09.01.2008 · Ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit will Bush mit seinen Besuchen in Jerusalem und in Ramallah Geschichte schreiben. Gleichwohl blickt er im Nahen Osten mit Wehmut auf den Vorwahlkampf in der Heimat. Denn auch Bush erlebte einst in Iowa und New Hampshire seine Feuertaufen. Matthias Rüb begleitet den amerikanischen Präsidenten.
Von Matthias Rüb, JerusalemEs ist vielleicht die wichtigste, in jedem Fall aber die bedeutungsvollste Reise von Präsident George W. Bush in seiner Amtszeit. Erstmals reist er ins Heilige Land, seit er vor fast sieben Jahren auf den Stufen des Capitols in Washington seinen Amtseid ablegte. Nach den historischen Besuchen in Jerusalem und in Ramallah im palästinensischen Westjordanland am Mittwoch und am Donnerstag stehen an den Tagen darauf die ebenfalls epochalen Staatsbesuche in Kuweit, in Bahrein und zumal in Saudi-Arabien an: Denn auch diesen Verbündeten, die in der arabischen Welt eine Schlüsselposition einnehmen, hat der mächtigste Mann der Welt noch nicht die Ehre eines Besuches erwiesen.
Die Befreiung Kuweits von Saddam Husseins Truppen im Jahre 1991 war die bedeutendste Leistung von Bushs Vater im Nahen Osten. Damals war Saudi-Arabien das wesentliche Aufmarschgebiet für die „Operation Wüstensturm“ zur Befreiung des kleinen Emirats am Golf. Später diente die fortgesetzte Stationierung amerikanischer Truppen im Land der muslimischen Heiligtümer Mekka und Medina, der Geburts- und der Grabesstätte des Propheten, als wesentlicher Vorwand für Islamisten zu terroristischen Angriffen gegen die „modernen Kreuzfahrer“ und ihre Vasallen. Inzwischen haben die Amerikaner ihre Truppen aus Saudi-Arabien abgezogen, dafür wäre ohne die Hilfe Kuweits und Bahreins heute die Fortsetzung der Besatzung und Befriedung des Iraks nicht möglich.
Mediale Klassengesellschaft
Obwohl also der Besuch in Israel und bei den Palästinensern sowie bei fünf entscheidenden Verbündeten in der arabischen Welt - in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Ägypten ist Bush schon gewesen - geradezu vollgestopft ist von Geschichte, ist der „Press Charter“ gerade nicht vollgestopft von mitreisenden Berichterstattern über die historischen Ereignisse.
Im Gegenteil, es sitzen so wenige Reporter, Fotografen und Kamerateams wie seit langem nicht in dem gecharterten Boeing 747 „Jumbo“ der Fluggesellschaft „United Airlines“. Der ist mit 18 Stunden Vorsprung vor dem Präsidentenflugzeug „Air Force One“ von der „Andrews Airforce Base“ östlich von Washington nach Tel Aviv abgeflogen, denn wenn die amerikanischen Fernsehteams - und sie stellen mit Abstand die meisten Passagiere des Presseflugzeugs - den Präsidenten bei der Begrüßung auf dem Ben-Gurion-Flughafen filmen wollen, müssen sie selbstredend schon vorher da sein.
An Bord gilt übrigens eine strenge Sitzordnung, es gibt keine freie Patzwahl. Die Korrespondenten der amerikanischen Fernseh- und auch Radiosender sowie der Nachrichtenagenturen, die regelmäßig aus dem Weißen Haus berichten, sitzen in der „First Class“ im Oberdeck. Die amerikanischen Tageszeitungen sowie die Vertreter ausländischer Medien - darunter auch der Amerika-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung - belegen die „Business Class“. „Economy“ reisen die Kameraleute, Toningenieure und sonstigen technischen Mitarbeiter der Fernsehsender, dazu fast zwei Dutzend Mitarbeiter des „Secret Service“, Stenographen und sonstige Mitarbeiter des Weißen Hauses. Freilich reist man auch in „Economy“ im „Press Charter“ auf dem neuneinhalbstündigen Flug recht bequem, denn jedem Passagier stehen drei bis vier Sitze zur Verfügung, auf denen man sich gut ausstrecken kann.
Wehmütiger Blick nach New Hampshire
Natürlich ist der amerikanische Vorwahlkampf - zumal die Abstimmung in New Hampshire vom Dienstag - der Grund, dass den Präsidenten diesmal weniger Reporter begleiten als üblich: Die „lahme Ente“ im Weißen Haus ist im letzten Amtsjahr weniger wichtig als diejenigen, die sich mit heftigen Flügelschlägen um deren Nachfolge bewerben.
In einem Gespräch mit der Starmoderatorin Yonit Levi des israelischen Fernsehsenders „Channel 2 News“ gab Bush in Washington wenige Tage vor seinem Aufbruch zu, dass er das Getümmel in Iowa und New Hampshire mit großem Interesse und auch mit einer gewissen Wehmut verfolge. Schließlich habe er die Feuertaufe von Iowa und New Hampshire drei Mal selbst durchlebt: 1980 als Wahlkampfhelfer seines Vaters, als der den republikanischen „Caucus“ von Iowa gegen Ronald Reagan gewann, aber später in den entscheidenden Vorwahlen gegen den künftigen 40. Präsidenten unterliegen sollte; 1988, als Bush Vater, abermals von seinem Sohn als Wahlkampfhelfer unterstützt, in Iowa nur Dritter wurde, später aber die Nominierung doch noch gewann und zum 41. Präsidenten gewählt wurde; und schließlich im Jahr 2000, als George W. Bush selbst Kandidat war, in Iowa gewann, in New Hampshire dann verlor - und zwar gegen keinen anderen als John McCain -, sich aber wieder fing und schließlich die Nominierung und in der denkwürdigen Wahl gegen Al Gore das Rennen um das Weiße Haus gewann und selbst der 43. amerikanisch Präsident wurde.
„Schwierige Entscheidungen über Krieg und Frieden“
Die Vorwahlen seien aus mindestens zwei Gründen „ein wichtiger Prozess für amerikanische Politiker“, sagte Bush: Erstens könnten die Wähler sehen, wie die Kandidaten „unter Stress handeln“. Und zweitens, was ebenso wichtig sei, würden sich die Kandidaten selbst einer entscheidenden Prüfung unterziehen, denn „wenn es schwierig wird, wenn die Zeiten hart sind, wird man wirklich geprüft“, und dabei zeige sich, ob jemand „die innere Stärke besitzt, die es braucht, um Präsident der Vereinigten Staaten zu sein“, um zumal die „schwierigen Entscheidungen über Krieg und Frieden zu treffen“.
Zu Beginn seiner Amtszeit traf George W. Bush die schwierige Entscheidungen zum Krieg in Afghanistan und vor allem im Irak; zum Ende will er die Grundlage für einen Frieden im Nahen Osten legen, was mindestens ebenso schwierig ist. „Aber die Sterne stehen günstig“, sagt Bush, „ich glaube, wir haben eine Chance, und ich will sie zu ergreifen versuchen.“
Lame duck Bush
Wolfgang Dellisch (anthony2)
- 10.01.2008, 12:34 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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