04.01.2008 · Barack Obama hat einen ersten Sieg im Kampf um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten errungen. Bei den Vorwahlen in Iowa verwies er John Edwards auf den zweiten Platz, Hillary Clinton wurde Dritte. Bei den Republikanern setzte sich Mike Huckabee klar gegen Mitt Romney durch. Zwei Kandidaten haben schon das Handtuch geworfen.
Bei den Vorwahlen im amerikanischen Bundesstaat Iowa haben sich die Wähler mit unerwarteter Deutlichkeit für Vertreter eines politischen Neuanfangs entschieden. Sie wählten zudem die jüngsten Kandidaten beider Parteien. Bei den Demokraten gewann der 45 Jahre alte demokratische Senator aus Illinois, Barack Obama. Bei den Republikanern siegte der 52 Jahre alte frühere Gouverneur von Arkansas und einstige Baptistenprediger Mike Huckabee. Als größte Überraschung gilt der enttäuschende dritte Rang der New Yorker Senatorin und früheren „First Lady“ Hillary Clinton. Sie lag sogar knapp hinter dem ehemaligen Senator von North Carolina John Edwards.
Laut offiziellem Endergebnis kam Obama auf 37,58 Prozent der Stimmen, Edwards auf 29,75 Prozent und Clinton auf 29,47 Prozent. Bei den Republikanern setzte sich Huckabee mit etwa 34 zu 25 Prozent gegen seinen Mitbewerber Mitt Romney durch. Das offizielle Endergebnis für die Republikaner steht noch aus. Obama und Huckabee werteten ihre Siege als klares Votum der Wähler für einen politischen Wandel nach acht Jahren Präsidentschaft von George W. Bush.
Obama: Der Wechsel kommt
In Des Moines sagte Obama zu Tausenden Anhängern: „Von hier geht die Botschaft aus, dass der Wechsel in unser Land kommt.“ Seine eigene Biografie zeige das Potential für einen Wandel der Vereinigten Staaten: „Der Vater Kenianer, die Mutter aus Kansas: Eine solche Geschichte ist nur in Amerika möglich.“
„Sie haben gesagt, dass dieser Tag niemals kommen würde“, sagte Obama. „Sie haben gesagt, dass dieses Land zu zerstritten ist, zu desillusioniert, um jemals zu einem gemeinsamen Ziel zusammenzufinden.“ Aber die Wähler in Iowa hätten es den Zynikern gezeigt.
Rückschlag für Hillary Clinton
Frau Clinton gab sich trotz ihrer Wahlniederlage kämpferisch und kündigte eine harte Auseinandersetzung in den kommenden Vorwahlen an: „Ich bin bereit für diesen Wettstreit“, sagte sie in Des Moines. „Ich bin bereit zu führen.“ Die frühere First Lady Clinton gratulierte Obama und Edwards und sprach von einer „großartigen Nacht für die Demokraten“. Die hohe Wahlbeteiligung deute auf einen Sieg des demokratischen Kandidaten bei der Präsidentenwahl hin.
Für Frau Clintons Ambitionen auf eine Rückkehr ins Weiße Haus bedeutet das klare Wahlergebnis einen Rückschlag. Allerdings lag sie in landesweiten Umfragen noch immer vorn. Vor allem ihr Zweikampf mit Obama um die demokratische Spitzenkandidatur für die Präsidentenwahl am 4. November hatte den Wahlkampf in Iowa monatelang bestimmt. Beide investierten hohe Summen in den Wahlkampf in Iowa. Clinton hatte ihre langjährige politische Erfahrung herausgestrichen, Obama präsentierte sich dagegen als Garanten für einen politischen Neuanfang.
Huckabee: Ein neuer Tag für Amerika
Der Republikaner Huckabee rief nach Bekanntgabe seines Sieges seinen Unterstützern zu: „Das, was wir heute gesehen haben, ist ein neuer Tag für die amerikanische Politik.“ Sein Sieg zeige den Wunsch nach Veränderung. „Es startet hier in Iowa, aber es endet hier nicht, sondern nimmt seinen Weg durch alle anderen Bundesstaaten und endet in 1600 Pennsylvania Avenue“ - das ist die Adresse des Weißen Hauses. Der frühere Baptistenprediger Huckabee hatte sich im Wahlkampf als Außenseiter präsentiert, der das Washingtoner Establishment herausfordert.
„Ich hoffe, wir werden heute Abend für immer die Art und Weise verändern, wie Amerikaner ihr politisches System sehen und wie wir Präsidenten wählen“, sagte Huckabee. „Menschen sind wirklich wichtiger als der Geldbeutel.“ Sein Konkurrent Romney hatte wesentlich mehr Geld und Zeit in den Wahlkampf in Iowa investiert. Während Romney rund sieben Millionen Dollar für Werbespots ausgab, wendete Huckabee nur rund 1,4 Millionen Dollar auf.
„Als Präsident werde ich nicht zur herrschenden Klasse gehören, sondern zur dienenden Klasse“, rief Huckabee in den Jubel seiner Anhänger hinein. „Was heute in Iowa geschah, wird ein Präriefeuer der Hoffnung entfachen.“
Die ersten Kandidaten geben auf
Noch vor wenigen Wochen war Huckabee den Wählern in den Vereinigten Staaten nahezu unbekannt. Der Baptistenprediger ist 52 Jahre alt und regierte früher als Gouverneur den Bundesstaat Arkansas. Erst im Wahlkampfendspurt hatte er in den Umfragen zugelegt und seinen Konkurrenten Romney überholt, der in den Umfragen lange Zeit klar führte.
Romney sagte dem Sender Fox News: „Ich werde weiter kämpfen, und ich werde nominiert werden.“ Auch der frühere Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, der nur den sechsten Platz erreichte, will weitermachen. Bei den Demokraten gaben dagegen die Senatoren Joseph Biden (Delaware) und Christopher Dodd (Connecticut) bekannt, sich aus dem Wahlkampf zurückzuziehen. Sie hatten jeweils nur knapp ein Prozent der Delegiertenstimmen erhalten.
Deutlich höhere Wahlbeteiligung
Iowa war der erste amerikanische Bundesstaat, in dem Wähler über die Nominierungen ihrer Partei für den Präsidentenwahlkampf entscheiden konnten. Laut Schätzungen beteiligten sich an der Vorwahl der Demokraten trotz klirrender Kälte etwa 220.000 Menschen, deutlich mehr als die 124.000 beim vergangenen Mal. Bei den Republikanern lag die Zahl der Wähler bei schätzungsweise 114.000 gegenüber knapp 88.000 vor vier Jahren.
Nun blickt Amerika nach New Hampshire, wo am Dienstag die nächsten Vorwahlen abgehalten werden. Während bei den Demokraten Obama auch in New Hampshire in den jüngsten Umfragen auf dem ersten oder zweiten Rang liegt, dürfte es der Republikaner Huckabee schwerer haben, seinen Sieg von Iowa dort zu wiederholen. Für Hillary Clinton wird nach der ersten Niederlage ein Sieg in New Hampshire, wo sie viele Wochen lang als Favoritin galt, fast schon zur Pflicht.
In New Hampshire hat Huckabee es schwerer
Bei den Republikanern hat der Zweitplazierte Romney in New Hampshire gute Aussichten, weil er als Gouverneur des Nachbarstaates Massachusetts recht bekannt ist. Zudem haben die konservativen evangelikalen Christen, die Huckabees Wahlsieg in Iowa wesentlich ermöglicht haben, in New Hampshire kein so großes politisches Gewicht.
Für Giuliani könnte sich die Entscheidung, Iowa faktisch auszulassen und sich stattdessen auf den Wahlkampf in New Hampshire und vor allem in Florida zu konzentrieren, als äußerst riskantes Spiel erweisen. Die Entscheidung über die Spitzenkandidaten für die Präsidentenwahl im November dürfte spätestens am 5. Februar fallen, wenn in mehr als 20 Bundesstaaten Vorwahlen abgehalten werden.