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Demokratischer Parteitag Die Clintons sind sehr verstimmt

25.08.2008 ·  In Denver versammeln sich die amerikanischen Demokraten zum Nominierungsparteitag für Barack Obama. Dessen Anhänger bangen, denn Hillary-Fans wollen ihm im November die Stimme verweigern. Und die Clintons liegen mit Obama im Clinch.

Von Matthias Rüb, Denver
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Wird es das große Liebesfest, die berauschende Vereinigungsfeier einer vom bitteren Vorwahlkampf ramponierten Partei? Wird die allenthalben so genannte Krönungszeremonie für den Präsidentschaftskandidaten Barack Obama unter freiem Himmel im Football-Stadion die Demokraten schließlich zum Sieg im Kampf ums Weiße Haus am 4. November und zu einem neuen Triumph bei den Kongresswahlen am gleichen Tag tragen? Oder sind die Narben der Anhänger der innerparteilichen Wahlkampf knapp unterlegenen Senatorin Hillary Clinton noch so frisch, dass sie auch mit Unmengen von Konfetti und Luftballons nicht übertüncht werden können?

Zum Auftakt des viertägigen Parteitages in der Hauptstadt des Bundesstaates Colorado war am Montag die Bangigkeit unter den 6000 Delegierten und Funktionären sowie auch bei manchem der angereisten Anhänger der Demokraten zu spüren. Eine von der Tageszeitung „USA Today“ in Auftrag gegebene Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup kam zu dem Ergebnis, dass nur 47 Prozent der Unterstützter der New Yorker Senatorin entschlossen sind, am 4. November für Barack Obama zu stimmen. 23 Prozent gaben an, sie unterstützten ihn zwar bisher, könnten sich bis zum Wahltag aber anders entscheiden.

„Hillaristas“ für McCain?

Es schien sich sogar eine wachsende Zuwendung enttäuschter „Hillaristas“ zum Republikaner John McCain abzuzeichnen. So wollte der Nachrichtensender CNN ermittelt haben, dass 27 Prozent der Wähler Frau Clintons lieber McCain als Obama wählen würden. Unmittelbar nach der Entscheidung im Vorwahlkampf zugunsten Obamas Anfang Juni hatten das nur etwa halb so viele zugegeben.

Mehr als 4000 Delegierte der Demokraten sind in Denver im amerikanischen Bundesstaat Colorado zusammengekommen. Dort wollen sie auf ihrem Wahlparteitag Siegeszuversicht und Einigkeit mit ihrem Spitzenkandidaten Barack Obama demonstrieren.

Das Wahlkampfteam Obamas hat dessen schärfste Konkurrentin als Kandidatin für das Vizepräsidentenamt offenbar nicht einmal in Erwägung gezogen: Niemand bat Frau Clinton und ihre Mitarbeiter, die einschlägigen Unterlagen einzureichen, damit diese von Obamas Team zur Auswahl eines „running mate“ geprüft werden könnten, wie am Wochenende bekannt wurde. Hätten Obama und seine Leute Frau Clinton nicht wenigstens zum Schein und in einem Akt der Ritterlichkeit in den weiteren Kreis der Favoriten einladen sollen, fragten sich manche am Montag in Denver. Schließlich errang Hillary Clinton bei den Vorwahlen – was sie nicht müde wird zu wiederholen – 18 Millionen Stimmen – und zwar gerade unter jenen männlichen weißen Wählern der Mittelklasse sowie der älteren Generation, die der Demokratischen Partei, sollte diese wieder einmal zu weit nach links driften, keineswegs verschrieben sind.

Was hat Biden, was Hillary nicht hat?

Mit der Wahl von Senator Joseph Biden aus Delaware, der in Scranton in Pennsylvania als Sohn eines Autoverkäufers geboren wurde und in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist, sollte auch Obamas fehlender Anklang bei dieser wichtigen Wählerschicht ausgeglichen werden. Aber warum dann, so fragen nicht nur die Anhänger Clintons, einen Kandidaten auswählen, der sich selbst ebenfalls um das Präsidentenamt beworben hatte, bei den Vorwahlen mit gerade einmal 9000 Stimmen aber kläglich abschnitt und früh ausschied? Was bringt Biden, so wird weiter gefragt, was Hillary Clinton nicht hätte bringen können?

Ob die Geste des guten Willens für Hillary Clinton, zu der sich Obama und die Parteiführung denn doch noch entschlossen, den erwünschten Effekt einer Demonstration der Einheit haben wird, muss sich erweisen. Obschon sie ihre Kandidatur offiziell zurückgezogen hat, wird der Name Hillary Clintons auf den Stimmzettel für den Nominierungsparteitag neben jenem Barack Obamas stehen. Im Gegenzug wird Frau Clinton bei ihrer Rede am Dienstag Obama in den höchsten Tönen loben und tags darauf ihre Delegierten vom imperativem Mandat der Wähler befreien und sie zur Stimmabgabe für Barack Obama auffordern.

Zwar glaubt niemand, dass es zum großen Umschwung der in ihrem Stimmverhalten beim Parteitag nicht an ein Wählervotum gebundenen Superdelegierten kommt und dass Frau Clinton tatsächlich noch die Nominierung gewinnen könnte. Es könnten sich aber so viele Delegierte der Regieanweisung ihrer Heldin und der Parteiführung widersetzen und dennoch für Frau Clinton stimmen, dass dies dann als Schwäche Obamas gedeutet werden könnte.

Schatten des Zweifels

Auch über dem Auftritt und der Rede Bill Clintons liegen Schatten des Zweifels. Der frühere Präsident wird am Mittwoch reden, wenn das Thema des Tages die nationale Sicherheit sein wird und nicht wie am Dienstag die Wirtschaft. Dabei ist Bill Clinton der schlüssigen Ansicht, er könne eingedenk der beispiellosen Prosperität während seiner Amtsjahre von Anfang 1993 bis Januar 2001 mehr zum mit Abstand wichtigsten Wahlkampfthema des Jahres 2008 sagen als zur Frage der nationalen Sicherheit, die angesichts der Immobilienkrise, der hohen Benzinpreise und der Inflationsangst in der Hintergrund getreten ist. Es ist von einer deutlichen Verstimmung zwischen den Clintons und den Leuten Obamas die Rede.

Derweil sind auch John McCain und sein Team während des Parteitages der Konkurrenz nicht tatenlos. Den zweiten Tag in Folge hat der Wahlkampfstab McCains einen Wahlwerbespot im Fernsehen geschaltet, in welchem sich Joe Biden und Hillary Clinton abfällig über die Führungsfähigkeiten Obamas äußern. „Weil die Wahrheit schmerzt“, so heißt es, sei Hillary Clinton bei der Auswahl eines „running mate“ übergangen worden.

Doch die Regie tat ihr bestes, um derlei Rangeleien am ersten Tag der „Convetion“ vergessen zu machen und den Parteitag zum freudigen Familienfest werden zu lassen. Die Hauptrede sollte Barack Obamas Frau Michelle halten, dazu sollten dessen Schwager Craig Robinson, die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, die Senatorin aus Missouri Claire McCaskill und Denvers Bürgermeister John Hickenlooper das Wort ergreifen. Das Tagesthema zum Auftakt lautete „One Nation“ und sollte die Einheit der Nation über alle weltanschaulichen Grenzen und kleingeistigen Streits hinweg betonen.

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