15.09.2009 · Kaum ist Porsche als zehnte Marke im VW-Konzern angekommen, denkt der Aufsichtsratsvorsitzende schon weiter: Piëch will mit MAN und womöglich auch Suzuki das Dutzend vollmachen. Über den früheren Conti-Chef Neumann wird als Neuzugang für den Konzernvorstand spekuliert, erfuhr die F.A.Z.
Von Henning Peitsmeier und Christoph RuhkampFerdinand Piëch ist seiner Zeit voraus. Der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns sitzt entspannt auf einem Barhocker, blickt auf die hell ausgeleuchtete Drehbühne und lässt genüsslich die neuesten Exponate der neun Marken vor seinen Augen vorüberziehen. Auf einen geräumigen Skoda-Superb-Kombi folgt ein noch geräumigerer VW-Multivan, und dem in 450 Stunden Handarbeit gefertigten Bentley Mulsanne zeigt ein Lamborghini zum Preis von 1,1 Millionen Euro, dass deutscher Ingenieurskunst offenbar kaum Grenzen gesetzt sind. „Alle Kinder sind schön“, sagt Piëch, lächelt zufrieden und wird später durchblicken lassen, dass selbst mit Porsche als zehnter Marke sein Imperium noch nicht die endgültige Größe erreicht hat.
90 Minuten dauert das Modellfeuerwerk von Europas größtem Autohersteller in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Es ist die „VW Group Night“, die Leistungsschau des Konzerns am Vorabend der Internationalen Automobilausstellung IAA. „Driving Ideas“ versprechen die Wolfsburger den versammelten 2018 Gästen.
„Zwölf ist eine gute Zahl“
Doch der Aufsichtsratsvorsitzende weiß schon mehr. Auf die Frage, wie viele Marken denn in seinem Reich Platz haben, sagt Piëch mit breitem Grinsen: „Zwölf ist eine gute Zahl.“ Zwölf Kinder hat der 73-Jährige, zwölf Marken kann er sich vorstellen. Gerade erst ist Porsche als zehnte Marke hinzugekommen, der Lastwagenhersteller, an dem VW schon knapp 30 Prozent der Anteile hält ist als elfte Marke gesetzt – und Nummer zwölf, das sagt Piëch allerdings nicht, könnte Suzuki sein. Den japanischen Kleinwagenhersteller hat VW ins Visier genommen, um Zugang zum indischen Markt zu erhalten. Das hat die F.A.Z. aus Unternehmenskreisen erfahren.
An Suzuki war lange Zeit der amerikanische General-Motors-KOnzern mit 20 Prozent beteiligt, musste im Zuge der eigenen Notlage aber den Anteil schrittweise verkaufen. Nun ist Suzuki zu haben. Immer wieder hatte sich Piëch voller Bewunderung über den effizienten Kleinwagenspezialisten geäußert.
Klein, sparsam, umweltfreundlich
Kleine und sparsame Autos mit umweltfreundlichen Elektroantrieben – das sind eigentlich die Stars der Automesse in Frankfurt. Doch auf so etwas müssen die Gäste bei VW an diesem Abend lange warten. In den ersten eineinhalb Stunden ist das einzig Elektrische die Heckklappe des neuen Skoda-Modells. Später fährt Bugatti-Chef Franz-Josef Paefgen mit einem Elektrovehikel auf die Bühne. Ein Gag: Der Bugatti sieht aus wie eine Kutsche, wurde im frühen 20. Jahrhundert gebaut und gehörte dem belgischen König.
Während die ganze Autowelt von Elektroantrieben redet, viele Hersteller an neun Konzepten tüfteln, sieht es bei VW danach aus als tauge die Elektrifizierung nur zu ironischen Scherzen. Doch so viel Respektlosigkeit kann auch der große VW-Konzern der neuen Technologie nicht entgegenbringen. Es ist Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg vorbehalten die Show am Ende doch noch zu elektrisieren: Er rollt in einem gelben Kleinwagen auf die Bühne, die Elektroversion der Modellstudie Up. Im Jahr 2013 soll dieser E-Up auf den Markt kommen, sagt Hackenberg. Und das meint er ernst.
„Vielfalt“, tönt der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn wenig später, „ist unsere entscheidende Stärke.“ Für jeden Kunden die passende Lösung biete der VW-Konzern. „Wir bei VW werden das Elektroauto aus der Öko-Nische ins Massensegment führen“, sagt Winterkorn. Und weil er weiß, dass andere Hersteller wie Renault und Toyota längst viel weiter auf dem Elektropfad vorangekommen sind, schiebt er den Satz hinterher: „Dabei zählt nicht die schnellste, sonder die beste Lösung für den Kunden.“ (Volkswagen lässt sich Zeit)
Winterkorn denkt in Superlativen
Einer wie Winterkorn denkt in Superlativen. 2018 muss der Konzern die Weltspitze erklommen und Toyota überholt haben. Auf dem Weg dahin hat Winterkorn so viel Arbeit, dass er seine Funktion als VW-Markenvorstand gern delegieren würde. Schon wird über einen Neuzugang für den Konzernvorstand spekuliert: Nach Informationen der F.A.Z. ist der ehemalige Continental-Chef Thomas Neumann im Gespräch.
Nichts soll VW mehr aufhalten. Viele Monate war der Konzern durch den Machtkampf der zwei Eigentümerfamilien Porsche und Piëch gelähmt, doch jetzt, davon können sich alle überzeugen, ist das Kriegsbeil begraben. Piech-Vetter Wolfgang Porsche wird erstmals von den VW-Verantwortlichen vor einer Messe offiziell und über aus freundlich begrüßt. Sogar mit Bernd Osterloh zeigt sich Porsche in trauter Eintracht, jenem Betriebsratsvorsitzenden, dem er vor gar nicht allzu langer Zeit noch riet, endlich vom Baum herunter zu kommen. Doch seit Porsche-Chef und oberster VW-Kritiker Wendelin Wiedeking nicht mehr im Amt ist, auch das ist eine Botschaft an diesem Abend, gibt es keine atmosphärischen Störungen mehr in Piëchs Autowelt. Wiedeking-Nachfolger Michael Macht darf sogar auf die Bühne kommen und sagen, dass er „die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem VW-Konzern weiter ausbauen“ will.
Piëchs Familie bekommt Nachwuchs
Heiko Schlösser (xx5000)
- 15.09.2009, 16:15 Uhr
VW > Toyota? Ich glaube es wenn ich es sehe...
Andreas Lehmann (alm)
- 15.09.2009, 17:59 Uhr
MAN -> VW
Closed via SSO (Morrissey)
- 15.09.2009, 20:35 Uhr
Das Ziel des Wettbewerbs ist das Monopol
Lüko Willms (l.willms)
- 16.09.2009, 23:40 Uhr