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Las Vegas (Nevada) Lieber Hybrid als Hummer

26.09.2008 ·  Der amerikanischste aller Straßenjeeps, der Hummer, hat ausgedient. Hohe Spritpreise und ein allmählich erwachendes Umweltbewusstsein verdrängen das monströse Gefährt von Amerikas Straßen. General Motors möchte die unrentable Marke gerne loswerden.

Von Matthias Rüb
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Bis vor kurzem noch gab es beim Autohaus Towbin an der Sahara Avenue 5550 in Las Vegas wirklich tolle Angebote. Rabatte von bis zu 9000 Dollar wurden gewährt, und das bei Preisen für Hummer-Neufahrzeuge von 32.000 bis 64.000 Dollar. Praktisch alle Modelle wurden mit einem Preisnachlass von mehr als einem Fünftel des Listenpreises angeboten, so viel wie bei keiner anderen Automarke in den Vereinigten Staaten. Schräg gegenüber bei „Range Rover“ hatte man sich als Kaufanreiz die Übernahme der Benzinkosten fürs erste Jahr ausgedacht. Klingt auch nicht schlecht. Aber wenn man die durchschnittliche Jahreslaufleistung eines Autos von rund 15.000 Meilen (gut 24.000 Kilometer), einen Benzinpreis von vier Dollar pro Gallone (gegenwärtig sind es tatsächlich 3,65 Dollar) sowie schließlich einen wenig genügsamen Motor zugrunde legt, kommt man auf vielleicht 3000 Dollar - gerade einmal ein Drittel des Rabatts bei Towbin.

Und doch hat alles nichts genützt. Die Verkaufszahlen gingen in diesem Jahr im Landesdurchschnitt um 47 Prozent zurück, so schlimm wie bei keiner anderen Marke. Bei Towbin in Las Vegas hatte man zwar bis zuletzt geflunkert, es sei alles in Ordnung. Doch der Parkplatz und die Ausstellungsräume platzten schier vor lauter unverkauften Autos, die nachgerade zu Schleuderpreisen feilgeboten wurden. Das konnte selbst Dan Towbin, der größte und berühmteste Händler der Automarke im Land, nicht länger mitmachen. Am 9. September schloss er seine Tore. Vorübergehend jedenfalls, denn in den Verkaufsräumen wird schon fleißig umgebaut.

Die Benzinschlucker geraten in Verruf

Dan Towbin ist nicht irgendein Autohändler. Er ist, nein: er war der berühmteste Verkäufer des Hummers. Das ist der amerikanischste aller Straßenjeeps, für welche sich die Automobilindustrie die Gattungsbezeichnung „Sport Utility Vehicle“ (SUV) ausgedacht hat. Ursprünglich war ein SUV ein möglichst großer Personenwagen, der auf das Fahrwerk eines Pickup-Kleinlasters montiert wurde - und deshalb den ohnedies laxen Mindestanforderungen der amerikanischen Umweltbehörden für Motorensparsamkeit und Emissionswerte nicht unterlag. Seit den neunziger Jahren prägen die rasend populären SUV, die von allen Autoproduzenten angeboten werden, das amerikanische Straßenbild. Doch angesichts hoher Benzinpreise und eines nun doch allmählich erwachenden Umweltbewusstseins geraten die Benzinschlucker in Verruf. Und am schlimmsten hat es wohl nicht zufällig den besonders durstigen Hummer erwischt, wo ein einziger Tankstopp zuletzt mit bis zu 130 Dollar zu Buche schlug.

Der Hummer ist die zivile Version des Humvee-Militärjeeps, und der erste Käufer des auf seine Anregung hergestellten Modells H1 war 1992 Arnold Schwarzenegger. Der ist inzwischen Gouverneur von Kalifornien und reüssiert als Öko-Macho. Seine Hummer-Flotte von ursprünglich acht Fahrzeugen hat der „Gouvernator“ inzwischen auf vier reduziert, eines hat er sogar auf eigene Kosten mit einem Hybridmotor umrüsten lassen.

Der Hummer hat als Statussymbol ausgedient

Seit der Übernahme der Marke durch General Motors im Jahre 1998 sind die Nachfolgemodelle H2 und H3 zwar immer kleiner geworden. Aber glücklich wurde GM mit der Marke nie. Deshalb sucht GM-Chef Rick Wagoner seit vier Monaten händeringend nach einem Käufer für seine Hummer-Produktion. Doch in diesem Jahr haben in Amerika schon acht der einst 170 Hummer-Händler zugesperrt, und ein Händlernetz mit immer größeren Löchern schränkt die Verkaufsaussichten für die Marke weiter ein. Der Hummer scheint als Auto der Wahl und als kraftvoller Ausdruck eines Lebensgefühls nur noch bei den Neureichen in Russland und China eine Zukunft zu haben.

Um die Zukunft von Dan Towbin übrigens muss man sich keine Sorgen machen. Er hat in Las Vegas noch weitere Autohäuser, wo er Fahrzeuge der Marken Dodge, Bentley und Rolls-Royce sowie Infiniti verkauft. Und bald soll auch der Autoverkauf an der Sahara Avenue 5550 wieder losgehen. Dort wird es schon in wenigen Tagen das größte Angebot des Mercedes-Kleinwagens Smart in ganz Las Vegas geben, verspricht Dan Towbin, der selten ohne Superlativ auskommt. Und Motorroller der Marke Vespa, den allerletzten Schrei im urbanen Westen Amerikas, kann man dort auch kaufen.

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