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Holocaust-Leugner Benedikt fordert von Williamson unmissverständlichen Widerruf

04.02.2009 ·  Papst Benedikt XVI. hat auf scharfe Kritik an der Rücknahme der Exkommunikation des Bischofs der Pius-Bruderschaft Williamson reagiert. Der Vatikan ruft Williamson nun auf, sich „eindeutig und öffentlich“ von seinen Äußerungen zum Völkermord an den Juden zu distanzieren.

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Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch auf scharfe Kritik an der Rücknahme der Exkommunikation des Bischofs der Pius-Bruderschaft Williamson reagiert und diesen zum Widerruf seiner Behauptungen über den Holocaust aufgerufen. Einen Tag, nachdem Bundeskanzlerin Merkel eine deutliche Klarstellung des Vatikans gefordert hatte, teilte Kardinalstaatssekretär Bertone in einer Note mit, erst nach einer „unmissverständlichen Distanzierung“ von seinen Positionen zum Völkermord an den Juden könne Williamson wieder voll in die Kirche aufgenommen werden.

Williamson ist einer von vier Bischöfen der traditionalistischen Pius-Bruderschaft, deren Exkommunikation der Papst kürzlich aufgehoben hatte. Der Engländer Williamson hatte die Vernichtung der europäischen Juden zuvor mehrfach in Abrede gestellt. In der Note des Vatikans heißt es, der Papst habe zunächst nur eine Kirchenstrafe aufgehoben. Dieser Akt bedeute nicht die kirchenrechtliche Anerkennung der Pius-Bruderschaft, sondern öffne nur „die Tür zu einem Dialog“.

„Positionen über die Schoa sind absolut unannehmbar“

Die Note hebt die Notwendigkeit hervor, dass die Pius-Bruderschaft die gesamte Tradition und Lehre der Kirche, das Lehramt der Päpste und das Zweite Vatikanische Konzil „voll anerkennt“. Weiter heißt es, „die Positionen von Bischof Williamson über die Schoa sind absolut unannehmbar und werden entschieden vom Heiligen Vater zurückgewiesen“.

Bischof Williamson müsse, um zu bischöflichen Handlungen in der Kirche zugelassen zu werden, „in absolut unmissverständlicher und öffentlicher Weise sich von seinen Ansichten über die Schoa lossagen, die dem Heiligen Vater zum Zeitpunkt der Rücknahme der Exkommunikation nicht bekannt waren.“ Der Papst ging in seiner Audienz am Mittwoch nicht auf die Debatte ein.

Merkel und Steinmeier einig: „Klarstellungen sind nötig“

In Berlin sagte Regierungssprecher Wilhelm, die Kritik der Bundeskanzlerin am Papst sei in der Sitzung des Kabinetts am Mittwoch nicht angesprochen worden. Er ließ es offen, ob der Vatikan vorab über die Stellungnahme informiert worden sei. Frau Merkel hatte gesagt, „im Allgemeinen“ bewerte sie nicht innerkirchliche Entscheidungen. „Allerdings glaube ich, dass es anders ist, wenn es um Grundsatzfragen geht.“

Mit Blick auf den Holocaust gehe es „darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klar gestellt wird, dass es keine Leugnung geben kann und dass es natürlich einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt geben muss. Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt“, hatte Merkel gesagt.

Der Sprecher von Außenminister Steinmeier (SPD) sagte, der Minister teile in dieser Angelegenheit die Auffassung der Bundeskanzlerin. Regierungssprecher Wilhelm teilte mit, Frau Merkel habe am Mittwochvormittag den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, angerufen. Wilhelm sagte, Frau Merkel habe sich nicht in kirchliche Belange einmischen wollen, sondern sich vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte zu einem politischen Thema geäußert. Die persönliche Position des Papstes kenne sie und sie stehe für sie außer Zweifel.

Müntefering: „Schwerer, historischer Fehler“

Auch der SPD-Vorsitzende Müntefering kritisierte den Papst. „Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel. Das ist ein schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss“, sagte Müntefering der „Berliner Zeitung“. Benedikt XVI. habe „gerade deutlich demonstriert, dass auch ein Papst hier nicht unfehlbar ist. Ich kann der katholischen Kirche hierzulande nur empfehlen, hier keinen falschen Gehorsam zu zeigen.“

Der CDU-Abgeordnete Wimmer äußerte sich empört über Frau Merkel. „Es gab überhaupt keinen Anlass, warum eine deutsche Bundeskanzlerin sich so äußert.“ Der CSU-Europaabgeordnete Posselt forderte, Frau Merkel solle aufhören, sich „als Lehrmeisterin des Papstes zu gerieren“.

„Politischer und diplomatischer Fehlgriff“

Der Augsburger Bischof Mixa sprach von einem „politischen und diplomatischen Fehlgriff“ der Bundeskanzlerin. Der Papst benötige „keinen Nachhilfeunterricht der deutschen Regierungschefin“, sagte Mixa. Auch der Eichstätter Bischof Hanke sagte, es sei „unbegreiflich und empörend, wenn selbst die deutsche Bundeskanzlerin vom Papst klare Worte fordert in einem Zusammenhang, in dem gerade Papst Benedikt es nie an Eindeutigkeit hat fehlen lassen“, sagte Hanke.

Der Regensburger Bischof Müller sagte der ARD, der Streit über die Rücknahme der Exkommunikation von Bischof Williamson sei eine gegen den Papst gerichtete Kampagne. Der Papst habe dabei keine Fehler gemacht, er müsse sich daher auch nicht entschuldigen.Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Kramer, befürwortete die Kritik der Bundeskanzlerin am Vatikan. Er habe „Hochachtung und Anerkennung für die Bundeskanzlerin, dass sie sich in dieser diffizilen Angelegenheit zu Wort meldet“, sagte Kramer der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Vom Papst forderte Kramer weitere Konsequenzen. Die Note des Vatikans vom Mittwoch sei zwar ein „richtiger Schritt“, dieser reiche aber nicht aus.

Das israelische Außenministerium teilte mit, man betrachte die Entscheidung des Vatikans mit Bedauern und Beunruhigung. Die Rücknahme der Exkommunikation Williamsons sei eine Beleidigung für jeden Juden. Die jüngsten Erklärungen des Vatikans sehe man als „ersten Schritt in die richtige Richtung“. Israel erwarte aber „ausdrücklichere und unmissverständliche Entscheidungen und Erklärungen“ des Vatikans.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, begrüßte die Note des Vatikans vom Mittwoch. Sie mache deutlich, dass für Leugner des Holocausts kein Platz in der katholischen Kirche sei. Der Berliner Erzbischof Kardinal Sterzinsky sagte, eine Überprüfung der Rücknahme der Exkommunikation sei „unumgänglich“. „Von Bischof Williamson war weltweit bekannt, dass er den Holocaust leugnet“, sagte Sterzinsky.

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