Home
http://www.faz.net/-gd1-11j4z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Amerika Barack Obama als Präsident vereidigt

21.01.2009 ·  Amerikas Präsident heißt jetzt Barack Obama. Der 47 Jahre alte schwarze Politiker leistete auf den Stufen des Kapitols in Washington seinen Amtseid vor einem Millionenpublikum. In der Antrittsrede setzte Obama den „aufziehenden Wolken und tosenden Stürmen“ der Wirtschaftskrise eine Botschaft der Zuversicht entgegen.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (6)

Barack Obama ist am Dienstag als 44. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden. Als erster schwarzer Präsident in der amerikanischen Geschichte legte er seinen Amtseid um 12 Uhr mittags auf den Stufen des Kapitols ab. In seiner Rede vor Hunderttausenden Menschen auf der Washington Mall setzte Obama den „aufziehenden Wolken und tosenden Stürmen“ der Krise, in der Amerika sich gegenwärtig befinde, eine Botschaft der Zuversicht entgegen: „Die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, sind real. Sie sind ernst, und sie sind zahlreich. Sie werden nicht leicht oder kurzfristig gemeistert. Aber wisse, Amerika, sie werden gemeistert.“

Der neue Präsident versprach entschlossene Schritte, um die Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen, und eine Außenpolitik, die auf internationale Zusammenarbeit setze. „Unsere Nation befindet sich im Krieg gegen ein weitreichendes Netz von Gewalt und Hass“, sagte Obama. Außerdem sei „unsere Wirtschaft sehr geschwächt“. Das sei eine Folge der „Gier und Verantwortungslosigkeit einiger, aber auch unseres gemeinsamen Versagens, schwere Entscheidungen zu treffen und unser Land für eine neue Zeit vorzubereiten“. Obama verwies auch auf gravierende Schwächen im Bildungs- und im Gesundheitswesen. „Nicht weniger tief“ sei die Vertrauenskrise. Amerika sei gezeichnet durch schwindendes Selbstvertrauen.

„Die Wunder der Technik nutzen“

Konkret versprach Obama, zur Bewältigung der Wirtschaftskrise würden Straßen und Brücken gebaut. Investiert werden soll auch in den Ausbau digitaler Netze und in die Nutzung erneuerbarer Energieträger. „Die Wunder der Technik“ würden genutzt, um die Qualität des Gesundheitswesens zu verbessern und zugleich dessen Kosten zu verringern. „Die Frage, die wir heute stellen, lautet nicht, ob der Staat zu stark oder zu schwach ist, sondern ob er funktioniert“, sagte der Präsident. Auch gehe es nicht darum, ob die Kräfte des Marktes „gut oder böse“ seien. Obama verteidigte die Marktwirtschaft. Die gegenwärtige Krise habe aber gezeigt, dass der Markt außer Kontrolle geraten könne. „Wir bleiben die reichste, mächtigste Nation der Erde“, sagte Obama. „Von heute an müssen wir uns aufrichten, uns den Staub abklopfen und mit der Erneuerung Amerikas anfangen“.

Barack Obama als Präsident vereidigt

In der Außenpolitik kündigte Obama eine Rückbesinnung auf Diplomatie und multilaterales Vorgehen an: „Erinnert euch daran, dass frühere Generationen Faschismus und Kommunismus nicht nur mit Raketen und Panzern niedergeschlagen haben, sondern auch mit robusten Allianzen und dauerhaften Überzeugungen.“ Mit Blick auf die Terrorgefahr sagte Obama, es sei falsch, „unsere Ideale und unsere Sicherheit“ gegeneinander auszuspielen. Er kündigte an, Amerika werde nun damit beginnen, sich „verantwortlich“ aus dem Irak zurückziehen. „Und wir werden einen schwerverdienten Frieden in Afghanistan schmieden“, sagte Obama.

Er nannte Amerika eine „Nation von Christen und Muslimen, Juden und Hindus - und Nichtgläubigen“. An die „muslimische Welt“ gerichtet, sagte der Präsident: „Wir suchen einen neuen Weg nach vorn, auf der Grundlage von gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt.“ Das „Flickenteppich-Erbe“ der amerikanischen Gesellschaft sei „eine Stärke, keine Schwäche“.

Versprecher an der wichtigsten Stelle

An Staatsführer, „die an der Macht hängen durch Korruption und Täuschung“ richtete Obama die Botschaft, sie seien „auf der falschen Seite der Geschichte“, aber Amerika wolle ihnen „die Hand entgegenstrecken“, wenn sie dazu bereit seien, „ihre Faust zu öffnen“. Obama sagte: „Mit alten Freunden und früheren Feinden werden wir unermüdlich arbeiten, um die nukleare Bedrohung zu vermindern“. Außerdem sei der Klimawandel gemeinsam zu bekämpfen. Amerika zeichne sich dadurch aus, dass es immer daran geglaubt habe, „dass der alte Hass eines Tages überwunden werden kann“.

Zuvor hatte der Vorsitzende Richter des Supreme Courts, John Roberts, Obama auf den Stufen des Kapitols den Amtseid auf die Verfassung abgenommen. Dabei vertauschte Roberts einige der drei Dutzend von der Verfassung vorgegebenen Worte für die Vereidigung und brachte damit Obama in die Bredouille. (Siehe: Präsident Obama: Kleine Pannen zum Amtsantritt)

Obamas Amtsvorgänger George W. Bush verließ Washington in einem Hubschrauber der Streitkräfte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Laura flog der frühere Präsident von einem Platz vor dem Kapitol ab. Obama, dessen Ehefrau Michelle, Vizepräsident Joe Biden und dessen Frau Jill winkten ihnen zum Abschied zu. Nach einem Zwischenstopp auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington wollten die Bushs nach Texas weiterfliegen.

„Martin Luther King wird im Himmel jubeln“

Der Prediger Rick Warren hatte Obama den Segen gegeben und das Eingangsgebet gesprochen. Er sagte: „Heute feiern wird nicht nur die demokratische Machtübergabe an den 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten, sondern einen Wendepunkt in der Geschichte. Martin Luther King und eine große Menge anderer werden heute im Himmel jubeln.“ Obamas Entscheidung, den umstrittenen Prediger Warren das Gebet sprechen zu lassen, hatte seinerzeit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. (Siehe: Pastor Rick Warren: Der Vorbeter) Vor Obama hatte auch Vizepräsident Joseph Biden den Eid auf die Verfassung abgelegt.

Obama und Biden waren vor der feierlichen Zeremonie auf dem Kapitolshügel vom scheidenden Präsidenten George W. Bush im Weißen Haus empfangen worden. Mehr als eine Million Amerikaner aus dem ganzen Land wohnten trotz Minusgraden der Zeremonie vor dem Kapitol und der anschließenden Parade durch die Hauptstadt bei.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen