Und noch eine Meyer-Landrut/Raab-Gemeinschaftskomposition - doch eine Überraschung war das nicht: Schon seit Ende Januar wussten einschlägige Internetforen genau, welche zwölf Lieder es in die beiden Vorrunden von „Unser Song für Deutschland“ (USFD) schaffen würden. Trotz aller Geheimhaltung. Die Titel und Komponisten wurden sogar bereits auf der englischen Wikipedia-Seite von Lenas neuem Album „Good News“ exakt vorhergesagt (auf der deutschen übrigens zunächst nicht). Und da stand eben auch: „Mama Told Me“, Meyer-Landrut/Raab.
Dass von 700 Liedern aus aller Welt, aus denen die zwölf angeblich besten ausgewählt wurden, nun gleich drei ausgerechnet aus Köln-Sülz stammen (oder dort zumindest maßgeblich mitgeschrieben wurden), ist dann doch etwas merkwürdig. Kaum zu glauben, dass Stefan Raab noch mehr Songs eingereicht hatte. Natürlich wurden alle seine (drei) Kompositionen berücksichtigt - die Fernsehzuschauer wählten am Ende aber nur die Gemeinschaftsproduktionen weiter, das von Raab alleine geschriebene „That Again“ jedoch nicht.
Der unverfängliche Sänger Raab
Letztlich soll Lena sich mit dem Lied wohlfühlen, und wer könnte ihr eine Komposition besser auf den Leib schreiben als sie selbst und ihr Mentor Raab. Der Mann aus Köln-Sülz, wo seine Eltern eine Metzgerei hatten, will nun mal unbedingt als Komponist zum „Eurovision Song Contest“ (ESC), und er will selbstverständlich in Düsseldorf mit ihr auch gewinnen. Das will doch jeder, wie Raab am Montagabend bei „Unser Song für Deutschland“ anfügt. Dafür verzichtet er nur zu gerne auf die Moderation des ESC-Finals am 14. Mai. Beides geht nicht, das verbieten die Regeln. Sollte es der Komponist Raab schaffen, dann wird aus dem Moderator Raab vermutlich einfach der unverfängliche Sänger Raab, der dann zwar nicht reden, aber wenigstens doch auftreten kann.
Letztlich war klar, dass „Mama Told Me“ beim Publikum punkten musste: Nach fünf doch eher balladig-langsamen Nummern folgte das Raabsche Werk ganz am Ende - als einziges schmissiges Lied. Mit einigem Krawall und vor allem Trompeten. Das konnte kein Zufall sein. Und Lena tanzte sogar auf der Bühne, ließ sich in die Choreographie der vier Tänzerinnen in ihren silbernen Minikleidern einbinden. Das hatte sie noch im vergangenen Jahr bei einem ESC-Auftritt kategorisch ausgeschlossen.
Lena in Farbe kommt nicht gut an
Doch Lena macht ja, was sie will. Und das mit einer Lässigkeit, die einzigartig ist. Welche Frau würde zweimal in einer Woche im selben Kleid in die große Öffentlichkeit gehen? Lena zeigte sich beim ersten Halbfinale (am Montag vor acht Tagen) in einer altrosa Abendrobe, mit der sie am Samstag dann auch zur Verleihung der Goldenen Kamera (Beste Musik National) über den roten Teppich und auf die Bühne der Berliner Ullstein-Halle schritt. So einfach kann man sich und sein Prominentendasein nehmen. Dabei war sie für das lange Kleid sogar kritisiert worden.
Tatsächlich, und es mag Zufall sein, kommt Lena in Farbe nicht gut an. Sechs Mal Schwarz kam bei den beiden Vorentscheiden weiter. Bei drei Liedern trug sie ein schwarzes Mini, zwei Mal einen schwarzen Hosenanzug, einmal ein schwarzes bodenlanges Kleid. Rot, Altrosa, Beige, Weiß, Blau - sie alle blieben auf der Strecke und wurden beim „Fashionvote“ auf der offiziellen Eurovision-Seite auch klar schlechter bewertet.
Doch natürlich ging es am Montagabend weniger um Mode und mehr um die Musik. Und die Kombo Meyer-Landrut/Raab hat starke Konkurrenz. Denn auch das Komponisten-Duo Daniel Schaub und Pär Lammers aus Berlin ist beim USFD-Finale am 18. Februar mit gleich zwei Titeln vertreten. Schon vor acht Tagen wurde ihr „Maybe“ in die Endrunde gewählt, nun ihre romantische, aber überhaupt nicht kitschige Ballade „Push Forward“. Der Song bekam neben „Mama Told Me“ den meisten Applaus. Schaub und Lammers scheinen den Lena-Ton besonders gut zu treffen: Bereits fürs erste Album „My Cassette Player“ steuerten sie den gemeinsam mit Raab geschriebenen Song „I Just Want Your Kiss“ bei.
Gescheitert - und das zum zweiten Mal - ist hingegen Audra Mae, die Großnichte von Hollywood-Legende Judy Garland. Nach „Good News“ fiel nun auch ihr „A Good Day“ (an dem Todd Edgar Wright und Scott Simons mitschrieben) durch. Das wäre aber auch zuviel der Zufälle gewesen, wenn am Ende sechs Lieder von nur drei Komponistenteams im Finale gestanden hätten. So schaffte es „A Million And One“ vom Erfolgsduo Errol Rennalls und Stavros Ioannou aus Hannover, ein in weiten Teilen leichter, schöner Sprechgesang. Ein ungewöhnliches Stück - das bei den Juroren gut ankam. Die taten dieses Mal wenigstens, wozu Juroren gewöhnlich da sind. Anke Engelke vor allem redete tacheles, nannte den Text des zweiten Liedes „Teenage Girl“ doof, Audra Meas „A Good Day“ viel zu retro und den Refrain von Aloe Blaccs „At All“ schwach. Bislang hatten die angeblichen Juroren alles für gut befunden. Das ist nicht eben unterhaltsam anzuschauen, bei einer Sendung, in der sich sowieso niemand mit niemandem messen muss.
Genau daran krankt der diesjährige Vorentscheid: Es fehlt die Spannung, mit einem Wettbewerb hat das Ganze fast nichts zu tun. Das zweite Halbfinale plätscherte dahin wie das erste. Und das Finale kann kaum besser werden - eher schlechter, denn man kennt jetzt ja nicht nur schon alle sechs Songs, sondern auch die sechs schwarzen Outfits, in denen sich Lena gewiss noch ein weiteres Mal präsentieren wird. Wenigstens bleiben dem Zuschauer in zehn Tagen die unsäglichen Werbeunterbrechungen erspart. Die „große Entscheidung“ wird nämlich nicht mehr auf ProSieben, sondern im Ersten gezeigt.
von Lena nicht verschuldeter Lena-Overkill
Michael Kaufmann (michaelkaufmann)
- 08.02.2011, 08:51 Uhr
eine grausame Farce, die offenbart um was es geht:
Johannes Rettig (JR-Baden)
- 08.02.2011, 09:17 Uhr
Es war eine gute Sendung!
Kerstin Steiner (KerstinSteiner)
- 08.02.2011, 11:24 Uhr
GEZ für Raab?
Paul Fischer (HHeureka)
- 08.02.2011, 11:49 Uhr
Gesamtkunstwerk Lena
Bernd Löhr (tholomaz)
- 08.02.2011, 12:39 Uhr
