brown wird versuchen, seine aus Erfahrung gespeiste Führungsstärke rasch bei gemeinsamen Auftritten mit Obama herauszustellen. Die beste Gelegenheit dazu bietet der Weltfinanzgipfel am 14. und 15 November in Washington, den zwar noch George W. Bush ausrichtet, an dem Obama aber schon teilnimmt.
Frankreich
Eine „neue europäisch-amerikanische Partnerschaft“ für Frieden, Klimaschutz und eine gerechtere Wirtschaftsordnung erwartet der französische Außenminister Kouchner. Die Zeit einer gewissen „Isolierung Amerikas“ sei beendet: „Es gibt ein neues Kräfteverhältnis, den Wunsch nach einer echten Partnerschaft mit Europa.“Präsident Sarkozy sprach in seinem Gratulationsschreiben von einer „immensen Hoffnung in der ganzen Welt“. „In einem Moment, an dem große Herausforderungen vor uns stehen, weckt Ihre Wahl in Frankreich, in Europa und in der ganzen Welt eine immense Hoffnung“, schrieb Sarkozy. Kouchner lobte das „echte Einverständnis“ zwischen Obama und Sarkozy, dem Sohn eines ungarischen Einwanderers. Sarkozy ließ sich am Mittwoch bei einem Besuch in dem Pariser Vorort Raincy als „Obama Frankreichs“ feiern. „Wir erwarten, dass Amerika und Europa, Barack Obama und Nicolas Sarkozy Hand in Hand den Wandel prägen, den die Welt nötig hat“, kommentierte die Präsidentenpartei UMP das Wahlergebnis.
Polen
In Polen sind eigentlich republikanische Präsidenten beliebt. Trotz Obamas demokratischer Parteizugehörigkeit haben aber beide dominierenden Strömungen des Landes dessen Wahl positiv aufgenommen. Der nationalkonservative Präsident Kaczynski hofft, dass sich jetzt die „strategische Partnerschaft“ zwischen Polen und Amerika weiter entwickeln werde. Für die konservativ-liberale Bürgerplattfom Ministerpräsident Tusks sagte Außenminister Sikorski, ein „erneuertes Amerika“ werde auch „erneuertes Vertrauen“ in der Welt erwerben. Sikorski wies die Vermutung zurück, dass Obama auf die im Sommer vereinbarte Stationierung amerikanischer Abwehrraketen in Polen verzichten könnte. Obama habe ihm gesagt, er werde die Stationierung unter zwei Bedingungen unterstützen: erstens, dass das Abwehrsystem technisch funktioniere, zweitens, dass es nicht gegen Russland gerichtet sei. Die zweite Bedingung habe Obama aber nach der russischen Intervention in Georgien fallen gelassen. Sikorski zeigt sich sicher, dass Obama die Abmachungen seines Vorgängers respektieren werde.
Russland
Das russische Außenministerium hofft, dass eine neue amerikanische Regierung frischen Wind in die Beziehungen bringt. Finanzminister Kudrin und der erste stellvertretende Regierungschef Schuwalow sind sicher, dass Obamas Wahl sich günstig auf die Bewältigung der Finanzkrise auswirkt. Kommunisten-Chef Sjuganow erwartet von Obama die Einsicht, dass ohne Russland keine Antwort auf viele Weltprobleme möglich sei. Ultranationalist Schrinowskij meinte, schlimmer als unter Bush könne es nicht kommen. Im Föderationsrat hofft man auf Beweglichkeit beim Raketenschild. Der Chefredakteur des unabhängigen Radiosenders Echo Moskwy, Wenediktow, bezweifelt, dass die Sympathie für Obama in der Welt der herrschenden russischen Klasse ins Konzept passt.
Lateinamerika
Venezuelas Präsident Chávez will jetzt mit den Vereinigten Staaten „neue Beziehungen“ anknüpfen. Chávez, einer der schärfsten Kritiker Bushs, fügte hinzu, er vertraue darauf, dass die „historische Wahl eines Abkömmlings von Afrikanern“ Symptom für den Wechsel zu einer Epoche sei, die im Süden Amerikas ihren Anfang genommen habe und nun vor den Toren der Vereinigten Staaten angelangt sei. Auch Brasilien erwartet eine „Entspannung“ in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Lateinamerika. Präsident Lula hofft, dass Obama im Nahen Osten eine Friedenslösung herbeiführen könne. Außerdem traut er Obama zu, die Wirtschaftsblockade gegen Kuba aufzuheben. Außenminister Amorim sagte, zwar habe Brasilien zur Bush-Regierung ein sehr gutes, von Pragmatismus und Respekt getragenes Verhältnis unterhalten, nun aber könne die Beziehung von Zuneigung getragen sein.
China
Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao sagte, er hoffe auf gute Zusammenarbeit. China und die Vereinigten Staaten teilten viele Interessen und trügen Verantwortung für das Wohlbefinden der Menschheit, heißt es in der von der Agentur Xinhua verbreiteten Grußbotschaft Hus. Auch Ministerpräsident Wen Jiabao gratulierte. Ein gutes chinesisch-amerikanisches Verhältnis sei nötig, um Frieden, Sicherheit und Wohlstand im asiatisch-pazifischen Raum und der Welt zu gewährleisten. Außenminister Qin Gang ließ mitteilen, China sei bereit, mit Washington zusammenzuarbeiten, um ein konstruktives Verhältnis zu erlangen.
Arabische Länder
Die arabische Welt und Iran begrüßen die Wahl Obamas und erwarten von ihm eine Nahostpolitik, die mehr auf Dialog setzt. Gespalten ist die Meinung im Irak. Außenminister Zebari, ein Kurde, erwartet, dass Obama nicht „über Nacht“ einen Kurswechsel vollzieht und die Soldaten vorzeitig zurückholt. Irakische Kommentatoren erinnern daran, dass der neue Vizepräsident Biden die Teilung des Iraks in drei Staaten vorgeschlagen hatte. Syriens Informationsminister Bilal sagte, er hoffe, Obama werde von einer „Politik der Kriege und Embargos zu einer Politik der Diplomatie und des Dialogs“ übergehen. Iranische Politiker hoffen, dass Obama sein Wahlkampfversprechen besserer Beziehungen zu Iran einlösen werde.
Afghanistan
Afghanistans Präsident Karzai forderte von Obama ein Ende der Luftangriffe der ausländischen Truppen auf Zivilisten. Karzai sagte, mit dem ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten beginne eine „neue Ära“. Er sagte aber auch: „Der Krieg gegen den Terrorismus darf nicht in den afghanischen Dörfern ausgetragen werden.“
Kenia
In Kenia gab es Jubelfeiern. In Kogelo, dem Heimatdorf von Obamas Vater, stimmten die Menschen Gebete und Gesänge an. Auch in Nairobi und Kisumu feierten sie auf den Straßen. Auf dem Grundstück von Obamas Halbbruder wurde ein Ochse geschlachtet. Präsident Kibaki erklärte den Donnerstag zum Feiertag.
Und in Israel?
Itzhak Levinski (mohel)
- 05.11.2008, 20:40 Uhr
Obama wird nichts ändern
Holger Sulz (H._Sulz)
- 05.11.2008, 21:40 Uhr
Überschwängliche Begeisterung
Oskar Bohnenkemper (bofarm)
- 05.11.2008, 21:53 Uhr
@ Oskar
Holger Sulz (H._Sulz)
- 05.11.2008, 23:03 Uhr
"neue Ära" :)
Hendrik Krampe (Kr4mp1)
- 06.11.2008, 00:35 Uhr