29.05.2010 · Im luxuriösen Osloer Hotel Radisson Blu Plaza ist kein Platz mehr zu haben, dafür gibt es viel zu sehen: Frühstück neben Hape Kerkeling und Gespräche über die Favoriten - doch niemand weiß, wo Stefan Raab und Lena sind.
Von Peter-Philipp SchmittAm Radisson Blu Plaza führt in Oslo kein Weg vorbei. Das Hotel überragt alles, außer den Stadtberg Holmenkollen mit seiner berühmten Skisprungschanze. Mit 37 Etagen ist das Plaza das höchste Hotel Nordeuropas. Die Aussicht auf die Stadt ist atemberaubend - gerade in diesen herrlich sonnigen Frühlingstagen. Fast 700 Zimmer hat die noble Herberge, die zum „Eurovision Song Contest“ (ESC) natürlich ausgebucht ist. Denn im Plaza wohnen die Delegationen, die es sich leisten können. Das erkennt man schon allein daran, dass vor der Tür Dutzende Busse und Limousinen mit der Aufschrift „Share The Moment“ (der offizielle ESC-Slogan in diesem Jahr) für die vielen Ehrengäste bereitstehen.
Schon in der Lobby riecht es meist streng nach Haarspray. Vor der Tür stehen - rauchend - Frauen mit Lockenwicklern und stark geschminkten Gesichtern, vor allem kurz bevor es zu Proben oder Auftritten in Richtung Telenor-Arena geht. Wer im Plaza wohnt, muss sich auf ein ständiges Schaulaufen gefasst machen. Schon morgens beim Frühstücksbüffet trifft man auf Mary Roos und Hape Kerkeling, Johnny Logan ist da, Lys Assia, die erste Grand-Prix-Gewinnerin im Jahr 1956 aus der Schweiz wurde genauso eingeflogen wie zum Beispiel Jaana Pelkonen, eine der Moderatorinnen des Grand Prix vor drei Jahren in Helsinki. Hinzu kommen noch unzählbar viele weitere Radio- und Fernsehmoderatoren, Journalisten, Background-Sänger und -tänzer, außerdem Stylisten, Choreographen, Internetblogger und wer sich sonst noch die etwa 300 Euro pro Nacht leisten kann (ohne einen eventuellen Großgruppenrabatt zu berücksichtigen).
Die Experten bleiben unter sich
Nun gibt es wahrscheinlich nichts Schöneres, als schon beim Frühstück neben einem gutgelaunten Hape Kerkeling zu sitzen, doch sind ja nicht alle Prominenten nett und reizend. Zudem schafft die ständige Nähe eine merkwürdige Atmosphäre. Viele kennen sich seit Jahren, wer einmal dem Grand-Prix-Fieber verfallen ist, kommt nie mehr von ihm los (man denke nur an Stefan Raab, der allerdings gerade nicht im Plaza mit Lena wohnt, sondern sich lieber ungestört mit seinem Brainpool-Team an einem geheim gehaltenen Ort aufhält).
Da nun die, die im Plaza zusammensitzen, zwar miteinander gut bekannt sind, sie zugleich aber auch miteinander konkurrieren und alle sowieso ständig unter Druck, Stress und Nervosität leiden, hängt der Haussegen schnell mal schief. So zumindest wird aus dem Inneren des ESC-Hotels berichtet. Zugleich schwimmen alle in der gleichen Suppe, ein Austausch mit der Außenwelt findet kaum noch statt. Die Experten bleiben unter sich, die wenigsten brechen mal aus. Nach Tagen kann so jegliche Distanz verloren gehen, innerhalb der Zirkel werden völlige Außenseiter unter den Grand-Prix-Teilnehmern plötzlich zu Favoriten erkoren und umgekehrt.
Zwei Wochen Wahnsinn
Von außen betrachtet, ist das ganz amüsant. Bis auf wenige Hardcore-Fans mag sich aber keiner solch einen Wahnsinn zwei Wochen lang antun. Der Nachteil, wenn man in einem preiswerteren Hotel außerhalb des direkten Zentrums untergebracht ist: die langen Wege. Zwar gibt es vom Plaza Shuttle-Busse, die jeder Akkreditierte benutzen darf. Doch wann genau sie fahren, weiß keiner. Zudem, und das ist einer der wenigen Kritikpunkte hier in Oslo, ist der Shuttle-Busverkehr fast jedes Mal, wenn's darauf ankam, zusammengebrochen.
Die Delegationen in den großen schönen teuren Hotels haben zwar eigene Busse. Aber so weit geht die Freundschaft jedenfalls nicht immer, als dass man andere als die eigenen Staatsbürger hineinlassen würde. So fährt zum Beispiel ein Doppeldecker mit nur drei bulgarischen Delegierten hinaus zur etwa 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt gelegenen Telenor-Arena und lässt Dutzende Wartende einfach stehen.
Kaum ein Fan ohne Nationalfarben zu sehen
Der Veranstaltungsort, benannt nach der norwegischen Telefongesellschaft Telenor, liegt außerhalb der Stadt in Fornebu in der norwegischen Gemeinde Bærum. Der im Westen gelegene Vorort von Oslo ist angeblich der exklusivste in ganz Norwegen, seine Einwohner („Bæringer“ genannt) gelten als Stereotyp für reiche Menschen. Trotzdem war die Arena bislang noch nicht einmal ausverkauft. Beim ersten Halbfinale saßen 8000 in der 17.000 Zuschauer fassenden Halle. Beim zweiten Halbfinale waren es 13.000. Das Finale morgen soll allerdings ausverkauft sein, wie die Europäische Rundfunkunion (EBU) versichert.
Oslo profitiert natürlich ganz massiv von den angereisten Fans. Nicht nur, dass derzeit, so wird berichtet, 40.000 zusätzliche Übernachtungsgäste in der Stadt weilen sollen. Die Besucher füllen auch täglich die Kneipen, Bars, Restaurants, Diskotheken. Zudem beleben sie das Stadtbild ungemein. In den letzten Tagen vor dem Finale geht kaum noch ein Fan ohne Nationalfarben vor die Tür. Arm in Arm marschieren Männer wie Frauen mit Flaggen in der Hand und Fahnen um die Hüfte, die heimatliche Kennung wird am ganzen Körper, auf dem Kopf, im Gesicht, in den Haaren getragen. Das schönste Paar bisher: Zwei als Käsebotschafterinnen verkleidete Holländer. In Holzschuhen, langen roten Röcken und blau-weißen Schürzen sowie mit den markanten Flügelhauben zogen die beiden Männer Händchen haltend durch die Fußgängerzone, die Karl Johans Gate. In Moskau im vergangenen Jahr war so etwas undenkbar. Und nach Minsk will deswegen auch niemand. Selbst wenn dort die Shuttle-Busse dann militärisch pünktlich fahren sollten.
Geheimsprachgesang
Hildegard Grygierek (hildegardswelt.de)
- 29.05.2010, 14:17 Uhr
ja, sie sind auf der suche nach ....
YIN YANG (YANGI)
- 29.05.2010, 17:54 Uhr
Geheimsprache? Nicht in Deutsch?
William Pitt (william_pitt)
- 29.05.2010, 18:35 Uhr
Lange Wege? Oslo ist eine schnelle Stadt!
Hans-Joachim Zierke (ha-jo)
- 29.05.2010, 22:03 Uhr
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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