23.11.2006 · In Rom mehren sich die Hinweise darauf, daß der Vatikan seine rigorose Haltung zum Gebrauch von Kondomen überdenken könnte. Papst Benedikt XVI. läßt die Glaubenskongregation prüfen, ob sich damit aus moraltheologischer Abwägung das „größere Übel“ Aids abwenden ließe.
In Rom mehren sich die Hinweise darauf, daß der Vatikan seine rigorose Haltung über den Gebrauch von Präservativen bei HIV-infizierten Personen überdenken und im Sinn einer vorsichtigen Öffnung präzisieren könnte.
Unmittelbarer Anlaß dafür ist eine internationale Experten-Konferenz zum Thema „Seelsorgliche Aspekte bei der Behandlung von ansteckenden Krankheiten“, die an diesem Donnerstag im Vatikan beginnt und bis zum Samstag dauert. Bei der Vorstellung dieser Konferenz sprach der zuständige mexikanische Kardinal Barragan, Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesundheitspastoral, von einem Dokument, das in seiner Verantwortung vorbereitet worden sei und gegenwärtig der Glaubenskongregation - unter dem amerikanischen Kardinal Levada - zur Prüfung vorliege.
Gebrauch „sittlich unerlaubt“, aber kein explizites Verbot
Im Vatikan hieß es, daß dieses Dokument, das seit Monaten mit Zustimmung des Papstes von Bischöfen und Theologen ausgearbeitet wurde, in der Frage des Gebrauchs von Kondomen nicht nur Wiederholungen vorlege, sondern Neues bringen könne.
Bisher galt als traditionelle katholische Morallehre, daß der Gebrauch von empfängnisverhütenden Mitteln in jedem Fall sittlich unerlaubt sei, weil damit die grundsätzliche Offenheit des Geschlechtsaktes für Nachkommen nicht mehr gegeben sei.
So hatte es Paul VI. in seiner Enzyklika „Humanae vitae“ (“Über die Weitergabe des menschlichen Lebens“) von 1968 erklärt. In diesem Sinn waren auch Äußerungen von Johannes Paul II. zu Kondomen und Aids, etwa in Afrika, gedeutet worden, ohne daß dieser Papst ein explizites Verbot ausgesprochen hätte.
„Morallehren der Kirche“ als Weg gegen Aids
Es war jedoch kein Geheimnis, daß Kardinal Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI., schon als Präfekt der Glaubenskongregation (seit 1981) nicht glücklich darüber war, daß die feste Haltung der Kirche zur Ordnung der menschlichen Sexualität als unmenschlich in einigen besonderen Fällen angesehen werden konnte und wurde; die Enzyklika von 1968 bezeichnete er einmal als „wenig hilfreich“. Andererseits zögerte Benedikt nicht, afrikanischen Bischöfen einzuschärfen, „der einzige sichere Weg gegen die Verbreitung von Aids sind die traditionellen Morallehren der Kirche“, ohne jedoch Kondome zu erwähnen.
Nun heißt es jedoch, es könne bei einer moraltheologischen Güterabwägung dem Gebrauch von Kondomen das „größere Übel“ der Ansteckung mit Aids gegenüberstehen; damit könne unter Umständen ersteres zur Vermeidung des zweiten hingenommen werden. Ein Beispiel wäre, wenn bei Eheleuten ein Partner infiziert sei und der andere geschützt werden müsse, oder auch dann, wenn die Notwendigkeit bestehe, eine Epidemie zu verhindern oder einzudämmen. Auch andere Fälle sind nach Ansicht von Kardinälen, Bischöfen und Theologen denkbar.
Nicht erstaunt
Thomas Schmitt (redfish)
- 22.11.2006, 18:35 Uhr
Er könnte als Robespierre der katholischen Kirche in die Geschichte eingehen
thomas schulz (peanutbutter)
- 23.11.2006, 01:30 Uhr
Kein Kniefall vor dem Zeitgeist
Maximilian Ohl (maxilein1408)
- 23.11.2006, 10:35 Uhr
Bekomme ich jetzt
Rick Fischer (Its_Worth_A_Try)
- 23.11.2006, 16:38 Uhr
Zugegeben, ich bin übers Ziel hinausgeschossen
thomas schulz (peanutbutter)
- 23.11.2006, 16:52 Uhr