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Window Rock (Arizona) Kein Kautabak mehr im Casino

29.08.2008 ·  Der Streit, ob die jährlichen Milliarden-Einnahmen aus dem Glücksspiel der Indianer bloß in die Taschen Weniger fließen oder der Mehrheit zugute kommen, ist eine Art „Seelenstreit“. Jetzt erregt auch ein geplantes Rauch- und Tabakverbot die Gemüter.

Von Matthias Rüb
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Robert Winter rauchte buchstäblich vor Zorn. Und tatsächlich geht es bei dem Streit, der ihn so erregt, ums Rauchen. Denn das soll nach dem Willen des Nationalrates der Navajos im „Fire Rock Navajo Casino“ ebenso verboten sein wie in allen öffentlichen Gebäuden auf dem Gebiet des Reservats. Es ging hitzig zu bei der Sitzung des Nationalrates in dem Städtchen Window Rock in Arizona, der Hauptstadt des Reservats. Schließlich fiel nach langer Debatte die Entscheidung für das allgemeine Rauchverbot, das auch den Genuss von Kautabak bannt.

Die Navajo, die sich selbst Diné (das Volk) nennen, haben das größte Reservat aller Indianerstämme, es umfasst in den Bundesstaaten Arizona, Utah und New Mexico mehr als 67.000 Quadratkilometer. Und sie sind so ziemlich die letzten unter den „Native Americans“, die sich entschlossen haben, es mit dem Glücksspiel als Anstoß für die zurückhängende wirtschaftliche Entwicklung in ihrem Reservat zu versuchen. Es gibt laut Volkszählung knapp 300.000 Navajos in den Vereinigten Staaten, fast 180.000 von ihnen leben in sehr einfachen Verhältnissen im Reservat der Diné.

Eine Art „Seelenstreit“

Robert Winter ist seit Mai 2007 Geschäftsführer der „Navajo Nation Gaming Enterprise“, und deren Aufgabe ist es, Casinos zu bauen. Das Fundament zum „Fire Rock Navajo Casino“ in Church Rock im Bundesstaat New Mexico ist schon gelegt. Noch in diesem Herbst soll es seine Tore öffnen, bis zu sechs weitere Casinos sind auf dem Gebiet des Reservats geplant.

Winter selbst ist kein Indianer, sondern ein weißer Geschäftsmann aus New Jersey, aber er ist seit 20 Jahren im Geschäft des Glücksspiels in Reservaten. 1988 erließ der Kongress in Washington ein Gesetz, das den Indianern den kommerziellen Glücksspielbetrieb in ihren zum Teil selbstverwalteten Reservaten erlaubte, ungeachtet der Gesetze in den sie „beherbergenden Bundesstaaten“. Der Streit, ob die 19 Milliarden Dollar Einnahmen jährlich bloß in die Taschen einer kleinen Elite fließen oder der Mehrheit der Indianer zugute kommen, ist auch eine Art „Seelenstreit“.

Gewiss, mit dem Geld aus dem Glücksspiel wurden in den Reservaten Schulen und Kollegien gebaut, Polikliniken und Berufsbildungszentren. Aber ein Gang etwa durch das Casino „Sky City“, das der kleine Stamm der Acoma-Indianer betreibt, offenbart auch das Elend des Indianer-Glücksspiels: Die meisten „Kunden“, die am frühen Nachmittag vor den plärrenden Maschinen sitzen, sind selbst Indianer, meist ältere; fast jeder raucht.

Das mit dem Rauchen soll nach dem Willen von Robert Winter auch im „Fire Rock Navajo Casino“ und in den anderen Häusern so bleiben, die er für die Diné zu bauen hofft. Denn die Casinos sind in Amerika einige der letzten öffentlichen Gebäude, in denen es noch kein generelles Rauchverbot gibt. „Ein Rauchverbot bringt uns Umsatzeinbußen von 20 Millionen Dollar jährlich“, sagt Winter. Die Befürworter des Rauchverbots erwidern, erst der generelle Verbot des Alkoholverkaufs in fast allen Reservaten habe den Kampf gegen die Alkoholsucht unter den Indianern vorangebracht; auch der Nikotinsucht könne man nur mit einem Rauchverbot beikommen.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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