25.08.2008 · Die Rede zum Auftakt des Parteitags der Demokraten hielt Michelle Obama, deren Auftritte in der Öffentlichkeit polarisieren. Aus einfachen Verhältnissen hat sie sich nach oben gearbeitet. Barack Obama war einst ihr Praktikant.
Von Matthias Rüb, DenverAls sie sich scharfer Angriffe wegen ihres vorgeblich mangelnden Patriotismus ausgesetzt sah, kam ihr jene Frau zur Hilfe, deren halboffizielles Amt im Weißen Haus sie erben will: Laura Bush. „Zum ersten Mal in meinem erwachsenen Leben bin ich stolz auf mein Land, weil die Hoffnung zurückzukehren scheint“, hatte Michelle Obama bei einem Wahlkampfauftritt für ihren Mann Barack im Februar gesagt. Sogleich hatte sich ein von den Republikanern wohlorchestrierter Sturm der Entrüstung erhoben, weil es in den vergangenen 30 Jahren gewiss mehr Grund zum Stolz aufs Vaterland gegeben habe als nur die Tatsache, dass einem schwarzen Politiker nun der Sprung ins Weiße Haus würde gelingen können.
Daraufhin Laura Bush: Die Äußerungen Michelle Obamas seien bewusst falsch verstanden worden. Als Frau eines Präsidentschaftskandidaten und zumal eines Präsidenten müsse man lernen, gab Laura Bush ihrer potentiellen Nachfolgerin als Rat mit, dass alles, was man sage, in der Öffentlichkeit genau seziert und „in vielen Fällen missverstanden“ werde. Jedenfalls wird Michelle Obama seit dem bizarren Streit über ihre Vaterlandsliebe nicht müde zu wiederholen, wie mächtig stolz sie auf ihr Vaterland sei. Nur in einem Land wie Amerika könne man erreichen, was sie erreicht habe.
Flammende Bekenntnisse
Die am 17. Januar 1964 in der South Side in einfache Verhältnisse geborene Tochter eines Schlossers und einer Sekretärin glänzte in der Schule. Das ermöglichte ihr ein Studium an den Ostküsten-Eliteuniversitäten Princeton und Harvard, das sie mit einem Doktortitel in Jura abschloss. In einer Seminararbeit berichtete sie seinerzeit schonungslos über den verborgenen Rassismus, der sich gerade in den linken Bildungseinrichtungen festgesetzt habe: „Meine Erfahrungen in Princeton haben mir weit mehr als alle andere mein ,Schwarzsein‘ zu Bewusstsein gebracht“, heißt es in der Einleitung: „So liberal und offen einige meiner weißen Professoren und Kommilitonen auch zu sein versuchten, ich habe mich manches Mal nur wie eine Besucherin auf dem Campus gefühlt.“ Im Blick der „Weißen in Princeton“ sei sie „immer zuerst eine Schwarze und erst an zweiter Stelle eine Studentin“ gewesen.
An der subjektiven Wahrheit dieser Erfahrung gibt es nichts zu deuteln. Als politische Aussage kann sie jedoch zur Stellungnahme einer „wütenden Schwarzen“ verdreht werden. Dieses in diffamierender Absicht angeklebte Etikett versucht Michelle Obama seither loszuwerden – mit flammenden Bekenntnissen der Vaterlandsliebe.
Nach dem Studium trat sie in eine renommierte Anwaltskanzlei in Chicago ein. Dort wurde ihr ein Praktikant namens Barack Obama zugeteilt, den sie 1992 heiratete. Die Töchter Malia Ann und Sasha wurden 1998 und 2001 geboren. Heute arbeitet Michelle Obama im Management der Chicagoer Universitätsklinik und bekleidet – nach anfänglichem Zögern – den informellen Posten einer politischen und persönlichen Chefberaterin des mutmaßlichen Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei. Als ihren Hauptberuf aber begreift sie den der Mutter, und ihr Arbeitstag beginnt jeden Morgen um halb fünf.
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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