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Alamogordo (New Mexico) Bingo für die Veteranen

25.08.2008 ·  An der berüchtigten „Trinity Site“ wurde am 16. Juli 1945 die erste Atombombe der Geschichte gezündet. Nicht weit davon entfernt liegt der Luftwaffenstützpunkt „Holloman Air Force Base“, den auch Bundeswehrpiloten wegen der trockenen Wüstenluft gerne für das Training nutzen.

Von Matthias Rüb, Alamogordo (New Mexico)
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Martin Capasse ist Manager. Und zwar Bingo-Manager beim Posten 7686 des Veteranenverbandes „Veteran of Foreign Wars“ (VFW) in Alamogordo. Viermal die Woche kommt er hier heraus zum Posten am Highway US-70, der zum Luftwaffenstützpunkt „Holloman Air Force Base“ führt. Manches Hinweisschild entlang der Straße ist auf Deutsch. Denn auch die Piloten der Bundeswehr werden gerne hierher geschickt, weil die Trainingsbedingungen in der trockenen Wüstenluft in mehr als 1300 Meter Start- und Landehöhe so gut sind wie fast nirgends sonst auf der Welt. „Wir haben 360 Tage im Jahr ideales Flugwetter“, sagt Oberstleutnant Capasse, der 1989 nach Alamogordo gekommen und auch nach seiner Pensionierung von der Luftwaffe geblieben ist. Denn hier gibt es viele Kameraden, aktive wie pensionierte. Allein der VFW-Posten in Alamogordo hat 1240 Mitglieder, und besonders die älteren kommen gerne zum Zahlenbingo. Von den Spenden werden kriegsversehrte Veteranen unterstützt.

Gleich neben dem Luftwaffenstützpunkt, der 21.000 aktive Soldaten und Reservisten und deren Familien mit Lohn und Brot versorgt, liegt das Raketentestgelände „White Sands“, wo an der berüchtigten „Trinity Site“ am 16. Juli 1945 die erste Atombombe der Geschichte gezündet wurde. Der Test war erfolgreich, und schon am 6. und 9. August 1945 konnte die Bombe über Hiroshima und Nagasaki eingesetzt werden. So wie vor mehr als sechs Jahrzehnten das Atomzeitalter nahe Alamogordo begann, so soll in ein bis zwei Jahren am „Virgin Galactic Spaceport“ am westlichen Zipfel von „White Sands“ das Zeitalter des kommerziellen Raumflugs beginnen. Bei seinem ehrgeizigen Unterfangen genießt der britische Unternehmer Richard Branson die entschlossene Unterstützung des demokratischen Gouverneurs von New Mexico, Bill Richardson, der gerne zum Präsidenten gewählt worden wäre, seit seinem frühen Scheitern aber Barack Obama unterstützt.

Kein Zaun an der Grenze zu Mexiko

Acoma, auf einem Mesa-Berg westlich von Albuquerque gelegen, ist die älteste ununterbrochen bewohnte Siedlung Nordamerikas. Zehn Prozent der knapp zwei Millionen Einwohner sind indianischer Abstimmung. 43 Prozent sind Latinos - die Mehrzahl alteingesessene Hispanics, nur acht Prozent sind Immigranten, weit weniger als der nationale Durchschnitt. Dennoch ist die Stimmung zum südlichen Nachbarn in New Mexico wie in allen Grenzstaaten überwiegend einwandererfreundlich. Zwar gibt es hin und wieder Rangeleien an Schulen zwischen den Kindern alteingesessener „Hispanics“, die seit Jahrhunderten in New Mexico leben, und denen illegaler „Latino“-Einwandererfamilien. Die meisten Menschen in New Mexico erkennen aber die Entscheidungen der politischen Elite an, die meistens einwandererfreundlich sind. So müssen Studenten, die an den staatlichen Universitäten New Mexicos studieren wollen, bei der Immatrikulation nicht nachweisen, dass sie sich legal im Land aufhalten. Die Bürgermeister der Grenzstädte Columbus und Sunland Park, wo mehr als 80 beziehungsweise gut 95 Prozent der Einwohner alteingesessene Hispanier oder zugewanderte Latinos sind, haben sich gegen den von Washington verordneten Bau eines Zauns an der Grenze zu Mexiko ausgesprochen.

In keinem anderen Bundesstaat stoßen uralte Traditionen, die sich in der erhabenen Wüstenlandschaft widerspiegeln, und zukunftsträchtige Hochtechnologie so schroff aufeinander. Fast jeder vierte Arbeitsplatz in New Mexico gehört zum Militär oder zur staatlichen Verwaltung - und ist damit krisensicher. Es fehlen jedoch die „klassischen“ Jobs in der verarbeitenden und in der Dienstleistungsindustrie. Die Armutsrate in New Mexico ist höher, das Durchschnittseinkommen niedriger als im Landesdurchschnitt. Bei Wahlen ist der Bundesstaat stets hart umkämpft. Martin Capasse jedenfalls wird den Republikaner John McCain wählen. Die meisten beim Bingo und überhaupt unter den Veteranen dürften das nach einer nicht repräsentativen Kurzumfrage im „VFW Post 7686“ auch tun.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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