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Muslime kritisieren EKD „Angstmacherei und Klischees“

25.05.2007 ·  Der Koordinierungsrat der Muslime hat der Evangelischen Kirche in Deutschland vorgeworfen, Angstmacherei auf Kosten des Islams zu betreiben. Auch setze die Kirche den Dialog zwischen Religionen mit christlicher Mission gleich.

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Mit einer harschen Antwort hat der Koordinierungsrat der Muslime auf die Ende vergangenen Jahres veröffentlichte Handreichung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) „Klarheit und gute Nachbarschaft“ reagiert. Die Muslime hatten ein für Februar anberaumtes Gespräch mit der EKD abgesagt. Nun hat der Koordinierungsrat die EKD für den kommenden Mittwoch in die Mannheimer Moschee eingeladen, ihr in einer Stellungnahme mit dem Titel „Profilierung auf Kosten der Muslime“ aber zuvor noch entgegengehalten, „unzulässige Verallgemeinerungen“ und „reine Angstmacherei“ zu betreiben, indem sie den Islam pauschalen Vorwürfen aussetze.

Die EKD wollte sich nicht vor dem Gespräch dazu äußern, an dem auf Kirchenseite der EKD-Ratsvorsitzende Huber, der frühere Präses der EKD-Synode Schmude, der Islamkenner, Historiker und Politikwissenschaftler Kandel von der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Rostocker Religionswissenschaftler Hock sowie Ratsmitglied Gröhe teilnehmen.

Trialog der „Leute der Schrift“

Ein besonderer Dorn im Auge ist den Muslimen das Missionsverständnis der EKD, der sie vorwerfen, Dialog und Mission gleichzusetzen. Aus der Aussage der EKD, „Dialog und Mission schließen sich nicht aus“, hatten die Muslime geschlossen, sie sollten offensichtlich erst bekehrt werden, bevor das Gespräch beginnt. Die Muslime, die am Dialog teilnehmen, befürchten, dass sie bestenfalls Gegenstand christlicher Beteiligung sind, nicht mündige Partner. Ausdrücklich verweisen sie auf abgrenzende Stellungnahmen der EKD zur Judenmission.

Der Koordinierungsrat, vertreten unter anderem durch den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler, fordert im Grunde eine Gleichstellung mit Juden, die das Alte Testament als Glaubenszeugnis mit Christen teilen. Deshalb mahnt er zum gegenseitigen Respekt der drei abrahamitischen Religionen, die „Träger der göttlichen Offenbarungen“ und „Leute der Schrift“ seien. Der gleichberechtigte Dialog zwischen Juden und Christen müsse deshalb zu einem Trialog ausgebaut werden.

„Von erzkonservativen Publizisten“

Vor allem aber wirft der Koordinierungsrat der EKD vor, Scharia und Grundgesetz als Gegensatz darzustellen. Muslime versuchten nicht, hierzulande islamisches Strafrecht oder ein eigenes Ehe- und Familienrecht einzufordern. Sie seien vielmehr täglichen Diskriminierungen ausgesetzt, weil sie keine geeigneten Gebäude für Moscheen fänden, am Arbeitsplatz keine Gelegenheit zum Beten hätten, kein geschächtetes Fleisch kaufen könnten oder keine Arbeit fänden, weil sie, ihren religiösen Geboten folgend, als Frau ein Kopftuch trügen. Streckenweise ähnele die Argumentationslinie des EKD–Textes den Veröffentlichungen „von erzkonservativen Publizisten“, entgegnen die Muslime.

Das gelte etwa für das Kopftuchtragen im Schuldienst. Denn die EKD bekräftige ihre Auffassung, dass das Kopftuchtragen im Unterricht als politische Aussage zu verstehen sei und der Verfassung widerspreche. Die EKD versuche, den Muslimen ihre eigene Deutung aufzuerlegen, und verwehre muslimischen Frauen das Recht auf eine eigene Auslegung.

Ausdrücklich widerspricht der Koordinierungsrat der „Behauptung“, der Glaube der Muslime verleite zu Intoleranz, Verachtung der Menschenrechte und Gewaltandrohung. Durch ihre Haltung zum Kopftuch im Schulunterricht bis zum Aufruf, Kirchengebäude nicht an Muslime zu verkaufen, erwecke die EKD den Eindruck, nicht nur Anwältin, sondern Wächterin und Beschützerin des christlichen Abendlandes und seiner Werte zu sein. Mit ihrem Beitrag gebe die EKD bestehenden Vorurteilen gegenüber dem Islam eine kirchlich-offizielle Bestätigung und verstärke „Klischees, die in evangelikalen Kreisen über den Islam verbreitet werden“.

Quelle: oll. / Frankfurter Allgemeine Zeitung
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