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Fort Lauderdale (Florida) Das Geschäft der „Repo Men“

04.08.2008 ·  In keinem anderen Staat an der Ostküste gibt es so viele Zwangsversteigerungen wie in Florida. Die Mitarbeiter von „National Liquidators“ und anderen Unternehmen des Wirtschaftszweigs der Beschlagnahmer und Zwangsversteigerer heißen „Repo Men“ - Männer im „repossession business“, dem „Geschäft für Wiederinbesitznahme“.

Von Matthias Rüb
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Anfang November wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten - den Nachfolger von George W. Bush. Der Wahlkampf zwischen dem designierten demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und dem Kandidaten der Republikaner, John McCain, gewinnt an Schärfe. Wo wird die Wahl entschieden? F.A.Z.-Korrespondent Matthias Rüb reist quer durch das Land und zeichnet ein Stimmungsbild.

In den jüngsten Statistiken über die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt kommt Florida, der „Sonnenscheinstaat“, immer wieder auf eine unrühmliche Spitzenposition. In keinem anderen Staat an der Ostküste gibt es so viele Zwangsversteigerungen wie in Florida; nur in Nevada, Kalifornien und Arizona im Westen, wo die Blase auf dem Häusermarkt bis 2006 besonders stark aufgebläht wurde, erfüllen noch mehr Hausbesitzer ihre Zahlungsverpflichtungen nicht. In Florida liegt Fort Lauderdale an der ersten Stelle bei den Zwangsversteigerungen: Im zweiten Quartal dieses Jahres kamen fast 11 000 Häuser und Wohnungen zwangsweise unter den Hammer. Das waren mehr als 120 täglich und eines unter 51 existierenden Eigenheimen. In Miami wurde eines von 62 Häusern und Appartments zwangsversteigert, in Orlando und in Tampa kam eine Zwangsversteigerung auf 72 beziehungsweise 87 bestehende Wohnimmobilien.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass in Fort Lauderdale auch ein Unternehmen seinen Sitz hat, das nach eigenen Angaben nicht nur unangefochtener Weltmarktführer ist, sondern in den vergangenen drei Jahren sein Geschäft verdreifacht hat. Es handelt sich um „National Liquidators“, ein Unternehmen, das auf die Beschlagnahmung und Versteigerung von Wasserfahrzeugen spezialisiert ist - von Jetskis über Segeljollen und Anglerboote bis zu Hochseejachten und kleinen Kreuzfahrtschiffen. Derzeit beschlagnahmt das Unternehmen mit Sitz in Florida sowie Filialen in Newport Beach in Kalifornien und in Cleveland in Ohio am Eriesee monatlich etwa 200 Boote; allein in Florida werden pro Tag durchschnittlich fünf Boote ins Schlepptau genommen.

Die Mitarbeiter von „National Liquidators“ und anderen Unternehmen des in ganz Amerika boomenden Wirtschaftszweigs der Beschlagnahmer und Zwangsversteigerer heißen „Repo Men“ - Männer im „repossession business“, dem „Geschäft für Wiederinbesitznahme“. Wenn der Besitzer eines Bootes die Kreditraten für sein Wasserfahrzeug nicht bezahlt oder wenn ein Hauseigentümer, dem auch ein Boot gehört, seine Hypothek nicht bedient, dann tritt die kreditgebende Bank an die „National Liquidators“ oder ähnliche Unternehmen heran. Die schicken ihre „Repo Men“ los, um die Boote und Schiffe abzuschleppen und zu den Docks des Unternehmens zu bringen.

Ein „Repo Men“ verdient dem Vernehmen nach zwischen 400 und 1000 Dollar pro beschlagnahmtem Objekt. Das Unternehmen kassiert nach der Versteigerung des „wieder in Besitz genommenen“ Objekts von der Bank eine Provision. Die Banken zielen bei säumigen Kunden immer zuerst auf deren bewegliche Güter wie Schiffe, Autos der Oberklasse oder Wohnmobile, weil die sich leichter verkaufen und zu Geld machen lassen. Erst wenn nichts Bewegliches mehr abzuschleppen ist, kommt die Immobilie an die Reihe. „Bevor das Haus geht, geht alles andere“, sagt ein „Repo Man“ von „National Liquidators“.

Die meisten Schiffe werden binnen weniger Tage versteigert, bei der wöchentlichen Auktion. Viele Käufer sind Ausländer, die vom schwachen Dollarkurs und den günstigen Preisen doppelt profitieren. Derzeit gibt es, wie man hört, sensationelle Schnäppchen auf dem Markt für beschlagnahmte Gebrauchtschiffe. Allein „National Liquidators“ hat 650 Objekte im Angebot - darunter eine „Uniesse 68 Sport Motorjacht“ für 1,59 Millionen Dollar, was irgendwie ein günstiger Preis sein muss. Das Unternehmen hat sich mit „Bank of America“ zusammengetan und bietet potentiellen Kunden Kredite mit einem festen Zinssatz von 4,99 Prozent. Als Anzahlung für das Schiff werden gerade einmal zehn Prozent des Kaufpreises verlangt. Wer sollte da nicht zugreifen?

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