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Niederlande „Mit Teer und Federn außer Landes jagen“

20.02.2007 ·  Mit islamfeindlichen Äußerungen trägt sich Geert Wilders die Empörung der Muslime ein. Der Rechtspopulist ist mal wieder auf Stimmenfang und gefällt sich in der Märtyrerrolle. Empört wendet sich Saudi-Arabien an die Regierung in Den Haag.

Von Andrea Schneider
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„Wenn Mohammed heute hier lebte, würde ich vorschlagen, ihn als Extremisten mit Teer und Federn außer Landes zu jagen.“ Mit dieser Aussage in einem Zeitungsinterview hat Geert Wilders, der Führer und Fraktionsvorsitzende der rechtspopulistischen und islamfeindlichen Partei für die Freiheit, den Niederlanden die Empörung der islamischen Welt eingetragen.

Was für viele Niederländer nur eine weitere verbale Entgleisung von Wilders war, schlägt in einigen islamischen Staaten hohe Wellen. Die saudische Regierung wurde bei der niederländischen Regierung vorstellig und verlangte eine formelle Entschuldigung, in Marokko und Pakistan schaffte es Wilders mit seinen Äußerungen in die Schlagzeilen.

„Sind die jetzt verrückt geworden?“

„Der Islam ist die größte Gefahr, die uns bedroht“, sagte Wilders in dem schlagzeilenträchtigen Interview weiter, das er der Zeitung „De Pers“ gab: Muslime, die in den Niederlanden bleiben wollten, müssten die Hälfte der Seiten aus dem Koran reißen und fortwerfen, denn es stünden „genügend schreckliche Dinge“ darin. Auf die Forderung der saudischen Regierung, diese Angriffe zurückzunehmen, sagte Wilders, der eine blondierte Mähne trägt: „Kein einziges Haar auf meinem Kopf denkt daran, auch nur einen Millimeter davon zurückzunehmen.“

Der niederländische Außenminister Ben Bot vom Christlich-Demokratischen Appell bedauerte Wilders Äußerungen. Sein Ministerium teilte aber mit, die Äußerungen des Politikers gäben nicht den Standpunkt der Regierung wieder; ein Parlamentarier habe das Recht, sich frei zu äußern. Wilders nutzte diese Vorlage und wetterte gegen Saudi-Arabien: „Sind die jetzt verrückt geworden? Es ist eine Schande, dass ein Land, das die freie Meinungsäußerung nicht kennt, mir die Leviten liest.“

Dass ein Abgeordneter sagen darf, was immer er will - mit dieser Devise hetzt, stänkert, stichelt Wilders seit jeher ohne Rücksicht auf das religiöse oder moralische Empfinden seiner Mitbürger. Seine Zielscheiben sind die Muslime in den Niederlanden und der Islam. Er warnte im Wahlkampf vor einem „Tsunami der Islamisierung“, will einen Einreisestopp für Muslime und legte kurz nach dem umstrittenen Interview in „De Pers“ gleich noch nach, indem er erklärte, zwei muslimische Politiker, die diese Woche als Staatssekretäre vereidigt werden sollen, gehörten wegen ihrer doppelten Staatsbürgerschaft nicht ins neue Kabinett. Viele seiner Parolen erinnern an die Polemik des ermordeten Politik-Dandys Pim Fortuyn.

In der Märtyrerrolle

Zwar sind Wilders extreme Äußerungen in den Niederlanden regelmäßig für Meldungen, Kommentare und eine gewisse öffentliche Empörung gut. Grundsätzlich aber werden sie auch von den dort lebenden Muslimen nur als geschmacklose Provokationen gewertet, die einem Zweck dienen: dem Stimmenfang bei den sogenannten Autochthonen, jenen Bürgern also, die nicht ausländischer Abstammung oder Herkunft sind. So sagte Nasr Joemman von der Verbindungsstelle „Muslime und der Staat“, Wilders Äußerungen könnten einfach nicht ernstgenommen werden.

Doch Wilders, ein 43 Jahre alter früherer Mitarbeiter der Sozialversicherung, hat Erfolg mit seiner Strategie. Zu Zeiten des Karikaturenstreits hob er die umstrittenen Zeichnungen aus Dänemark auf seine Internetseite - und seine Umfragewerte gingen nach oben. Boshafte und beleidigende Polemik macht einen bedeutenden Teil von Wilders politischem Tagesgeschäft aus. Seine Partei für die Freiheit definiert sich vor allem als Anti-Immigrations-Partei. Aus dem Stand holte Wilders, der zuvor Abgeordneter für die rechtsliberale VVD war, so bei der Parlamentswahl im November vergangenen Jahres neun Sitze für seine Fraktion, während die Parteien der Mitte Stimmen verloren.

Popularität bei einem Teil der Wähler verschafft Wilders nicht zuletzt, dass er in eine Art Märtyrerrolle geschlüpft ist. Bei den Ermittlungen zum Mord am Filmemacher Theo van Gogh im November 2004 wurden im Umfeld des islamistischen Täters auch detaillierte Anschlagspläne auf Wilders und die inzwischen in den Vereinigten Staaten lebende frühere VVD-Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali, eine vehemente Islamkritikerin, entdeckt. Wilders steht seither unter Personenschutz, zeitweilig lebte er versteckt in einem Gefängnis.

Immer wieder ist seither von geplanten Mordanschlägen auf Wilders die Rede, zuletzt brachte er selbst noch vergangene Woche angebliche Morddrohungen zur Anzeige. Eine geplante Pakistan-Reise mit einer Parlamentariergruppe sagte Wilders inzwischen ab. Er mache sich Sorgen um die eigene Sicherheit - und die seiner Mitreisenden.

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