20.07.2008 · Eine halbe Million Menschen kam, um seine Abschiedsmesse zu hören: In Sydney warnte Papst Benedikt XVI. die Jugend der Welt vor „geistigen Wüsten“. Vor seiner Rückkehr nach Europa wollte er eventuell noch Opfer pädophiler Kleriker treffen.
Mit dem größten Gottesdienst in der Geschichte Australiens ist in Sydney der katholische Weltjugendtag zu Ende gegangen. Vor rund 500.000 Menschen rief Papst Benedikt XVI. am Sonntagmorgen zu einer Erneuerung von Gesellschaft und Kirche auf. Er warnte er vor neuen „geistigen Wüsten“, die sich trotz materiellen Wohlstands überall ausbreiteten. Stattdessen forderte er eine „neue Ära“, in der Egoismus, Habgier und Oberflächlichkeit durch Solidarität, Respekt und Hoffnung ersetzt werden sollten.
Unterdessen schloss Vatikansprecher Federico Lombardi nicht aus, dass der Papst außerhalb des offiziellen Programms in Sydney noch mit Opfern pädophiler Kleriker zusammentrifft. Vertreter von Missbrauchsopfern in Australien hatten wiederholt gefordert, Benedikt XVI. müsse mit den Geschädigten persönlich sprechen. Bei seinem Besuch in den Vereinigten Staaten im April war eine solche Begegnung kurzfristig arrangiert worden.
Besucher aus 170 Ländern
Hunderttausende Jugendliche hatten die australische Winternacht auf dem Gelände der Rennbahn von Randwick verbracht. Die Messfeier enthielt zahlreiche Elemente der indigenen ozeanischen Kulturen. Während des Gottesdienstes spendete Benedikt XVI. 24 jungen Katholiken aus allen Kontinenten das Sakrament der Firmung.
Zu dem fünftägigen Weltjugendtreffen waren auf Einladung des Papstes katholische Jugendliche aus 170 Nationen nach Australien gekommen. Der nächste Weltjugendtag soll 2011 in der spanischen Hauptstadt Madrid stattfinden, wie Benedikt XVI. am Ende der Messe ankündigte.
In seiner Predigt warnte der Papst vor einer um sich greifenden inneren Leere, vor undefinierbarer Angst und dem Gefühl von Verzweiflung. Junge Leute seien auf der Suche nach Sinn. Eine neue Generation von Christen müsse daher eine neue Welt aufbauen, in der das Leben angenommen, respektiert und gepflegt und nicht zurückgewiesen und aus Angst zerstört wird. Gerade die jungen Katholiken sollten „Propheten“ dieser neuen Ära sein.
Längste Auslandsreise des Papstes
Mit einem Treffen mit den Sponsoren und Organisatoren des Weltjugendtages endet am Abend die gut einwöchige Australien-Reise des Papstes. Am Montagmorgen fliegt das 81 Jahre alte Kirchenoberhaupt nach einer Begegnung mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Weltjugendtags und einer Abschiedszeremonie am Flughafen nach Rom zurück. Es war die neunte und bislang längste Auslandsreise von Benedikt XVI.
Wie schon in den Vereinigten Staaten im April waren in den Medien Missbrauchsskandale in der australischen Kirche ein bestimmendes Thema. Bei einem Gottesdienst mit den Bischöfen des Landes hatte der Papst am Samstag sexuellen Missbrauch Minderjähriger scharf verurteilt. Den Opfern sprach er sein persönliches Bedauern für ihre Leiden aus.