05.01.2008 · Er ist der Rockstar unter den Kandidaten. Mit seinem deutlichen Sieg bei der Vorwahl in Iowa hat der 45 Jahre alte Juniorsenator Barack Obama bewiesen, dass sein Ruf nach einem (Generations-)Wechsel eher verfängt als das etwas penetrante Werben Hillary Clintons.
Von Matthias RübEr ist der Rockstar unter den Kandidaten: jung, charismatisch, mitreißend. Mit seinem deutlichen Sieg beim Caucus in Iowa hat der 45 Jahre alte Juniorsenator aus Illinois bewiesen, dass sein Ruf nach einem (Generations-)Wechsel eher verfängt als das etwas penetrante Werben Hillary Clintons. Selbst für amerikanische Verhältnisse ist Obama eine besondere Fusion von Einflüssen. Sein Vater war ein Austauschstudent aus Kenia, der sich an der Universität von Hawaii in eine junge Weiße aus Kansas verliebte.
Am 4. August 1961 wurde Barack auf Hawaii geboren. Sein Vorname bedeutet „von Gott gesegnet“ auf Kisuaheli. Die Ehe der Eltern hielt nicht lange, und im Alter von vier Jahren kam Barack Obama mit seiner Mutter nach Jakarta, wohin die junge Frau ihrem zweiten Mann, einem indonesischen Ölmanager, folgte. Dort wuchs Barack auf, und in seiner 1995 veröffentlichten Autobiographie „Träume meines Vaters“ schreibt er, niemand könne dort leben, ohne bleibende Einflüsse aus dieser muslimisch geprägten Metropole mitzunehmen.
„Es passiert vielen jungen Leuten“
Im Alter von zehn Jahren kam Obama zurück nach Hawaii, lebte bei seinen Großeltern und schloss die Schule ab. Seine Suche nach Identität – als Schwarzer, frisch aus Asien kommend, in einem weißen Großelternhaus – führte ihn auf manche Umwege, auch zu Marihuana und zu Kokain, wie er zugibt: „Es passiert. Es passiert vielen jungen Leuten“, sagt Obama heute, „aber ich habe aus meinen Fehlern gelernt und bin weitergegangen“. Seine Offenheit hat ihm bisher nicht geschadet, im Gegenteil.
Statt der „Politik des Zynismus“ brauche das Land den „Wagemut der Hoffnung“, fordert der Harvard-Absolvent, der nach vielen Jahren Arbeit als Rechtsanwalt und Politiker auf lokaler und bundesstaatlicher Ebene in Chicago im November 2004 in den Senat in Washington gewählt wurde. Den Irak-Krieg lehnte er von Beginn an ab.
„Glaube an einfache Träume“
Wenn Obama Sätze von scheinbar banaler Klarheit und Wahrheit sagt, wenn er vom amerikanischen Traum spricht, klingt es bei ihm authentisch. „Es gibt nicht das Amerika der Schwarzen und der Weißen und der Latinos und der Asiaten, das Amerika der Linken und der Rechten“, rief er in seiner fulminanten Rede beim Nominierungsparteitag der Demokraten im Sommer 2004 in Boston, die ihn ins nationale und internationale Rampenlicht katapultierte; sondern es seien eben die Vereinigten Staaten von Amerika, deren geeintes Volk sich seinen „Glauben an einfache Träume“ nicht nehmen lasse.
Obama ist verheiratet mit der Anwältin Michelle Obama. Die beiden Töchter Malia (neun Jahre) und Sasha (fünf) durften für die Siegesfeier von Des Moines in der Nacht zum Freitag extra lange aufbleiben, und es war ein schönes Bild.
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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