20.01.2009 · Nicht nur Amerika feiert Barack Obama. Auch in Kenia, der Heimat seines Vaters, sind die Menschen angesichts seiner Amtseinführung völlig aus dem Häuschen. Sein Lebensweg macht den von Armut gebeutelten Menschen Mut.
Von Thomas ScheenSechs Ochsen haben sie zu Ehren des neuen amerikanischen Präsidenten geschlachtet, dazu Dutzende Ziegen – und die Hühner hat keiner gezählt. Die Schule wurde zum Restaurant umfunktioniert, lokale Unternehmen steuerten Musikanlagen und die dazugehörigen Bands bei, seit Freitag vergangener Woche wird gefeiert: Kogelo, das Dorf am kenianischen Ufer des Viktoriasees, steht Kopf. Schließlich stammt der Vater von Barack Obama aus Kogelo, seine Großmutter lebt immer noch dort und deshalb heißt die Gegend neuerdings „Obama country“.
Die Handvoll amerikanischer und kanadischer Touristen, die sich am Dienstag unter die feiernden Kenianer in Kogelo gemischt hatten, lässt die Tourismusindustrie des ostafrikanischen Landes schon frohlocken. Gebeutelt von ethnischer Gewalt, Besucherschwund und schwachem Dollar, gilt Kogelo der Toursimusbranche als ein Ort, der die devisenbewehrten Ausländer in Scharen anziehen könnte. Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg: In Kogelo gibt es nämlich weder Hotel noch Restaurant, und der Devotionalienhandel beschränkt sich vorerst noch auf ein paar fliegende Händler, die T-Shirts mit Obamas Konterfei feilbieten. Eine New Yorker Reiseagentur hat den Trip nach Kogelo bereits in ihr Programm aufgenommen, ihn mangels Sehenswürdigkeiten aber auf zwei Tage beschränkt.
Der Mangel an realen Bezugspunkten zum neuen amerikanischen Präsidenten tut der landesweiten Begeisterung für den Amerikaner mit den kenianischen Wurzeln keinen Abbruch. Seit seiner Wahl Anfang November vergangenen Jahres ist im Land der Luo kaum ein neugeborenes Kind um den Taufnamen Barack beziehungsweise Michelle nach der neuen First Lady herumgekommen. Der Tag von Obamas Sieg ist nunmehr auch ein kenianischer Feiertag. Zwar warnte Ministerpräsident Raila Odinga vor überzogenen Erwartungen an den neuen Präsidenten, aber zugehört hat ihm dabei kaum einer.
Das offizielle Kenia wiederum schloss sich dem allgemeinen Trubel am Dienstag auf seine eigene Weise an. Der kenianische Außenminister Moses Wetang’ula machte sich mit großem Gefolge auf nach Washington, obwohl zur Vereidigung Obamas lediglich die Botschafter, nicht aber Vertreter ausländischer Regierungen eingeladen sind. Der für seine Renitenz bekannte ehemalige stellvertretende Tourismusminister Kalembe Ndile griff daraufhin in die eigene Tasche und kaufte dem Außenminister einen nagelneuen Fernseher, auf dass er sich die Feierlichkeiten auf diesem Gerät statt dem eines Washingtoner Hotels anschaue und damit Steuergelder spare. Die Annahme des Geschenks wurde verweigert.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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