10.01.2008 · Die Lehre der Vorwahl in New Hampshire, bei der ein paar Tränen der kühl-berechnenden Hillary Clinton den Sympathie-Ausschlag gegeben haben könnten, lautet: Der Zweikampf mit Obama ist noch lange nicht entschieden. Bei den Republikanern liegt der Querkopf McCain gut im Rennen - gegen Clinton hätte er durchaus Chancen.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerWahlen sind eben Wahlen, und Wähler sind nicht die gehorsamen Ausführungsorgane von Meinungsumfragen und den als Gewissheiten verkauften Mutmaßungen sogenannter Experten. Deswegen wird Barack Obama nicht so einfach erst zur Kandidatenkür der Demokratischen Partei und dann ins Weiße Haus segeln, wie er und die veröffentlichte Meinung sich das nach dem Auftakterfolg von Iowa champagnerlaunig so gedacht hatten.
Bei der Vorwahl in New Hampshire landete nämlich zur allgemeinen Überraschung die Senatorin Clinton, dank der Stimmen vieler Frauen und älterer Wähler, auf dem ersten Platz – und schon erstrahlt ihre Kampagne in neuem Glanz. Die „Comeback“-Metapher, die sich vor genau 16 Jahren an demselben Schauplatz ihr Mann zueigen gemacht hatte – der weitere Gang der Dinge ist bekannt –, wird zum neuen Standardrefrain der Favoritin der Parteiführung.
Von wegen jugendlicher Wechselenthusiasmus
Die Lehre dieser neuenglischen Vorwahl, bei der ein paar Tränen der kühl-berechnenden und so ehrgeizigen Hillary Clinton den Sympathie-Ausschlag gegeben haben könnten, lautet: Nichts ist entschieden, die Vorwahldynamik ändert sich von Etappe zu Etappe, sie lässt sich nicht in die eine oder andere Richtung interpretierend zwingen. Der Zweikampf mit Obama ist noch lange nicht entschieden.
Nicht anders sieht es bei den Republikanern aus. In New Hampshire gewann der Senator John McCain und damit nicht nur der Älteste der republikanischen Bewerber – von wegen jugendlicher Wechselenthusiasmus –, sondern auch derjenige, dessen Kampagne zwischenzeitlich vor dem Kollaps stand und der unermüdlich für eine substantielle Verstärkung der amerikanischen Truppen im Irak geworben hat. Was ansonsten als unpopuläre, wenn nicht gar politisch selbstmörderische Position gilt, hat ihm eine relative Mehrheit der Wähler im Nordosten Amerikas nicht übel genommen.
Im Gegenteil. McCain, der wegen seiner Querköpfigkeit und seiner Unabhängigkeit nicht der Liebling des Partei-Establishments ist, liegt jedenfalls gut im Rennen, während es dem Sieger von Iowa, Mike Huckabee, nicht gelungen ist, seine Wählerbasis über evangelikale Christen hinaus auszuweiten. Für den ausgabenfreudigen ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, sprang abermals nicht mehr als „Silber“ heraus.
Gegen Clinton hätte er durchaus Chancen
Rudy Giuliani landete gar unter ferner liefen; aber für den wird es erst am 29. Januar in Florida wirklich ernst. Schneidet er dort, wo viele ältere Wähler aus New York ihren Lebensabend verbringen, gut ab, wird die Vorentscheidung bei den Republikanern noch lange auf sich warten lassen.
Was die demokratischen Wähler zu wollen scheinen ist „Wechsel“, die Republikaner erwarten Führungsstärke und persönliche Integrität von demjenigen, den sie auf den Schild heben sollen. Was beide Seiten vielfach eint ist eine große Unzufriedenheit mit der Regierung Bush. Aber die ist bald Geschichte.
Ein Bush-Mann ist McCain nicht. Könnte er gegen Obama oder Frau Clinton gewinnen? Gegen die Frau des ehemaligen Präsidenten hätte er durchaus Chancen, weil sie polarisiert und weil sie mobilisiert – nicht zuletzt die republikanische Wählerbasis, die ansonsten von ihren Möchtegernpräsidenten, alles in allem, nicht gerade begeistert sind.
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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