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Cindy McCain Lächeln, winken und bewundern

27.04.2008 ·  Ihr Ehemann John will Präsident werden - und Cindy McCain setzt alles daran, um sich für die Rolle der First Lady zu empfehlen. Das macht sie nicht schlecht. Selbst Konservative geraten ins Schwärmen und halten sie für die Idealbesetzung.

Von Katja Gelinsky
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Die Romanze begann mit einer Flunkerei - auf beiden Seiten. Die 24 Jahre junge Cindy Lou Hensley machte sich vier Jahre älter. Der 42 Jahre alte John McCain gab vor, vier Jahre jünger zu sein. Erst im folgenden Jahr, als die Geburtsdaten im Antrag für die Heiratslizenz vermerkt werden mussten, bemerkte das Paar, was es ja insgeheim schon geahnt haben musste: Dass der Altersunterschied in Wahrheit noch einige Jahre größer ist.

Aber es habe „gleich gefunkt“, beteuert Cindy McCain, als sie die Bekanntschaft dieses „schrecklich gut aussehenden“ Marineoffiziers in seiner weißen Uniform machen durfte. Vor 29 Jahren war das, auf einer Cocktailparty in Honolulu auf Hawaii, wo Cindy mit ihren Eltern die Ferien verbrachte und John McCain eine Delegation aus Washington begleitete. Um den Tisch mit den Hors d'oeuvres herum habe der hartnäckige Verehrer sie verfolgt.

Fast dreißig Jahre später ist sie mit John McCain gemeinsam auf der Jagd. Und auch mit 53 Jahren zieht Cindy McCain noch die Blicke auf sich. So elegant wie die Millionärin, die von ihrem Vater einen Biergroßhandel geerbt hat, tritt niemand bei Wahlkampfpartys auf. Stets ist sie aufs sorgfältigste geschminkt. Die perfekt blondierten Haare sind kunstvoll hochgesteckt, damit das vierreihige Perlencollier seine Wirkung entfaltet. Erlesen ist auch die Kleidung: teure Hosenanzüge, die ihre elfenhafte Figur gut zur Geltung bringen.

Von Stil, Anmut und Eleganz im Weißen Haus

Cindy McCain sei die Idealbesetzung für die Rolle der First Lady, schwärmen selbst Konservative, denen der eigenwillige Republikaner McCain ein Dorn im Auge ist. Seine Kandidatur unterstützt die Gattin auf klassisch-devote Weise: Sie hält sich im Hintergrund, lächelt, winkt und wirft ihrem John bewundernde Blicke zu, wenn der Senator aus Arizona darüber spricht, wie er als amerikanischer Präsident den Krieg im Irak, die Hypothekenkrise und die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft zu meistern gedenkt.

Cindy McCain, die in ihrem Heimatstaat Arizona so verwurzelt ist wie First Lady Laura Bush in Texas, sehnt sich nicht danach, ins Weiße Haus einzuziehen. Als John McCain ihr eröffnete, dass er sich nach der gescheiterten Kampagne 2000 abermals um das Präsidentenamt bewerben wolle, dachte sie: „Himmel, nein.“ Aber der Senator blieb hartnäckig: „Ich denke, du würdest Stil, Anmut und Eleganz zurück ins Weiße Haus bringen“, schmeichelte er seiner Frau. Sie war entzückt. „Ganz reizend“ seien diese Überredungskünste gewesen. Dass „Johnny-Boy“ ihr damit die traditionelle First-Lady-Rolle zuwies, der Präsidentschaft Glanz zu verleihen, sich für sozial Benachteiligte einzusetzen und sich im Übrigen aus der Politik rauszuhalten, störte die Philanthropin, die mehrere Wohltätigkeitsorganisationen unterstützt, nicht im Geringsten.

Ohne Cindy keinen politischen John McCain?

Von Anfang an hat sie klargestellt, dass politische Teilhabe, wie First Lady Hillary Clinton sie durchsetzen wollte, für sie nicht in Frage komme. Denn die Bürger wollten keine First Lady, „die mit am Kabinettstisch sitzt oder sich für gesetzgeberische Vorgaben engagiert“. „Ich denke, Amerika will wirklich noch immer eine traditionelle Familie im Weißen Haus.“ Cindy McCain ließ sich denn auch durch ihren Mutterinstinkt verleiten, doch noch der Präsidentschaftskandidatur zuzustimmen. Denn die Söhne John IV und James sind nach alter Familientradition beim Militär.

Der Jüngere, Jimmy genannt, gehört zu den wenigen Senatorensprösslingen, die im Irak gedient haben. Aus Sorge um ihre Jungs und die anderen amerikanischen Soldaten habe sie ihren Mann, diesen „wahren Patrioten“, der für „Pflicht, Ehre und Vaterland“ lebe, in den Kampf um den Posten des Oberbefehlshabers ziehen lassen, berichtet die Mutter von vier Kindern bei Wahlveranstaltungen. Besser kann den kriegsmüden Amerikanern kaum jemand vermitteln, warum sie am 8. November für den Vietnam-Veteranen stimmen sollen.

Wer weiß, ob McCain ohne seine Frau und deren Familie überhaupt einer der prominentesten Politiker in Washington geworden wäre? Denn die vermögenden und angesehenen Hensleys verhalfen dem Offizier, dessen militärische Karriere ins Stocken geraten war, mit großzügiger finanzieller Unterstützung zum Einstieg in die Politik. Schwiegervater Jim Hensley hatte es mit dem Aufbau eines Biervertriebes in Phoenix zu Wohlstand gebracht. Cindy Lou, das einzige Kind, war sein Augenstern. Wohlbehütet verbrachte sie Kindheit und Jugend. Mit 14 wurde sie zur Rodeo-Queen gekürt, in der High School zur am besten angezogenen Schülerin ihres Jahrgangs gewählt. Die hübsche Cindy verhielt sich stets mustergültig. Selbst beim Müllsammeln im Park war sie mit Eifer dabei. „Sie verinnerlichte alles, was gut ist an Amerika“, lobt eine frühere Lehrerin. Cindy studierte Pädagogik und unterrichtete anschließend behinderte Kinder.

„Daddy dient seinem Land. Wir müssen ihn unterstützen“

Als John McCain die junge Lehrerin in Honolulu kennenlernte, war er verheiratet und Vater von drei Kindern. Schockiert verfolgten seine Familie und Freunde, wie der Vietnam-Veteran seine Frau Carol verließ, die immer noch unter den Folgen eines Autounfalls litt. Doch Schmerz und die Empörung über den untreuen Ehemann und Vater sind verflogen. Carol McCain und die Kinder aus erster Ehe unterstützen die Präsidentschaftskandidatur enthusiastisch. Und der zurückhaltenden Cindy hatte ohnehin niemand Vorwürfe gemacht.

Nach der Heirat widmete sich John McCain seiner politischen Karriere in Washington, während seine Frau in Phoenix mit Hilfe ihrer Eltern die Kinder großzog. „Daddy dient seinem Land. Wir müssen ihn unterstützen“, mahnte sie ihre Sprösslinge. Bei der Heimkehr am Wochenende sollte der Senator nur fröhliche Gesichter sehen. Das wurde jedoch zunehmend schwieriger, vor allem, als Cindy McCain gesundheitliche Probleme zu schaffen machten. Nach zwei Rückenoperationen begann sie Ende der achtziger Jahre Schmerzmittel zu nehmen. Bald genügten die Rezepte nicht mehr, und Cindy McCain stahl Medikamente aus den Beständen einer von ihr gegründeten Hilfsorganisation. Drei Jahre betäubte sie Schmerz und Stress, ohne dass John McCain etwas merkte. Der Mutter fiel schließlich auf, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmte.

Die dunkelste Zeit

„Ich versuchte, die perfekte Gattin zu sein“, sagte Cindy McCain, die in politischen Blogs zuweilen als „Roboter-Frau“ und „Super-Barbie“ verhöhnt wird, später zu dem Skandal. „Das war die dunkelste Zeit meines Lebens.“ Obwohl sie sich schon 1994 öffentlich zu ihrer Sucht bekannt und erfolgreich eine Therapie absolviert hatte, kam das Thema wieder hoch, als John McCain sich 2000 das erste Mal um das Präsidentenamt bewarb. Schlimmer noch: In einer üblen Schmutzkampagne wurde das Gerücht gestreut, dass Bridget, die Adoptivtochter der McCains, ein uneheliches Kind des Senators sei.

Dabei war es doch Mutter Teresa persönlich gewesen, die Cindy McCain bei deren Besuch in Bangladesh gebeten hatte, zwei verwaiste Säuglinge mit schweren Fehlbildungen in den Vereinigten Staaten operieren zu lassen. Das eine Kind war die mittlerweile 16 Jahre alte Bridget, die mit einer Lippen-Gaumenspalte geboren worden war. Auf dem Flug zurück nach Hause, so erzählt die Philanthropin jetzt im Wahlkampf, habe sie gemerkt, dass sie sich nicht mehr von dem kleinen Mädchen trennen könne. „Das habe ich mir schon gedacht“, habe ihr verständnisvoller Mann am Flughafen gesagt.

„Farfallegate“ und andere Anekdoten

Aber es gibt auch Anekdoten, die Cindy McCain am liebsten schnell vergessen würde. Zum Beispiel die Geschichte mit den Kochrezepten. Raffinierte Gerichte wie Thunfisch mit Kraut und Passionsfruchtmousse waren auf der Internetseite der McCain-Kampagne als „Cindys Rezepte“ empfohlen worden. Tatsächlich stammten sie aus dem Repertoire eines Kochsenders. Im Fernsehen bemühte sich Frau McCain um Heiterkeit. Die Praktikantin, die für „Farfallegate“ verantwortlich sei, habe man zur Strafe in das Bootcamp eines Herstellers von Backmischungen geschickt.

Auch als die „New York Times“ im Februar über eine angebliche Affäre John McCains mit einer Lobbyistin schrieb, wählte die im Grunde scheue Politikerfrau, die im Wahlkampf 2000 noch vor Reportern davongelaufen war, die Flucht nach vorn. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem Mann wies sie die Anschuldigungen zurück.

„Entweder er schafft es aus eigener Kraft, oder er wird's nicht“

Cindy McCain funktioniert perfekt als Rad der Wahlkampfmaschinerie. Leicht wird dabei übersehen, dass sie nicht nur devote Gattin, sondern auch erfolgreiche Unternehmerin ist - als Vorstandschefin des Biergroßhandels „Hensley & Company“ mit 700 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 300 Millionen Dollar. Um das Tagesgeschäft kümmern sich andere, aber Cindy McCain fällt die strategisch wichtigen Entscheidungen.

Da tauchte unweigerlich die Frage auf, ob nicht die reiche Ehefrau, zu deren Vermögen auch ein Privatflugzeug und Immobilien gehören, mit ein paar Millionen Dollar aushelfen könne, als John McCains Kampagne im Sommer kurz vor dem finanziellen Kollaps stand. Aber das kam für die Unternehmerin nicht in Frage. „Entweder er schafft es aus eigener Kraft, oder er wird's nicht.“ Also weigere sie sich, Geld für John McCain zu investieren?, bohrte eine Journalistin nach. Darauf Cindy McCain amüsiert: „Ich habe fast dreißig Jahre meines Lebens in diesen Mann investiert.“

Das All American Girl

Geboren wurde Cindy Lou Hensley McCain 1954 in Arizona. Als Tochter einer wohlhabenden Familie, der einer der größten Bierverlage der Vereinigten Staaten gehört, wuchs sie behütet auf. Nach dem Studium der Erziehungswissenschaften arbeitete sie als Lehrerin an einer Schule für Behinderte. Den 18 Jahre älteren Offizier und späteren Politiker John McCain heiratete sie 1980. Das Paar hat drei leibliche Kinder und eine aus Bangladesch stammende adoptierte Tochter. In die Schlagzeilen geriet Mrs. McCain, als Anfang der neunziger Jahre bekannt wurde, dass sie ihre Tablettensucht aus Beständen ihrer Hilfsorganisation AVMT bediente - „ihre dunkelste Zeit“, wie sie heute sagt. Seit 2000 leitet sie das vom Vater ererbte Unternehmen. Im Weißen Haus, so hebt sie im Wahlkampf hervor, wolle Amerika „eine traditionelle Familie“ sehen.

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