19.07.2008 · Beim Weltjugendtag in Australien fand Papst Benedikt abweichend vom offiziellen Redemanuskript klare Worte. Den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche verurteilte er scharf und er entschuldigte sich bei den Opfern. Die Vergehen hätten „dem Zeugnis der Kirche geschadet“.
Papst Benedikt XVI. hat sich am Samstag in deutlichen Worten für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche entschuldigt. Er wolle „innehalten, um die Scham einzugestehen, die wir alle empfunden haben aufgrund des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen ... in diesem Land“, sagte Benedikt in einer Messe vor australischen Geistlichen beim Weltjugendtag in Sydney. „Diese Vergehen, die einen so schweren Vertrauensbruch darstellen, verdienen eine eindeutige Verurteilung.“
Die Opfer sollten „Mitgefühl und Fürsorge erfahren, und die Verantwortlichen für diese Übel müssen vor Gericht gestellt werden“, erklärte Benedikt. Es tue ihm sehr leid, dass die Missbrauchsopfer solchen Schmerz erleiden mussten, sagte der Papst in Ergänzung des offiziellen Redetextes weiter. Als Seelsorger versichere er ihnen, dass er ihre Leiden teile.
Schon mehrfach Bedauern geäußert
Benedikt hat bereits mehrfach Bedauern wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Geistliche und Ordensleute geäußert, zuletzt bei einem Besuch in Amerika im April. Die Formulierungen am Samstag waren jedoch deutlich stärker als seine damaligen Äußerungen. Die Vergehen der Geistlichen „haben großen Schmerz verursacht und dem Zeugnis der Kirche geschadet“, sagte der Papst.
Mehr als 150.000 junge Pilger begrüßten Benedikt XVI. im Hafen von Sydney. Beim Weltjugendtag hat der Papst dazu aufgerufen, die Schöpfung zu bewahren und sich für den Umweltschutz einzusetzen.
Opfergruppen in Australien erklärten, eine päpstliche Entschuldigung reiche nicht aus. „Die Opfer wollen Handlungen sehen, nicht nur Worte“, hieß es am Samstag auf der Website der Organisation Broken Rites. Anthony Foster, dessen zwei Töchter mutmaßlich von einem Priester missbraucht wurden, erklärte, bislang habe es keine unmissverständliche Antwort der Kirche auf die Fälle gegeben. Die Betroffenen müssten finanzielle und psychologische Hilfe erhalten, forderte Foster. Opfergruppen zufolge geht die Zahl der Missbrauchsfälle in Australien in die Tausende.
Anti-Papst-Demonstranten verteilten Kondom-Päckchen
In der Innenstadt von Sydney demonstrierten rund 500 Menschen gegen den Papst. Sie kritisierten, die Kirche vertrete antiquierte und diskriminierende Ansichten. Einige Teilnehmer der Gruppe NoToPope waren als Nonnen, Teufel und Priester verkleidet. Den vorbeiziehenden Teilnehmern des Weltjugendtages warfen die Demonstranten Kondom-Päckchen zu. „Der Papst liegt falsch, benutzt ein Kondom“, riefen sie.
Der Weltjugendtag dauert noch bis Sonntag. Zur Abschlussmesse mit dem Papst werden rund 250.000 Gläubige erwartet.